Erzengel in DDR geschmuggelt
Der bei der Communio in Christo lebende und wirkende Schönstatt-Pater Rudolf Ammann berichtete an seinem 80. Geburtstag aus seinem bewegten Priesterleben – „Und immer war Christus unerkannt in meinen Weggefährten an meiner Seite“
Mechernich/Blankenheim – Mit einer Heiligen Messe, einer reich gedeckten Tafel und einem öffentlichen Interview zu seinen Lebenserinnerungen beging der bei der Communio in Christo in Mechernich und Blankenheim lebende und wirkende Schönstatt-Pater Rudolf Ammann am 30. Juli seinen 80. Geburtstag.
In den Mittelpunkt der Feierlichkeiten stellte Generalsuperior Karl-Heinz Haus, der Obere der weltweit verbreiteten Gemeinschaft mit Mutterhaus in Mechernich, das Ostermontagsevangelium vom Gang zweier hoffnungsverlorener Jünger Jesu in den Jerusalemer Vorort Emmaus. Als zunächst unerkannter Dritter gesellt sich der gekreuzigte und auferstandene Christus zu den beiden und nimmt ihnen Angst und Depression.

Auch er habe in der Person von Weggefährten zeitlebens Gott an seiner Seite gewusst, verriet Pater Ammann in der Predigt. Im Konvikt und in der Schönstatt-Gruppe an der Schule sei ein Mitschüler namens Leo, ein Spaßvogel und Gitarrenspieler, der unerkannte Dritte gewesen, der ihm in seiner humorvollen und etwas respektlosen Art die Schönstatt-Bewegung und die Priesterberufung entdecken half.
Novize, Räuber und Gendarm
Nach Leos tragischem Tod bei einem Verkehrsunfall – er wurde wie Rudolf Ammann auch Priester – übernahm Dieter Spelthahn, späterer Geschäftsführer von Adveniat und Lateinamerikakenner, die Rolle des unerkannten Dritten an Ammanns Seite im Noviziat der Schönstatt-Patres.

Rudolf Ammann im Interview mit Mathieu Kloft: „Eigentlich gab es unser Säkularinstitut noch gar nicht. Das war wie eine Art Räuber und Gendarmspiel mit dem Regens des Seminars.“ Der Diener Gottes, Pater Josef Kentenich selbst, gründete Noviziat und Institut als eine der über 20 verschiedenen Gemeinschaften der Internationalen Schönstattbewegung. Ammann und Spelthahn und ihre Mitbrüder befanden sich praktisch in einem nicht genehmigten „Privatnoviziat“.
Stets habe er Menschen an seiner Seite gefühlt, die mitgehen, wie der Herr selbst an der Seite der Emmaus-Jünger. Seit einigen Jahren nun sei es Generalsuperior Karl-Heinz Haus, den er an seiner Seite wisse als Stellvertreter dessen, der dahinter steht und geht.

Pater Ammann verriet schon in der Messe in der Hauskapelle der Communio in Christo vor dem Interview, dass sein Lebens- und Berufungsweg keineswegs eine stringente Aneinanderreihung richtiger Entscheidungen war: „Mit zehn Jahren wusste ich genau, dass ich Priester werden wollte, mit 20 war ich mir nicht mehr so sicher, mit 25 habe ich darum gerungen und kämpfen müssen.“
Priester oder Psychologe?
Oft schienen die Anlässe eher banal und nebensächlich, die dann zu lebensbestimmenden Entscheidungen führten: „Kurz vor der Weihe – ich rang noch, ob ich Priester oder Psychologe werden solle – erzählte mein Vater mir, dass es jetzt langsam ernst werde mit der Weihe: zwei Frauen aus der Heimatgemeinde hätten schon vorgesprochen. Die eine wolle mir ein Messgewand, die andere einen Messkelch schenken.“ Das habe ihm den letzten Ruck gegeben…
Von abenteuerlichen Transit- und Schmuggelfahrten zu Schönstatt-Bewegten in der DDR war im Interview auch die Rede. Rudolf Ammann berichtete seinen zahlreichen Gästen im Refektorium und Rekreationsraum des Mechernicher Klosters von der illegalen Einfuhr von Schönstatt-Schriften, von Büchern Pater Kentenichs, Dokumenten und einmal sogar einer Schnitzfigur des Heiligen Erzengels Michael, der Platz in einem thüringischen Nachbau des Schönstatt-Heiligtums Vallendar bekommen sollte.

Die Schmuggelwaren wurden nach konspirativen Treffen auf dem Rastplatz vor dem Hermsdorfer Kreuz anschließend in 60km/h-Schleichfahrt auf der Transitstrecke selbst von Autofenster zu Autofenster gereicht. Als letztes wurden drei aneinander gebastelte Toblerone-Dreiecke hinüber gereicht, damit die beiden Schönstatt-Teams Bescheid wussten, dass die Aktion abgeschlossen war.
„Wir riskierten ja nicht viel, die Bundesrepublik kaufte ihre politischen Gefangenen aus der DDR frei“, erklärte Rudolf Ammann dem staunenden Publikum. Aber die verdeckt im Untergrund lebenden und wirkenden Schönstatt-Brüder hätten langjährige Gefängnisstrafen und lebenslange Repressalien in Kauf genommen.

Ammanns Interviewer, Mathieu, ein Sohn des Journalisten, Buchautors und persönlichen Ammann-Freundes Christoph Kloft, wollte vom 80Jährigen auch einen Ausblick in die Zukunft der Kirche und sprach ihn auf die von Christinnen initiierte Reformbewegung „Maria 2.0“ (Maria zweipunktnull) an.
Gott suchen auf der Schattenseite
Das sei wie ein „Weckruf aus der Gemeinde“, hinter dem der Heilige Geist selbst zu vermuten sei, so Pater Ammann. Der Dritte an der Seite sei immer vom Heiligen Geist inspiriert und weiß Gott nicht immer ein Mann. Er spaziere auch nicht immer auf der belichteten Sonnenseite des Lebens, sondern oft stoße man auf der eigenen Schattenseite auf ihn oder sie, die einen weiterbringen.

Er persönlich träume und hoffe mit Mutter Marie Therese, der Gründerin der Communio in Christo, und mit Papst Franziskus auf eine in Einheit wiederverbundene Kirche aus Vielfalt, in der Geschlechter und Nationen und auch alle christlichen Konfessionen mit- und untereinander mit Christus verbunden sind.
pp/Agentur ProfiPress