Blick ins Innere der König-Orgel
Stille auf der Empore: In der Basilika Steinfeld wird die König-Orgel gereinigt und überarbeitet – Arbeiten an der komplexen Mechanik und Kampf gegen Schimmelbefall – Maßnahme soll bis Palmsonntag abgeschlossen werden
Kall-Steinfeld – Es ist ein merkwürdiger Anblick: Die König-Orgel auf der Empore in der Basilika Steinfeld ist praktisch offengelegt. Wie Fischgräten reihen sich die feingliederigen Bauteile der Spieltrakturen aneinander und geben einen Eindruck, mit welch komplexer Mechanik eine Orgel arbeitet, um eine Kirche mit Musik füllen zu können. Am Palmsonntag soll die historische König-Orgel der Steinfelder Basilika nach rund zweimonatiger Überarbeitung wieder in all ihren Tönen zu hören sein.

Orgelbaumeister Frank Weimbs und sein Team von „Weimbs Orgelbau“ aus Hellenthal haben die Reinigung und Überarbeitung der Spieltraktur übernommen. Tatsächlich ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Problemen beim Orgelspiel gekommen, etwa dass Tasten hängenblieben und einen Dauerton produzierten oder umgekehrt ein gekoppeltes Register gar nicht zu hören war. Ein Zustand, dem Abhilfe geschaffen werden musste – gerade auch in Hinblick auf die Konzerte namhafter Organisten an der weithin bekannten und gerühmten König-Orgel.
Michael Pützer, Kirchenmusiker der Gemeinschaft der Gemeinden Heiliger Hermann-Josef, hat den Verschleiß des mechanischen Instruments deutlich gespürt, denn die Tasten reagierten alle ungleichmäßig. „Das ist wie bei einer ausgetretenen Stufe: Ich wusste, welche Taste ich mehr oder weniger drücken musste, aber auf Dauer ist das beim Spielen natürlich schwierig.“

Ein umso größeres Problem stellte der Verschleiß dann für die zahlreichen namhaften Organisten dar, die eigens anreisen, um ein Konzert auf der König-Orgel zu geben. So steht etwa der „Internationale Orgelsommer“ bevor, in dem Organisten aus den USA, Neuseeland, Japan und Frankreich nach Steinfeld kommen. Pfarrer Pater Wieslaw Kaczor vom Orden der Salvatorianer zu Steinfeld: „Bei unseren Konzerten haben wir wahre »Musikfeinschmecker« im Publikum, denen fallen Unstimmigkeiten sofort auf.“ Höchste Zeit also, die Verteilstation der Mechanik von den Orgelbau-Experten gründlich überarbeiten zu lassen.
In einem ersten Schritt wurde der Klaviaturblock ausgebaut, um die Tasten in der Hellenthaler Werkstatt zu reinigen und zum Teil zu ersetzen. Dazu muss der Tastenbelag aus Rinderknochen abgespaltet und gereinigt werden. Der neue Belag wird daraufhin aufgesetzt und auf Maß geschliffen. „Das muss auch optisch passen, da müssen wir uns Stück für Stück rantasten und den Knochenbelag zum Beispiel mit UV-Licht bleichen“, erklärt Frank Weimbs.

Anschließend muss auch die Austuchung der Tastenführung überarbeitet werden. Ist die Tuchung nämlich ausgespielt, dann klappert es beim Anschlagen der Tasten. „Das merkt man sofort, vor allem, wenn man mit leisen Registern spielt“, weiß Kirchenmusiker Michael Pützer. Weiter müssen ausgespielte Winkel überarbeitet und Ledermuttern an den Regulierstellen zur genauen Einstellung der Spieltraktur ersetzt werden.
Doch abgesehen von der Mechanik kümmert sich das Orgelbau-Team noch um ein weiteres Problem, das nach Schätzung von Frank Weimbs rund 80 Prozent aller Kirchen betrifft: Schimmelbefall. „In den Kirchen ist es heute vielfach zu feucht, deshalb haben wir uns zu TÜV-zertifizierten Schimmelsanierern fortgebildet“, so der Orgelbaumeister.

Zwar verfügt die Steinfelder Basilika schon über ein klimaregulierendes Heizungssystem, aber dieses stammt noch aus der Zeit, als es eher zu trocken als zu feucht in den Kirchenräumen war. Bei inzwischen schon fast mediterranen Klimaverhältnissen wird jetzt aber gerade die Feuchtigkeit zum Problem.
So findet sich Schimmel in der gesamten Orgel, den das Orgelbau-Team, ausgestattet mit Mundschutz und speziellen Staubsaugern, beseitigen muss. Auf Dauer bräuchte es eigentlich ein automatisiertes Lüftungssystem, das selbstständig für den nötigen Luftaustausch sorgt, um künftig weiteren Schimmelbefall zu verhindern.

Pünktlich zur Osterzeit sollen die Reinigungs- und Sanierungsarbeiten an der König-Orgel abgeschlossen sein. Bis dahin werden die Messen an der Chororgel in Altarnähe begleitet. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf 20.000 Euro, die aus Spenden gedeckt werden müssen. Eigentlich wäre auch wieder eine große Reinigung fällig, bei der die knapp 2.000 Pfeifen (zum Teil noch aus der Zeit um 1600) ausgebaut werden müssten, aber dazu müssen zunächts die dafür notwendigen 80.000 Euro aufgebracht werden.
Michael Pützer: „Wer helfen möchte, kann auf das Orgelkonto spenden. Für Ihre Hilfe sei Ihnen jetzt bereits herzlich gedankt.“
Kath. Kirchengemeinde
Steinfeld
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pp/Agentur ProfiPress