Wie ein Dialog zweier Verliebter

Großartiges KlangRaum-Konzert erstmals mit 16-köpfigem Orchester und zwei Solisten – Nach dem Verstreichen des Beethovenjahres in der Pandemie standen jetzt Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn im Mittelpunkt

Kall-Steinfeld – Was lange währt, wird endlich gut: Das Sprichwort ließ sich auch auf ein musikalisches Highlight jener KlangRaum-Konzerte anwenden, welche die Stiftung Kloster Steinfeld seit geraumer Zeit veranstaltet. „Bereits zweimal wurde dieses Gastspiel wegen Corona verschoben“, verriet die Soloviolinistin und Mitorganisatorin Judith Stapf dem zu zwei Drittel gefüllten Auditorium in der Aula des Hermann-Josef-Kollegs.

So kam es, dass das Orchesterkonzert nicht, wie ursprünglich vorgesehen, im verlängerten Beethovenjahr 2020/21 gegeben werden konnte, sondern erst am 21. Mai 2022. Folglich standen nicht zwangsläufig Werke des genialen Bonner Symphonien-Designers im Mittelpunkt, sondern Kompositionen Wolfgang Amadeus Mozarts und Joseph Haydns.

Lieferten sich in Mozarts „Sinfonia concertante Es-Dur KV 364“ mit Violine und Viola ein zunächst träumerisches Zwiegespräch, das zu großer Impulsivität erwacht: Professor Matthias Buchholz und Judith Stapf. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

16 Stipendiatinnen und Stipendiaten der „Barenboim-Said-Akademie“ in Berlin und Studierende der Hochschule für Musik und Tanz in Köln bildeten das von dem gelobten britischen Nachwuchsdirigenten Benjamin Voce geleitete Ensemble. Die Solisten waren Judith Stapf (Violine) und Professor Matthias Buchholz (Viola). Dr. Alfred Feuerborn sagte für die Stiftung: „Es ist nicht immer einfach, in solcher Zeit so viele Leute zusammenzubringen.“

Musikalischer „Warnstreik“

Angekündigt wurden die „Sinfonia concertante Es-Dur KV 364“ für Violine, Viola und Orchester von Mozart und Haydns „Abschieds-Symphonie Nr. 45 in fis-moll, Hoboken l:45“. Außerdem kündigte Judith Stapf Überraschungen gegen das Konzertende hin an, unter anderem auch „was von Beethoven“.

Das Publikum war restlos begeistert und klatschte „Da capo“. Es galt den jungen Musikern des Orchesters, vor allem aber den Solisten. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Gleich der Uraufführung von Haydns Abschiedssymphonie am Hofe des Fürsten Nikolaus I. Esterhazy endete auch die Steinfelder Aufführung mit zwei einsamen Geigern, die wehmütig wie verschmitzt, Haydns Sinfonie Nr. 45 fis-moll, die sogenannte „Abschiedssinfonie“, zu Ende brachten. Alle anderen Orchestermitglieder waren bereits verstummt…

Judith Stapf gab mit dieser Erzählung eine der schönsten Anekdoten der Musikgeschichte preis. Die Reduktion auf nur noch zwei agierende Musiker war eine Art musikalischer „Warnstreik“ an die Adresse Fürst Esterhazys, den Arbeitgeber der Orchestermusiker. Er hatte seinem Orchester den Urlaub verweigert, weil es ihm auf seinem Sommerschloss so gut gefiel, dass er die Musiker nicht ins heimische Eisenstadt ziehen lassen wollte, wo deren Familien lebten.

16 Stipendiatinnen und Stipendiaten der „Barenboim-Said-Akademie“ in Berlin und Studierende der Hochschule für Musik und Tanz in Köln bildeten das von dem gelobten britischen Nachwuchsdirigenten Benjamin Voce geleitete Ensemble. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Für das Steinfelder „KlangRaum-Konzert“ erstmals mit Orchester hatten die jungen Musiker diesmal freiwillig und gerne viele Mühen auf sich genommen, wofür Judith Stapf ihnen herzlich dankte. Die Stipendiaten der „Barenboim-Said-Akademie“ waren aus der Hauptstadt Berlin zum Proben in die Eifel angereist, die Angehörigen der Kölner Hochschule für Musik und Tanz kamen zu den Proben jeweils aus der Domstadt ins Salvatorianer-Kloster.

Sich öffnender Vorhang aus Klängen

Was Aaron Huros, Marie Carriére, Samir Obaido, Darina Bozhilova, Polina Titova und Linda Guo (alle Violine) und Filipa Rodrigues und Oskar Herfurth (Viola), Suhail Canaan und Arnau Rovira i Bascompte (beide Violoncello), Ania Swoboda (Kontrabass), Estelle Akta und Meri Musaev (beide Oboe) sowie Hilde Anders und Leonie Kramer (Horn) unter Ben Voces Dirigat zu Gehör brachten, war einfach großartig.

Die entscheidenden Rollen des Abends kamen dem talentierten Nachwuchsdirigenten Benjamin Voce (m.) und den Solisten Professor Matthias Buchholz und Judith Stapf zu. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Dazu die Fragen und Antworten spielenden Dialoge zwischen Violine und Viola, meisterhaft gestrichen von Judith Stapf und Professor Matthias Buchholz. Die Töne der Instrumente schienen sich zueinander zu verhalten wie zwei noch zaghaft verliebte junge Menschen.

Obwohl das kein Alleinstellungsmerkmal für Mozarts „Sinfonia concertante Es-Dur KV 364“ ist, erinnert der Beginn des Stückes daran, wie im Theater ein Vorhang aufgezogen wird. Doch es folgt nicht der erwartete spektakuläre Auftritt auf großer Bühne. Mozart lässt die beiden Solisten sanft wie aus einem Traum erwachen und scheinbar erst allmählich zu sich zu kommen.

„Bereits zweimal wurde dieses Gastspiel wegen Corona verschoben“, verriet die Soloviolinistin und Mitorganisatorin Judith Stapf dem zu zwei Drittel gefüllten Auditorium in der Aula des Hermann-Josef-Kollegs. Die Zuhörer waren begeistert. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Was dann in den nächsten Minuten folgt, ist eine innere Zwiesprache, die von Lebendigkeit und Bewegtheit strotzt. Das Publikum war restlos begeistert und klatschte „Da capo“. Es galt den jungen Musikern des Orchesters, vor allem aber den Solisten. Also dem gebürtigen Hamburger Bratschisten Professor Matthias Buchholz, der in Köln und Genf lehrt und mit namhaften Ensembles schon den ganzen Erdball bereiste.

Die Rheinbacherin Judith Stapf ist eine hochambitionierte Geigerin, die kurz vor dem Abschluss ihrer musikalischen Meisterstudien in Berlin und der Veröffentlichung ihrer ersten CD steht. „KlangRaum Steinfeld“ ist – zusammen mit der Stiftung – ihre „eigene Konzertreihe“, wie es auf der Webseite heißt.

pp/Agentur ProfiPress