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Stoßartige Belastungen

Hochwasserschutz am Rotbach: Stadt Mechernich, Erftverband und Ingenieurbüro Okeanos informierten im Floisdorfer Bürgerhaus über geplante Maßnahmen

Mechernich-Floisdorf – Die Kölner haben Zeit. „Sie rufen in Mannheim an und wissen dann, in drei Tagen erreicht das Hochwasser Köln“, berichtet Dr. Benjamin Mewes. Ganz anders an den Bächen im Mechernicher Stadtgebiet. „Nach einem heftigen Niederschlags-Impuls entstehen in den Gewässern stoßartige Belastungen“, so der Geschäftsführer des Ingenieurbüros Okeanos. Das mache den Schutz vor Hochwasser und Starkregen so herausfordernd.

Wie Schutzmaßnahmen für die Orte entlang des Rotbachs dennoch aussehen könnten, stellten die Okeanos-Ingenieure Dr. Benjamin Mewes seine Kollegin Charlotte Rauh, Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, Fachbereichsleiter Mario Dittmann und Erftverbands-Projektleiter Julian Struck in einer Bürgerinfoveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Floisdorf vor. Zuvor hatte es solche Veranstaltungen bereits für die Einzugsgebiete Bleibach und Veybach gegeben.

Entlang des Rotbachs könnte hier, oberhalb von Bleibuir, ein sehr großes Rückhaltebecken entstehen. Bei einer Dammkrone von zehn Metern könnten hier 30.000 Kubikmeter zurückgehalten werden. Fotos: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Entlang des Rotbachs könnte hier, oberhalb von Bleibuir, ein sehr großes Rückhaltebecken entstehen. Bei einer Dammkrone von zehn Metern könnten hier 30.000 Kubikmeter zurückgehalten werden. Fotos: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Okeanos-Ingenieur Dr. Benjamin Mewes bedankte sich zunächst für die zahlreichen Eingaben, die Bürgerinnen und Bürger zur Verbesserung der Schutzmaßnahmen nach der Flut 2021 eingereicht hatten. „Dieses lokale Wissen war für uns eklatant wichtig zur Erarbeitung des Hochwasserschutz-Konzepts“, so Mewes, der mit seinem Büro von der Stadt beauftragt ist, dieses Konzept zu erstellen.

Insgesamt 102 stadtweite Maßnahmen haben die Experten gemeinsam mit den städtischen Mitarbeitern im Team von Fachbereichsleiter Mario Dittmann erarbeitet. „27 Maßnahmenkonzepte betreffen den Bereich entlang des Rotbachs“, erläuterte der Okeanos-Geschäftsführer. Während der Bürgerinfoveranstaltung riss er davon nur ein paar wenige an, um den Rahmen nicht zu sprengen.

Großes Becken bei Bleibuir

Demnach könnte das größte Becken bei Bleibuir entstehen. Mit einer Dammkrone von zehn Metern Höhe könnte hier ein Stauvolumen von 90.000 Kubikmetern erreicht werden. Ein kleines Becken am Schliebach würde auf 7000 Kubikmeter Volumen kommen. Auch in Bergbuir könnten zwei weitere Becken mit 13.000 und 8600 Kubikmetern Volumen sinnvolle Maßnahmen sein, ebenso ein kleines Becken in Floisdorf, das immerhin noch Schutz gegen ein 30-jähriges Hochwasserereignis biete.

Sie alle befinden sich noch in einer frühen Phase der Planungen. „Wir haben Bedarfsanalysen gerechnet, mit denen wir zeigen können, dass die Maßnahmen ein gewisses Schutz-Potenzial entfalten“, so der Okeanos-Chef. Damit ist aber zum Beispiel die Frage von Flächenverfügbarkeiten noch nicht geklärt.

In Floisdorf informierten Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (v.l.), Fachbereichsleiter Mario Dittmann, Erftverbands-Projektleiter Dr. Julian Struck und die Okeanos-Ingenieure Dr. Benjamin Mewes und Charlotte Rauh über Schutzmaßnahmen.
In Floisdorf informierten Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (v.l.), Fachbereichsleiter Mario Dittmann, Erftverbands-Projektleiter Dr. Julian Struck und die Okeanos-Ingenieure Dr. Benjamin Mewes und Charlotte Rauh über Schutzmaßnahmen.

Im Vorgriff auf die ein oder andere Maßnahme ist die Stadt Mechernich allerdings schon tätig geworden. „Wir haben Grunderwerb für rund 600.000 Euro getätigt“, berichtet Mario Dittmann. Was die spätere Finanzierung von Maßnahmen anging, hatte er allerdings keine guten Nachrichten für die Anwesenden. „Für Starkregenmaßnahmen gibt es überhaupt keine Fördergelder und der Topf für Hochwasserschutzmaßnahme ist stark überzeichnet“, so Dittmann.

Da hilft nun leider auch der Wiederaufbauplan nicht weiter. War zu Beginn noch die Hoffnung groß, dass das Land die rund 30 Millionen Euro an Schäden in Mechernich mitfinanziert, ist seit Oktober vergangenen Jahres klar: Es gibt noch lediglich zehn Prozent, also nur rund drei Millionen Euro an Zuschüssen. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Mario Dittmann, der sekundiert wurde von Dr. Hans-Peter Schick. „Von der anfänglichen Wiederaufbau-Euphorie ist in Land und Bund leider nicht mehr viel übriggeblieben“, so der Mechernicher Bürgermeister, der die Diskussionsrunde mit den Bürgerinnen und Bürgern moderierte und auch selbst immer wieder fundiert Stellung bezog.

Interaktive Karte des hwsErft

Nichtsdestotrotz hat die Stadt gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Okeanos weitergeplant und Maßnahmen identifiziert – darunter Rückhaltebecken ebenso wie Entlastungsrinnen oder optimierte Durchlässe. „Denn wir wollen vorbereitet sein, falls sich an der Förderkulisse etwas ändert“, so Fachbereichsleiter Mario Dittmann. Ziel sei es, im Fall der Fälle schnell handlungsfähig zu sein – mit durchdachten, genehmigungsreifen Maßnahmen.

Diese könnten im Zusammenspiel helfen, die Abflüsse zu verlangsamen und kritische Spitzen abzupuffern. Damit könnte Zeit gewonnen werden, die bei den stoßartigen Belastungen wichtig ist, damit sich die Bevölkerung besser schützen kann. Denn auch das machte Dr. Benjamin Mewes deutlich. „Der technische Hochwasserschutz ist nur die Spitze des Eisbergs“, so der Ingenieur. Zudem müssten die Bewohnerinnen du Bewohner auch Eigenvorsorge treffen. Und auch das Flächenmanagement sei wichtig, um den Gewässerläufen wichtige Retentionsflächen zu bieten. Hierüber entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über die Rolle der Landwirtschaft und die Ausweisung von Baugebieten.

Zuvor hatte noch Dr. Julian Strunck erläutert, dass die Planungen der Kommunen und deren Hochwasserschutzkonzepte auch in eine übergeordnete, interkommunale Kooperation einfließen. „Aktuell beteiligen sich 17 Kommunen an dieser Kooperation, die ein lebendiges Konstrukt ist, das sich immer weiterentwickelt“, so Projektleiter der interkommunale Hochwasserschutzkooperation (hws) Erft. Er verwies daher auf deren Internetseite https://hws-kooperation.erftverband.de, wo es eine interaktive Karte mit den geplanten Schutzmaßnahmen gebe, um sich vertiefter zu informieren.

Zudem hatten die Okeanos-Ingenieure noch diverse Informationen für die Anwohnerinnen und Anwohner mitgebracht. So gibt es unterschiedliche Hilfestellungen dafür, wie sich Menschen gegen Hochwasserereignisse selbst schützen können und wie sie sich bestmöglich auf Katastrophen vorbereiten können. Dr. Benjamin Mewes nannte zum Beispiel die Hochwasserschutzfibel des Bundes (https://www.fib-bund.de/inhalt/themen/hochwasser/) oder das Infoangebot des HochwasserKompetenzCentrums (www.hkc-online.de/). Auch das NRW-Umweltministerium hat unter www.flussgebiete.nrw.de diverse Hilfestellungen veröffentlicht.

pp/Agentur ProfiPress