Vier Mann, zwei Kränze
Volkstrauertag Mechernich in reduzierter Form – Bundeswehr und Vereinskartell legten Kränze ohne Publikum und Musik nieder – Pfarrer Erik Pühringer wetterte im Gottesdienst „gegen die Unruhestifter, die mit simplen Parolen Unruhe schüren, um sich dann selbst als Ordnungsmacht aufzuspielen“
Mechernich – Eigentlich hätte in diesem, Jahr Norbert Arnold, der Geschäftsführer des Sozialwerks der Communio in Christo, die Ansprache zum Volkstrauertag in Mechernich halten sollen. Doch wegen des allgemeinen Corona-Lockdowns fielen die sonst gut besuchten Feierlichkeiten am Ehrenmal an der Alten Kirche dieses Jahr aus.

Was nicht bedeutete, dass 2020 nicht der Kriegs- und Gewaltopfer am Bleiberg gedacht worden wäre. Dirk Hagenbach, Oberstleutnant und neuer Standortältester der Bundeswehr in Mechernich, teilte dem Mechernicher Vereinskartellvorsitzenden Marcel Hembach wenige Tage vorher mit, dass er und Standortfeldwebel Rainer Paulsen in aller Stille Kränze für die Kriegs- und Naziterroropfer auf dem Soldatenfriedhof Oberreifferscheid und am Ehrenmal in Mechernich niederlegen wollten.
„Das haben wir zum Anlass genommen, ebenfalls mit ganz kleinem Personal mitzumachen und ebenfalls einen Kranz für unsere in Krieg und Diktatur umgekommenen Mitbürger niederzulegen“, erklärten Marcel Hembach und sein Stellvertreter Wolfgang Weilerswist dem Mechernicher „Bürgerbrief“.
Kurze berührende Zeremonie
Am Sonntagvormittag um 10.20 Uhr kam es dann am Ehrenmal an der Alten Kirche zu einer kurzen berührenden Zeremonie, in deren Verlauf zunächst Marcel Hembach in Feuerwehruniform und Ex-Offizier Wolfgang Weilerswist im Dress des Mechernicher Vereinskartells einen Kranz aufstellten und dann die Bundeswehrangehörigen Dirk Hagenbach und Rainer Paulsen. Der Oberstleutnant und der Stabsfeldwebel grüßten an der Stelle, an der sonst die Bergkapelle das Lied vom Guten Kameraden und die Nationalhymne intoniert, militärisch.
Im anschließenden Sonntagsgottesdienst der katholischen Zentrumspfarrei St. Johannes Baptist predigte Pfarrer Erik Pühringer, man könne und werde den Volkstrauertag nicht im Wortsinn wegen Corona „ausfallen“ lassen. Er forderte die Gottesdienstbesucher auf, irgendwann am Volkstrauertag oder in der kommenden Woche von sich aus und allein die Gedenkstätten zu besuchen und der Toten von Krieg, Gewalt und Terror zu gedenken.

Er selbst beschäftigte sich in einer kritischen und politischen Predigt mit den aktuellen Verhältnissen in Stadt und Land – und zog einmal mehr gegen die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) zu Felde, in deren doppelbödigen Auftreten er Parallelen zu den frühen Nazis in der Weimarer Republik zu erkennen glaubt.
„Erst schüren sie mit einfachen und simplen Parolen Unruhe, um sich dann selbst als Ordnungsmacht aufzuspielen,“ sagte Pastor. Er freue sich, dass die AfD bei der Kommunalwahl am 13. September nirgendwo im Kreisgebiet so schlecht abgeschnitten habe wie in Mechernich.
pp/Agentur ProfiPress