Nach dem Abi in den Orden
Schwester Jasmin (46) aus Kerala/Indien feierte nach fast zehn Jahren in Mechernich jetzt Silberne Ordensprofess bei der Communio in Christo
Mechernich – Silberne Ordensprofess feierte jetzt die bei der Communio in Christo in Mechernich und Blankenheim lebende und wirkende indische Samaritan-Ordensschwester Jasmin. Und zwar beim Communio-Treffen zum 1. September im Mechernicher Mutterhaus und damit am Gedenktag der ersten Gründung von Mutter Marie Therese.

Sie hatte am 1. September 1977 die „Unio der Sühnenden Liebe“ in Mechernich-Holzheim gegründet und damit einen Zyklus von insgesamt sieben geistinspirierten Gründungen angestoßen, die am 8. Dezember 1984 in der Gründung des Ordo Communionis in Christo gipfelten. Er bekam nach langen Jahren im vergangenen Herbst die offizielle kirchliche Anerkennung durch den Aachener Diözesanbischof Dr. Helmut Dieser.

Als Evangelium trug Generalsuperior Karl-Heinz Haus bei der Heiligen Messe zur Silberprofess die Geschichte vom Barmherzigen Samariter vor, ein Lehrbeispiel Jesu, wie man sich auf dem Pfad der Nächstenliebe den Himmel erwirbt, selbst wenn man in den Augen der anderen religiös auf der falschen Seite steht. Denn der Maßstab vollkommener Gottesliebe ist laut Mutter Marie Therese die Nächstenliebe.
„Ungläubiger“ zeigt, wie es geht
Den unter die Räuber gefallenen und schwer verwundeten Mann wäscht und verbindet im Gleichnis weder der vorübergehende Priester, noch der Levit, sondern der nicht dem jüdischen Tempelkult anhangende Samaritan. Der vermeintlich „Ungläubige“ sorgt für den Verletzten, bringt ihn in die Herberge und zahlt für Heilversorgung und Unterkunft.
„Das ist nebenbei auch ein Stück Religions- und Gesellschaftskritik“, sagte Pater Rudolf Ammann in seiner Predigt. Aber eben auch Kompass und Wegweiser christlicher Lebensorientierung. Das Beispiel des „Barmherzigen Samariters“ hätten sich Mutter Marie Therese bei ihren Gründungen und auch Monsignore Paul Chittilappilly, der Gründer der Congregation of Samaritan Sisters, zu eigen gemacht.

„Beide Gründer sind Propheten für die jetzige Zeit und beide waren ihrer Zeit weit voraus“, sagte Schwester Jasmins Generaloberin Thomasia unlängst bei einem Besuch im Mechernicher Rathaus bei Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und seiner Führungsmannschaft.
Schwester Jasmin und Schwester Little Flower waren die ersten indischen Ordensschwestern, die im Jahre 2010 zur Kommunität der Communio in Christo im Mechernicher Mutterhaus stießen und die Gemeinschaft am Ort ihrer Gründung deutlich verstärkten und verjüngten.

Mittlerweile sind es ein Dutzend Schwestern aus Indien, die in Mechernich und Blankenheim leben und in den Pflegeeinrichtungen des Sozialwerks der Communio in Christo am Bleiberg und in Blankenheim wirken.
Erst Ordens-, dann auch Krankenschwester
Schwester Jasmin, die am 20. Mai 1973 in Kerala als zweites Kind ihrer Eltern geboren wurde – sie hat noch zwei Brüder und eine Schwester – wuchs bei ihren Großeltern auf. Sie half ihnen im Haushalt und bei der Bewältigung des Alltags zwischen ihrem siebten und 13. Lebensjahr. Dann kehrte sie ins Haus der Eltern zurück, besuchte die Höhere Schule, machte Abitur und trat am 14. Juli 1991 bei den Samaritan-Schwestern ein.
Am 2. Januar 1995 legte sie ihre ersten Gelübde und am 10. Januar 2000 ihre ewigen Gelübde ab. Nach den ersten Gelübden machte Sr. Jasmin eine dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester. Von 1998 bis 2010 wirkte sie an verschiedenen Krankenhäusern in Kerala, ehe sie am 29. Januar 2010 nach Deutschland zur Communio in Christo kam.

Im Gottesdienst wiederholte sie Ihre Gelübde vor Gott, sie „erneuere ihre Selbsthingabe für Gott“, wie Pater Ammann interpretierte. Sie habe sich sowohl in ihrem originären Orden, den Samaritan-Schwestern, als auch in der Gemeinschaft des Mutterhauses der Communio in Christo von diesem Samariter anrühren lassen, der ja in Wahrheit Christus selbst sei. Auch die von Mutter Marie Therese gegründete Communio in Christo habe im übertragenen Sinne die Gestalt des Barmherzigen Samariters.
Monsignore Paul Chittilappilly, der 1961 die Samaritan-Schwestern gründete, wendete sich aus seinem Verständnis des Samaritergleichnisses in Indien besonders den Leprakranken zu. Mutter Marie Therese öffnete ihre Arme, ihr Herz und ihre Eifeler Pflegeeinrichtungen auf dem Höhepunkt der AIDS-Hysterie in Deutschland besonders HIV-positiven Patienten.
„Mit Treue und Tapferkeit“
Norbert Arnold, der Geschäftsführer des Sozialwerks der Communio in Christo, bescheinigte Schwester Jasmin große Ausstrahlung und Gottvertrauen: „Es ist immer eine Freude, wenn man ihr auf dem Flur begegnet.“ Er bewundere ihre „große Ausdauer und Kraft“, denn die Jahre in einem fremden Land mit fremder Sprache und einem ihr zunächst unbekannten Ritus hätten der 46-Jährigen Gottesfrau sicher auch mal zugesetzt.

Sie habe aber „Niedergeschlagenheit und Schmerzen“, die es sicher an dem einen oder anderen Tag gegeben habe, „mit Treue und Tapferkeit überwunden“. Die Mitschwestern und die indischen Priester Jaison Thazhathil, der stellvertretende Generalsuperior, und Thomson Pazhayachirapeedikayil Jose brachten Sr. Jasmin zwei Ständchen.
Eines in der Kapelle beim Gottesdienst in der Muttersprache Malayalam, in dem es heißt „Jesus hat mich erwählt als einen kostbaren Stein auf der Erde. Du, Gott, hast mich gesucht und kamst zu mir, obwohl ich ein Sünder bin . . .“ Bei der weltlichen Feier der Silberprofess ließen sie die Jubilarin in einem abgewandelten englischen Popsong hochleben.
pp/Agentur ProfiPress