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Raps liefert Öl und Honig

Die Farbe Gelb dominiert zurzeit im Stadtgebiet Mechernich, nicht nur rund um Peter Zumthors Bruder-Klaus-Kapelle – Bauern sorgen sich um Billig-Öl aus Argentinien

Mechernich-Wachendorf/Antweiler – Die Wachendorfer Bruder-Klaus-Kapelle mit Rapsblütenmeer hat unser Redakteur Thomas Schmitz am Dienstag aufgenommen. Seit dem Wochenende steht die Ölfrucht auch im Braugerstengürtel um Mechernich in voller Blüte. „Raps ist ein wahres Kraftpaket“, schreibt der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV) in einer aktuellen Pressemeldung.

Peter Zumthors Wachendorfer Bruder-Klaus-Kapelle hebt sich zurzeit vom sie umgebenden Blütenmeer der Rapsfelder ab. Die Bauern sorgen sich um die Preisstabilität für Rapsspeiseöl und Biodiesel, seit Donald Trump Schutzzölle auf argentinisches Speiseöl erhebt – und der Schmierstoff aus Lateinamerika zu Dumpingpreisen nach Europa schwappt. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Die Blüten verwandeln sich bis zum Juli in Schoten mit zwei Millimeter kleinen schwarzen Körnern, die einen hohen Ölgehalt haben. Sie werden mit Mähdreschern geerntet und anschließend gepresst. Das gewonnene Öl kann als Speiseöl, Schmierstoff oder Kraftstoff in Form von Biodiesel verwendet werden.

Als Speiseöl steht Rapsöl nach Angaben der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) in der Beliebtheit mittlerweile auf Platz 1, weit vor Sonnenblumen- und Olivenöl. Ernährungsphysiologen empfehlen Rapsöl wegen seines sehr günstigen Fettsäuremusters. Rapsöl zeichnet sich mit einem hohen Gehalt an wertvollen Omega-3-Fettsäuren aus und trägt dazu bei, einen normalen Blutcholesterinspiegel zu erhalten.

„Bei der Pressung entsteht außerdem eiweißhaltiges Rapsschrot, das als Futtermittel in der Rinder-, Schweine- und Geflügelmast eingesetzt wird“, schreibt der RLV. Rapsschrot ersetze als heimische Proteinquelle Sojaimporte in hohem Umfang.

Bienen sammeln 40 Kilo vom Hektar

Landwirte schätzen den Rapsanbau, weil er den Boden optimal auf nachfolgende Kulturen vorbereitet, also eine gute Vorfruchtwirkung hat. Die langen Wurzeln können Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten erreichen und sorgen für eine Durchlockerung des Bodens.

Anziehend finden außerdem nicht nur Menschen die leuchtenden Felder, sondern auch Bienen. Raps ist eine tolle Nektar- und Pollenquelle. Laut UFOP ergibt ein Hektar Raps 40 Kilo Rapshonig. Schatten auf das gelbe Blütenmeer nicht nur zwischen Antweiler und Voißel wirft die politische Großwetterlage.

Auch die Pfarrkirche St. Johannes Baptist und die Tona-Werke Antweiler werden momentan von der Farbe Gelb dominiert. Neben wertvollem Öl als eigentlichem Zweck des Rapsanbaus bildet ein Hektar Rapsblütenteppich nebenbei auch noch die Grundlage zur Gewinnung von 40 Kilo Rapshonig. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Gemeint ist einmal nicht die Corona-Pandemie, sondern von Donald Trump verhängte Strafzölle auf argentinischen Biodiesel. Der Schutzzoll verwehrt den südamerikanischen Bauern den sonst üblichen Direktimport in die größte Industrienation der Welt und lässt sie den europäischen Markt als Ausweichmarkt entdecken. Der Rheinische Landwirtschaftsverband schreibt: „Die verstärkten günstigen Importe bleiben nicht ohne Folgen für die Preislage am deutschen Rapsmarkt.“

Die zurzeit vom blühenden Raps kontrastierte betongraue Bruder-Klaus-Kapelle hatte der Schweizer Stararchitekt Peter Zumthor vor 15 Jahren auf Bitten des Wachendorfer Landwirtspaares Trudel und Hermann-Josef Scheidtweiler geplant.

„Zum Lobe Gottes und der Erde“

„Zum Lobe Gottes und der Erde” und „aus Dankbarkeit für ein gutes Leben” hatten Scheidtweilers eigentlich eine landesübliche Feldkapelle mit Türmchen, wenigen Kniebänken, bunten Kirchenfenstern, Altar und Glöckchen errichten wollen. Dass sie dem Schweizer Heiligen Nikolaus von der Flüe (*1417) geweiht werden sollte, stand für das aus der katholischen Landvolkbewegung kommende Ehepaar allerdings fest.

Dann lasen sie in der Zeitung, dass Peter Zumthor, ein ihnen unbekannter Architekt aus dem Land des Heiligen Bruder Klaus, gerade den Wettbewerb um den Neubau des Kölner Diözesan-Museums gegen 160 Mitbewerber gewonnen hatte. Kurzerhand schrieben sie ihm einen Brief in die Schweiz.

Er sei ein Eifelbauer, der eine kleine Bruder-Klaus-Kapelle oberhalb seines Heimatdorfes bauen wolle. Ob Zumthor sich vorstellen könne, dafür mal ein „Plänchen” zu zeichnen? Der renommierte Architekt antwortete zunächst abweisend: Er sei sehr beschäftigt, er sei der modernen Architektur verpflichtet und sein Honorar sehr hoch. Doch da „Bruder Klaus der Lieblingsheilige meiner Mutter war”, könne Scheidtweiler ihn ja mal abholen, wenn er ohnehin in Köln sei und wenn „Sie das alles nicht geschockt hat”.

Bei den Scheidtweilers auf dem Heidehof muss es Zumthor bei seinem ersten Besuch im September 1998 gefallen haben. „Die Chemie zwischen dem Bauern und dem Baumeister stimmte“, schrieb Nicole Nelissen seinerzeit in den Aachener Nachrichten: „Für den Architekten, der den Schweiz-Pavillon bei der Expo 2000 in Hannover oder das später nie gebaute NS-Dokumentationszentrum »Topografie des Terrors« in Berlin entworfen hatte, wurde die kleine Feldkapelle zur Herzensangelegenheit.“

„Sie können mich nicht bezahlen“

Mit einem „Sie können mich nicht bezahlen” verzichtete er ganz auf Honorar. Nur die Kosten des Architekturbüros müssten Scheidtweilers tragen. Von der Idee bis zur Einsegnung sind fast neun Jahre vergangen. Die Kapelle hat inzwischen Weltruhm erlangt – Tausende pilgern aus aller Herren Länder nach hier, die einen um der Kontemplation willen, die anderen verehren mehr die Architektur.

Mit der ebenfalls sehr eindrucksvollen Andachtskapelle der Communio in Christo in Mechernich hat der bekannte Kölner Architekt Kaspar Kraemer inzwischen eine zweite architektonisch und geistlich inspirierende Gebetsstätte von überregionaler Bedeutung im Stadtgebiet Mechernich geschaffen. Der zum Himmel offene Kubus birgt in seinem Inneren eine Pieta der Bildhauerin Maria J. Fernandez.

Auch Kaspar Kraemer hat wie Peter Zumthor weitgehend auf Entlohnung verzichtet. Die auf einer Grundfläche von zwölf mal zwölf Metern errichtete Andachtsstätte wurde ausschließlich aus Spenden finanziert – sie steht allen Gläubigen zu Gebet und Besinnung offen.

pp/Agentur ProfiPress