Ungewöhnliches Flugobjekt in Eiserfey

Gülle-Kanone ist „startklar“ – Peter Ratz und Aktive der Initiative bauten das skurrile Kunstwerk – 16,5 Meter lang und drei Tonnen schwer ist die „EFL 2020“ – Alter Wohnwagen dient als Passagierkabine für dadaistisches Kunstobjekt

Mechernich-Eiserfey – Für Peter Ratz sind ungewöhnliche Großskulpturen nichts Besonderes. Doch diesmal hat er einen besonderen „Überflieger“ gebaut.

Stefan Lieser schreibt in der Kölnischen Rundschau/im Kölner Stadtanzeiger über das ungewöhnliche Flugobjekt mitten in Eiserfey: „Die „EFL 2020“, zusammengebaut aus Siloaufleger, Unterkonstruktion, Wohnwagen, Kleinwagenkabine und viel Edelstahl, ist startklar. Entdecken kann dies, wer im Dorf den Alten Weg an der kleinen Pfarrkirche entlanggeht.“

16,50 Meter lang und drei Tonnen schwer ist die „EFL 2020“, die unter dem „Treibstofftank“ als Gülle-Kanone ausgewiesen wird. Ein alter Wohnwagen dient als Passagierkabine. Foto: Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress

„Wie bekloppt muss man eigentlich sein?“ zitiert der Journalist den Künstler und beschreibt weiter: Peter Ratz steht vor einer Mischung aus Kampfjet, Wohnwagen und Silotank auf Autorädern. Der Kleinkompressor der Pumpe rattert noch, durch den das Konstrukt per Hydraulikpumpe im 45-Grad-Winkel steil in Richtung des Eiserfeyer Himmels aufgerichtet ist. „Das ist die Gülle-Kanone“, sagt ihm Ratz, um ein wenig Klarheit zu schaffen – und schmunzelt. Hier, vor diesem seltsamen Flugobjekt hinter der alten Scheune seines Wohnhauses, fällt der Blick auch auf die Hügel gegenüber, wo der Ortsname in großen weißen Lettern im Hang aufgestellt ist – so, als wäre es Hollywood. Das macht das Ganze zusätzlich surreal, so Lieser.

Spezialist für skurrile Objekte

Peter Ratz ist Spezialist für die skurrilsten Objekte aus Edelstahl, vor allem für fantasievolle Figuren, die nicht nur den Garten seines Wohnhauses, das alte Bürgermeisteramt von Eiserfey, sondern auch die Ecken und Plätze rund um den Alten Weg bevölkern.

Für den Eiserfeyer Künstler Peter Ratz sind ungewöhnliche Großskulpturen nichts Besonderes – doch diesmal hat er einen besonderen „Überflieger“ gebaut. Foto: Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress

Doch das neueste Kunstwerk ist eine andere Dimension, wie Lieser feststellt: 16,50 Meter lang und drei Tonnen schwer ist die „EFL 2020“, die unter dem „Treibstofftank“ als Gülle-Kanone ausgewiesen wird. Ein Monstrum, an dessen Anfang der in der Mitte als Kabine verbaute, alte Wohnwagen von Ratz und seiner Ehefrau stand. „Der war im Garten geparkt und wurde schon lange nicht mehr benutzt. Meine Frau meinte eines Tages: ,Raus damit’“, so Ratz. Und so habe es im Oktober 2019 angefangen – mit Schrott-Recycling. Der alte Wohnwagen, aufgeschnitten und neu montiert, ist jetzt die Passagierkabine der „EFL 2020“.

Der Heckantrieb des „EFL 2020“. Foto: Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress

Doch, wie Lieser weiter erläutert, ist der Künstler nicht allein. Ratz begab sich zunächst, also vor dem eigentlichen Werkeln, mit seinen Kumpels Raimund Ullrich und Theo Weidebach von der Initiative Feykultur ans Tüfteln. Die Idee von einer Gülle-Kanone, die aus der Stratosphäre Gülle über die Eifelfelder regnen lassen sollte – so ungefähr jedenfalls – nahm demnach schnell Gestalt an. Ein dadaistisches Kunstobjekt sollte es werden.

Havarierter Silotank

„Was benötigt eine Kanone, die eher eine Mischung aus Rakete und Flugzeug ist?“, fragt der Journalist und schreibt weiter: „Zum Beispiel einen großen Treibstofftank. Ratz fand einen havarierten Silotank samt Aufleger zum Schrottpreis im Internet. Ein Fahrwerk montierte das Trio aus der Bereifung des Wohnwagens und der eines ausrangierten Kleinwagens eines Freundes. Die Fahrerkabine des Ford Ka ist nun die Pilotenkanzel. Und eine Rakete muss einen Antrieb und Flügel haben.“  Ratz räumte seine große Stahlbauwerkstatt leer und machte sich an die Arbeit. Lieser beschreibt: Er schnitt in der „Gülle-Kanonen-Werft“die Teile eines riesigen Heckpropellers und für zwei Tragflächen zurecht und griff zum Schweißgerät.

Der „ELF 2020“ soll laut Lieser beim ins kommende Jahr verschobenen Feykultur-Festival eine Rolle spielen. „Im Silotank kann ein Mensch fast aufrecht stehen. Denkbar ist, das für eine Gesangseinlage zu nutzen oder für Livemusik“, sagt ihm der Raketenmann von Eiserfey.

Das kuriose Konstrukt ist dank der Hydraulikpumpe „startklar“. Foto: Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress

An seinem Standort am Alten Weg soll das Gerät nicht unbedingt bleiben. Die Initiatoren wollen, so ist im Bericht zu lesen, die „EFL 2020“ gerne auf einem Kreisverkehr, etwa vor Breitenbenden, aufstellen. Doch dafür wären einige Probleme zu lösen – der Transport und die verkehrssichere Verankerung beispielsweise. Vielleicht bleibt es doch bei der Idee, mutmaßt Lieser.

pp/Agentur ProfiPress