Jeckenfest in Wildwildwest
Bleibuirer Rosenmontagszug mit schöner Stimmung und jeder Menge Wurfmaterial zog „Pänz“ aus dem weiten Umland an – Piraten ließen ihr Schiff vor dem Einsatz einsegnen – Glehner holten in Bleibuir nach, was ihnen Sturmtief „Yulia“ vermasselt hatte
Mechernich-Bleibuir – Wildwildwest: Auch im 52. Jahr seines Bestehens zog der Bleibuirer Rosenmontagszug wieder als Gemeinschaftszug der gesamten westlichen Hemisphäre des Mechernicher Bleibergs durch die Straßen. Narrenschiffe und Fußgruppen aus dem gesamten Raum Bleibuir/Bergbuir/Lückerath sowie Glehn/Hostel formierten sich an der ehemaligen Raiffeisenkasse zum närrischen Lindwurm.

Hunderte säumten die Straßen und warteten auf einen wahren Regen aus Kamellen, Chipstüten, Kleinspielzeug, Popcorn, Papierservietten und Tempotaschentücher-Päckchen. Von weither kommen die Leute jedes Jahr, um sich den freigebigen Bleibuirer Fastelovendszoch anzugucken und Beute für die „Pänz“ zu machen. Diesmal wurde sogar eine Familie aus der Hansestadt Lübeck am Bleibuirer Zugrand gesichtet.

„Kaum zu übersehen waren auch die gelben Badeenten aus Glehn“, schreibt die Reporterin Hanna Bender in den in der Stadt Mechernich erscheinenden Kölner Tageszeitungen. „Wir waren mal ein Kegelclub. Jetzt ist es noch ein Freundesclub“, erklärte Stephanie Braun der angehenden Redakteurin der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft: „Der Zug bei uns in Glehn ist am Sonntag wegen Sturm ausgefallen, aber es stand fest, wir sind so jeck, dass wir irgendwo mitgehen müssen.“ Also entschied man sich in Glehn für Bleibuir.

Äerzebällig stachen in See
Das tat auch die Crew um Käptn Rolly von der Glehner Karnevalsgesellschaft „Äerzebälleg“. Das neue stolze Piratenschiff vom Niederrhein, das die Glehner für 4000 hart erarbeitete Euro erworben und in wochenlanger Vorbereitungsarbeit gefechtsklar für mehrere Karnevalsschlachten gemacht hatte, durfte zwar beim Eiserfeyer Lichterzug, in Vussem und Bleibuir mitfahren, aber ausgerechnet bei der Heimatkreuzfahrt war die See zu stürmisch.

Kurzerhand beorderte Äerzebälleg-Admiral Werner Ackermann Schiff und potenzielle Zugbesucher zum Sportlerheim der DJK Glehn-Hostel, wo man den „Zoch“ im Stand erledigte. Diakon Manni Lang aus dem benachbarten Lückerath segnete das Schiff, Ute Ackermann und Reiner Kratz tauften den Kreuzer auf den Namen „Absinth“ – und dann ließen die Piraten von Bord kiloweise Wurfmaterial im Stand auf die das Schiff umstehenden Kinder und Erwachsenen niederprasseln.

In Bleibuir deckte der Wagen der 1. KG Rot-Weiß Bleibuir die „Absinth“ von hinten, vor ihr zogen bunte Fußgruppen, darunter auch die „Löckerather Schwemmbotze“, Kaminfeger, Schneefrauen und Männer und eine veritable Jagdgesellschaft mit vielen Geweihträgern und einem rollenden Hochsitz. „Us dem Büsch in de Züsch“, hieß es bei der aus Bleibuir, Schützendorf und Voissel stammenden Gruppe.

Hirsche und ein rollender Hochsitz
Als Rehe und Jäger wollten die sechs- bis 50-jährigen am Sonntag in Glehn beim Zoch mitgehen, doch der sei wegen Sturms ausgefallen, sagte Miriam Meyer: „Jetzt sind wir natürlich froh, dass wir hier mitmachen können.“ Auch Töchterchen Lena war mit Feuereifer dabei die Kamellen zu verteilen. „Am meisten Spaß macht mir, dass sich die anderen Leute so freuen, wenn man die Süßigkeiten und andere Sachen schmeißt“, erzählte die Neunjährige.

Vorneweg fuhr der frühere Stadtrat und Lückerather Ortsvorsteher Theo Schoddel mit seinem Deutz-Oldtimer-Trecker und dem Schild „De Zoch kütt“. Dann kam der Musikverein Bleibuir, der wie immer für tolle Musik und prima Stimmung im Bleibuirer „Zoch“ sorgte. Der Verein wird 2020 100 Jahre alt und feiert dieses Jubiläum im August.

Die Frewillige Feuerwehr hatte ein altes Moped zu denkmal-hafter Größe gebracht, die Spielvereinigung Rotbachtal, in der sich die alten Sportvereine SC Bleibuir, SV Voißel und DJK Glehn-Hostel verbanden, brachte wohl die teilnehmerstärkste Gruppe in diesem Rosenmontagszug an den Start.

Entlang des Zugwegs und später im Festzelt wurde tüchtig gefeiert. Die Freiwillige Feuerwehr sorgte für Sicherheit und Erwachsene wie Kinder waren am Ende trotz trüben Wetters heiterer Laune.

pp/Agentur ProfiPress






