Sieben Wehrleute außer Gefecht
Strempter Löschgruppe betroffen, aber 440köpfige Stadtfeuerwehr weiterhin voll einsatzbereit, so Fachbereichsleiterin Silivia Jambor – Insgesamt ist die Infektionsrate mit Corona unter den Einsatzkräften sehr moderat – Stadtbrandmeister Jens Schreiber: „Löschgruppen vermischen sich nicht im Einsatz“
Mechernich – Beide um umfangreiche Corona-Berichterstattung bemühte Kölner Tageszeitungen vermelden in ihrer ersten Ausgabe im neuen Jahr einen Covid-19-„Ausbruch“ unter den 4000 Mitgliedern der Euskirchener Kreisfeuerwehr. 34 der 4000 seien aktuell nicht einsatzfähig, am signifikantesten sei es bei der Stadtfeuerwehr Mechernich mit sieben Infizierten und acht Kameraden in Quarantäne.
Auf dem Höhepunkt der Pandemie seien es allerdings kreisfeuerwehrweit 16 Ausfälle mehr (50) gewesen als heute, räumt der Autor ein – und die in der gleichen Ausgabe vermeldete Infizierten-Anzahl von allein fünf Spielern im Kader des FC Bayern München, darunter Manuel Neuer, relativiert den „Ausbruch“ in der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr zusätzlich.

Gleichwohl müsse die Mechernicher Stadtfeuerwehr zurzeit von Kameraden anderer Löschgruppen unterstützt werden, schreibt der Redakteur Tom Steinicke, der Verfasser der Geschichte. Das Bild ist allerdings etwas verzerrt, so die für die Stadtfeuerwehr zuständige Fachbereichsleiterin Slivia Jambor: Die sieben Infizierten gehörten alle zu einer Löschgruppe, nämlich Strempt.
Es seien sieben von 28 Strempter Löschgruppenmitgliedern infiziert. Jambor: „Die Wehrleitung hat umgehend die Ausrückeordnung angepasst, so dass die Kameraden aus umliegenden Löschgruppen gegebenenfalls unterstützen“, so Silvia Jambor. Jens Schreiber, der Leiter der Mechernicher Wehr, sagte der Presse auf Nachfrage, acht weitere Einsatzkräfte befänden sich in Quarantäne.
Am 21. Dezember angesteckt
Die Kameraden hätten sich bei einem Einsatz am 21. Dezember angesteckt. Nur drei Tage später sei die Einheit bei einem Dachstuhlbrand in Kommern gewesen. Da habe es keine weiteren nachweislich Infizierte gegeben.
Das zeige, so Schreiber, dass das Konzept der Feuerwehr funktioniere: „Wir achten darauf, dass sich die Löschgruppen im Einsatz nicht vermischen. Da ist die Disziplin schon sehr groß“, so Schreiber. Beim Dachstuhlbrand an Heiligabend sei die betroffene Einheit nicht allein im Einsatz gewesen.

Kreisbrandmeister Peter Jonas sprach im hinteren Teil des „Ausbruch“-Artikels bei 34 nicht einsatzfähigen Feuerwehrleuten kreisweit von einem „moderaten Wert“. Er gehe aber davon aus, dass die Dunkelziffer höher sei. Das Konzept des Nicht-Durchmischens der Löschgruppen beim Einsatz habe sich kreisweit bewährt.
Nahezu alle Kameraden geboostert
Allerdings, so der Kreisbrandmeister im Gespräch, könne es natürlich Einsatzsituationen geben, in denen das Konzept obsolet werde. „Das ist aber abhängig vom Einsatzgeschehen“, so Jonas: „Bei einem Brand werden aber grundsätzlich Einsatzabschnitte gebildet. So kann man beispielsweise die Durchmischung schon ganz gut kontrollieren.“ Für die Trupps, die unter Atemschutz arbeiteten, bestehe ja durch die Sauerstoffmasken ohnehin im Einsatz keine Gefahr.

Die Auffrischungsimpfungen bei den Feuerwehrleuten seien grundsätzlich abgeschlossen, so Jonas zu Tom Steinicke: „Wir haben jetzt die Leiter der Feuerwehren noch mal darüber informiert, dass auch die 12- bis 17-Jährigen geboostert werden können.“ Das sei insofern relevant, als dass Feuerwehren von der landesweiten Regelung Gebrauch machen und 16- sowie 17-Jährige in den Einsatz außerhalb der Gefahrenzone brächten, so Jonas.
pp/Agentur ProfiPress