Gelebte Integration im Berufskolleg Eifel
Die Einrichtung in Kall ist nun „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – Filmbeitrag zeigt, dass Diskriminierung im Alltag kein Phänomen ist
Kall – „Stellt euch vor, dass alle Menschen in Frieden miteinander leben“ heißt es im John-Lennon-Song „Imagine“, den die Schulband des Berufskollegs Eifel intonierte. Ein frommer Wunsch, der in der heutigen Zeit offenbar in immer weitere Ferne rutscht. Die politische Stimmung ist aufgeheizt, Populisten erhalten mehr und mehr Zustimmung für ihre Aussagen. Es ist an der Zeit, ein Zeichen zu setzen.

Das hat sich auch die Schülervertretung des Berufskollegs Eifel gedacht und deshalb bei der Schulleitung angeregt, eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu werden. Der Schülervertretung um Schülersprecher Matthias Kovalenko gelang es, die erforderlichen 70 Prozent aller Schüler und Beschäftigten am Berufskolleg Eifel auf ihre Seite zu bringen. In Manfred Poth, allgemeiner Vertreter des Landrats des Kreises Euskirchen, dem Träger der Berufskollegs, konnte außerdem ein Projektpate gewonnen werden.

„Im September haben wir die Bestätigung aus Berlin bekommen. Seitdem laufen die Planungen für die Übergabe der Urkunde“, berichtete Kovalenko, der die Feierstunde in der Aula des Berufskollegs mit Lena Görke moderierte. „Jeder von uns hat schon einmal Rassismus erlebt, ist gekränkt oder beleidigt worden. Nahezu täglich gibt es Anfeindungen, sei es wegen der Hautfarbe, der Nationalität oder der Sexualität“, erklärte Görke die Gründe für die Projektarbeit.

Bestätigt wurden diese Worte durch einen selbst erstellten Filmbeitrag, in dem Schüler und Lehrer unterschiedlicher Nationalitäten berichteten, was ihnen schon alles widerfahren ist. Von Rassismus in der Führerscheinprüfung, Schreiattacken von Ausländerfeinden oder dem Verhalten gegenüber Frauen mit Kopftüchern schilderten sie, auch von Rassismus gegenüber Deutschen. Drei Poetry-Slammer der Schule setzten sich mit Vorurteilen auseinander.
Schulleiter zitiert Bundespräsident
Schulleiter Holger Mohr zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Die bösen Geister präsentieren sich im neuen Gewand.“ Kleine, scheinbar harmlose Vorurteile, gehörten mittlerweile zum Alltag. Populisten erreichten immer mehr Menschen mit ihren Ideen. Wer dem entgegnet, produziere laut Meinung dieser Populisten Fake News.
Aus diesem Grund habe die Schulleitung das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ von Anfang an unterstützt. Mohr lobte die Projektgruppe für das vorgelegte Tempo. „Von der Idee bis zum Antrag verging nicht viel Zeit.“ Und er kam auf die besondere Herausforderung eines Berufskollegs zu sprechen. „Es war nicht einfach, die erforderlichen Unterschriften zu bekommen.“ Denn zusätzlich zu den 600 regulären Schülern sind auch 900 Berufsschüler am Berufskolleg Eifel – und die sind nicht jeden Tag in Kall.

„Bei uns im Berufskolleg wird Integration gelebt. Die Herkunft spielt keine Rolle. Schule ohne Rassismus ist hier selbstverständlich.“ Man nehme aber auch den zweiten Teil des Titels wahr, Schule mit Courage. „Mut hilft gegen Hass, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus. Wir werden zeigen, dass wir auch dafür stehen“, so Mohr.
Projektpate Manfred Poth kam auf rassistische Vorfälle im Kreis Euskirchen zu sprechen: „Vor Jahren lief ein Neonazi rechte Parolen brüllend durch Dahlem. Im vergangenen Jahr wurde eine Flüchtlingsunterkunft in Zülpich angegriffen. Auch hier in Kall findet man Aufkleber mit rechten Inhalten.“ Deshalb hofft er, dass alle zusammenarbeiten, damit sich dunkle Zeiten wie zwischen 1933 und 1945 nicht wiederholen. „Wir müssen Haltung zeigen und uns für die Demokratie und eine vielfältige Gesellschaft einsetzen“, meinte Poth. Darunter falle die Euskirchener Erklärung oder die Teilnahme am Programm NRWeltoffen, das am gleichen Tag dem Kaller Rat vorgestellt werden sollte.

Als neunte Schule im Kreis Euskirchen erhielt das Berufskolleg Eifel schließlich aus den Händen von Regionalkoordinator Ilhan Güngör vom Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrum des Kreises Euskirchen die Urkunde und das Schild „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. „Das ist kein Preis, das ist keine Auszeichnung, sondern eine Selbstverpflichtung, ein Zeichen gegen alle Formen der Diskriminierung und des Rassismus aus der Schule hinaus in die Gesellschaft zu setzen“, so Güngör.
pp/Agentur ProfiPress