Hoffnung und Lebensfreude

Ansehnliche Christengemeinde versammelte sich trotz Frost und Wind vor der Mechernicher Johanneskirche zum Karnevalsgottesdienst – Menschen mit Masken und in Rollen, die sie vor Gott ablegen dürfen

Mechernich – Mit einer Mischung aus Hoffnung und Trotz gegen Krieg, Corona, Flut und abgesetzte Karnevalszüge versammelte sich am Karnevalssonntagvormittag eine ansehnliche Christengemeinde auf dem Mechernicher Kirchplatz. Bunt kostümiert und gleichzeitig dick gegen frostige Temperaturen und ordentlich Wind eingemummelt, feierten „Pänz“ und Erwachsene mit Pastor Erik Pühringer einen schwungvollen und gleichzeitig nachdenklich stimmenden Familiengottesdienst.

Vor der mächtigen Kulisse der Pfarrkirche St. Johannes Baptist und mit der Alten Kirche links im Hintergrund feierte eine recht ansehnliche Christengemeinde am Karnevalssonntagmorgen trotz Frost und Wind unter freiem Himmel einen Gottesdienst, in dem es um Glaubensfreude und Lebensfreude ging. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Den hatte der Familienmesskreis um Agnes Peters gemeinsam mit rund 30 Kindern vorbereitet, darunter Erik Arndts neuem Kinderchor. Der Kirchenmusiker gestaltete mit dem Ensemble die Feier musikalisch und sorgte mit einem Solo für Gänsehaut, das Meditation und Chanson in einem war: „Wenn ich sieben Leben hätte…“

Gleich zum Auftakt hüpften und tanzten 18 kostümierte Jungen und Mädchen zu den von Rainer Peters eingespielten Klängen von Brings‘ „Mir sinn all nur Minsche“ über den Kirchplatz. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Pfarrer und GdG-Leiter Erik Pühringer erzählte das Tagesevangelium nach Lukas frei, berichtete von zwei Blinden, die einander zu führen versuchen und in einem Graben landen, von einem Erkenntnisprozess, der einem Küchensieb ähnelt, in dem der Unrat unserer bösen Gedanken zurückbleibt, während das Gute nach außen dringt, was dazu führt, dass man nicht schlecht über andere reden sollte. Denn an guten Bäumen wachsen auch gute Früchte, zitierte Pühringer Jesus von Nazareth.

„Es ist nicht ganz einfach, in diesen Tagen den Karneval in sich großwerden zu lassen“, räumte Pfarrer Pühringer ein: „Aber es führt kein Weg an der Freude vorbei – wir sind von Gott zur Lebensfreude eingeladen!“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Pfarrer mit Prinzenerfahrung

Der Pfarrer endete schließlich mit einem Resümee, von dem er selbst durchdrungen ist: „Ihr könnt nur richtig von Gott erzählen, wenn sich Euer Herz über Gott freut!“ Glaubensfreude schaffe Lebensfreude, und Karneval gehört für den Geistlichen unbedingt dazu, der selbst im Festausschuss Mechernicher Karneval mitschunkelt und auch selbst schon Fastelovends-Prinz war.

Der Kirchenmusiker Erik Arndt gestaltete mit dem neuen Kinderchor die Feier musikalisch. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Natürlich bekundete die Mechernicher Karnevalssonntags-Gottesdienstgemeinde auch ihre Solidarität mit den Kriegsopfern in der Ukraine und betete für sie und für den Frieden. Gleich zum Auftakt hüpften und tanzten 18 kostümierte Jungen und Mädchen zu den von Rainer Peters eingespielten Klängen von Brings‘ „Mir sinn all nur Minsche“ über den Kirchplatz.

Mit einem Solo sorgte Erik Arndt für Gänsehaut, das Meditation und Chanson in einem war: „Wenn ich sieben Leben hätte… doch nur eins ist mir gegeben…“ Erik Pühringers Deutung folgte auf dem Fuß: „Wir schlüpfen immer wieder in andere Rollen. Selbst sieben Leben wären nicht genug …“ Also verschaffe das Bewusstwerden Ruhe und Orientierung, „dass wir vor Gott nicht wer anders sein müssen, als der Mensch, der wir sind…“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Es ist nicht ganz einfach, in diesen Tagen den Karneval in sich großwerden zu lassen“, räumte Pfarrer Pühringer ein: „Aber es führt kein Weg an der Freude vorbei – wir sind von Gott zur Lebensfreude eingeladen!“ Im Kyrie („Herr, erbarme Dich unser“) reflektierten Eltern und Kinder über Menschen mit Masken, aufgeblasene Luftballons, verletzliche Seelen und strapazierte Beziehungen.

Im Kyrie („Herr, erbarme Dich unser“) reflektierten Eltern und Kinder über Menschen mit Masken, aufgeblasene Luftballons, verletzliche Seelen und strapazierte Beziehungen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Aus der Rolle gefallen

Eine Mutmach-Geschichte, die der Familienmesskreis ausgesucht hatte, drehte sich um einen jungen Hasen, der wegen seiner himmelblauen Ohren von allen ausgelacht wird. Nach und nach setzt er sich die Kopfbedeckungen verschiedener Zünfte auf – und lernt die Künste dieser Berufe, wird Schornsteinfeger, Koch, Gärtner, Clown und schließlich Vagabund, wird aber in allen Gruppen als blau-ohriger Hase entlarvt und als aus der Rolle Gefallener ausgelacht.

Der Familienmesskreis um Agnes Peters (l.) hatte gemeinsam mit rund 30 „Pänz“ einen wunderbaren und bei aller Fröhlichkeit und Karnevalskostümen unter die Haut gehenden Gottesdienst vorbereitet. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Bis er eines Nachts in einem vom Mond beschienenen See sein Spiegelbild – und damit sein wahres Ich erkennt. Jetzt steht er zu sich selbst und seinen meinethalben aus der Art geschlagenen himmelblauen Ohren – und keiner lacht ihn mehr aus. „Trotzdem bin ich froh“, resümiert der clevere Hase schließlich, „all diese Berufe gelernt zu haben“. Denn jetzt kann er Öfen saubermachen, Gemüse kochen, Bäume pflanzen und so weiter…

Nach dem Schlusssegen verteilten die Frauen des Familienmesskreises Karnevalstüten, hier die Rendantin Gerda Schilles. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

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