Ergebnisse Blut-Screening liegen vor
Keine gesundheitlich bedenkliche Bleikonzentration im Blut – Werte weichen nur in Einzelfällen und geringem Maße von der Allgemeinbevölkerung ab – Bei 33 untersuchten Kindern wies keines eine erhöhte Belastung auf
Mechernich – Die Ergebnisse des Blutscreenings in Mechernich waren mit Spannung erwartet worden. „Wir haben keine als gesundheitlich bedenklich anzusehenden Bleikonzentrationen im Blut messen können“, sagte Prof. Dr. med Thomas Kraus, Leiter des Institutes für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der RWTH Aachen, in der Aula des Gymnasiums Am Turmhof vor rund 200 Zuhörern. Außerdem teilte der Aachener Umweltmediziner mit: „Wir haben derzeit keinen Hinweis auf erhöhte Belastung bei Kindern.“

Referenzwerte
Bei dem Screening im Mechernicher Rathaus war insgesamt 506 Freiwilligen Blut abgenommen worden – darunter 281 weibliche Probanden, 222 männliche, drei hatten keinen Fragebogen ausgefüllt, konnten also auch nicht zugeordnet werden. Unter den Untersuchten waren insgesamt 33 Kinder.
Die Bleiwerte im Blut wurden vom Institut mit dem derzeit gültigen Referenzwert und der allgemeinen Bevölkerung Deutschlands verglichen. Zuletzt hatte das Umweltbundesamt 2018 diese Referenzwerte nochmals deutlich abgesenkt. Seitdem liegt der Wert für Frauen im Alter von 18 bis 69 Jahren bei 30 Mikrogramm pro Liter Blut, für Männer bei 40 Mikrogramm, bei Kindern 35 Mikrogramm.

Die große Mehrzahl der untersuchten Blutproben war unauffällig, so Kraus. Bei einzelnen Personen konnte demnach eine geringe Überschreitung der Blei-Referenzwerte festgestellt werden, also bei neun Männern und vierzehn Frauen.
Die Ergebnisse liegen damit nur geringfügig über den Werten der Allgemeinbevölkerung und weit entfernt zum Beispiel von 150 Mikrogramm pro Liter Blut, der aktuell als gesundheitlicher Grenzwert am Arbeitsplatz gilt.
Gründe für höhere Werte
Teilweise konnte man erste Gründe schon über den Fragebogen erschließen, warum jemand mit dem Schwermetall im Blut mehr belastet war als andere. So war einer unter den Probanden, der angegeben hatte, beruflich viel mit Blei-Zinn gelötet zu haben sowie ein Sportschütze, der häufig bleihaltige Munition nutzte.
Kraus erläuterte, dass auch das Alter zu 21,8 Prozent eine Rolle für die Höhe der Blei-Blut-Werte spiele: „Je älter man ist, umso höher ist die Bleibelastung im Blut.“

Zusätzlich habe das Geschlecht (10,7), die Wohndauer (15,6), das Baujahr des Hauses (10,2) die Verweildauer im Garten (9,5), der intensive Bodenkontakt (10,4) und die Rauchgewohnheiten (12,4) Auswirkungen auf den Blei-Blut-Gehalt. „Auch Rauchen, das ist schon lange bekannt, hat einen Einfluss auf den Blutbleispiegel“, so Kraus. Ebenso wie Wein trinken.
Entwarnung konnte indes bei dem Verzehr von Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten gegeben werden. Da sei kein direkter Zusammenhang feststellbar gewesen, erklärte der Umweltmediziner. Vielleicht habe auch in dem Fall die Verhaltensregeln des Euskirchener Kreisgesundheitsamtes gegriffen, demnach in bleibelasteten Gebieten die Ernte aus dem eigenen Garten immer gewaschen und geschält verzehrt werden sollte.

Die einzelnen Befunde waren bereits vorab schriftlich an die „Blutspender“ versandt worden. Bei Fragen könne man sich gerne an das Kreis-Gesundheitsamt wenden, versicherten Manfred Poth, der Allgemeine Vertreter des Landrats, der die Infoveranstaltung moderierte, und Christian Ramolla, der stellvertretende Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes.
Die Stadt Mechernich hatte parallel zum Blutscreening des Kreises ein zusätzliches Bodengutachten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen etwa Ende September vorliegen und dann den Bürgern in einer weiteren Informationsveranstaltung vorgestellt werden.
pp/Agentur ProfiPress