Werte sind den Eltern wichtig

Marlies Lottermoser widmete ihr Leben der kirchlichen Kindergartenarbeit, jetzt geht sie in den verdienten Ruhestand – Nachfolgerinnen Heidi Zander und Eva Zimmer

Mechernich – Mit Marlies Lottermoser (63) verlässt eine Institution den katholischen Kindergarten Mechernich. Sie leitete die Einrichtung seit 36 Jahren, zunächst für die Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist, seit 2006 für die Caritas Lebenswelten GmbH.

Donnerstag fand das Übergabegespräch an ihre Nachfolgerinnen Heidi Zander und Eva Zimmer statt – dazu waren Susanne Antunes (Bereichsleitung) und Geschäftsführer Guido Rothkopf eigens aus der Eschweiler Unternehmenszentrale an den Bleiberg gekommen. Insgesamt unterhält „Caritas Lebenswelten“ von dort aus elf Kindertagesstätten, die meisten in der Städteregion Aachen, eine im Kreis Düren und zwei im Kreis Euskirchen.

Heidi Zander, bislang Chefin der Kita St. Nikolaus in Kall, übernimmt nach Marlies Lottermosers offiziellem Ausscheiden Ende März die Bereichsleitung beider Kindergärten im Kreis Euskirchen, also Mechernich und Kall. Eva Zimmer, die sich bereits seit 2006 an Marlies Lottermosers Seite um die integrative Gruppe beziehungsweise heilpädagogische Gruppe kümmert, wird Standortleiterin in Mechernich.

Abschied nach 36 Jahren vom katholischen Kindergarten St. Johannes Baptist nimmt dessen Chefin Marlies Lottermoser (Mitte) Ende des Monats, hier mit (v.r.) Guido Rothkopf, dem Geschäftsführer der Caritas-Lebenswelten, der neuen Verbundsleiterin Heidi Zander, Standortleiterin Eva Zimmer und Bereichsleiterin Susanne Antunes. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Beide Nachfolgerinnen der aus Mechernich-Bescheid stammenden Marlies Lottermoser stammen ebenfalls aus der Eifel, Eva Zimmer aus Benenberg, Heidi Zander aus Sieberath. Im Sonderkindergarten Sötenich waren die beiden Heilerziehungspflegerinnen zunächst Kolleginnen, ehe sie 2006 mit den gehandicapten Kindergartenkindern von Sötenich in die Kindertagesstätten Mechernich (Zimmer) und Kall (Zander) umzogen.

Per Rad nach Scheven an die Bahn

Marlies Lottermoser erzählte Guido Rothkopf und Susanne Antunes beim Übergabegespräch aus ihrem beruflichen Werdegang, der mit einer schulischen Ausbildung in Köln am Krieler Dom (Lindenthal) seinen Anfang nahm. Da die Ausbildungsstätte in erzbistümlicher Trägerschaft über kein Internat verfügte, musste die junge Marlies Tag für die Tag mit dem Fahrrad zur Bahn nach Scheven und von dort mit dem Zug in die Domstadt.

„Damals lag die Eifel noch im Dornröschenschlaf, das Stadt-Land-Gefälle war deutlich spürbar“, so die Kindergartenleiterin mit Montessori-Diplom: „In Köln hatte ich damals schon Kinder mit Migrationshintergrund, ich lernte Gastarbeiterfamilien in Mietshäusern mit fließend Wasser und Toiletten auf dem Flur kennen… Armut, wie sie es so bei uns auf dem Land nicht gab.“

Marlies Lottermoser wirkte nach ihrer Ausbildung im Krieler Dom zunächst weiter in Köln, St. Johannes Baptist, und 1980 – 1986 in St. Philippus und Jacobus in Schleiden, ehe sie 1986 nach Mechernich kam. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich sei da noch ein eher beschauliches Dorf gewesen, mit kleinem Krankenhaus und bescheidener Infrastruktur – nicht zu vergleichen mit dem wesentlich urbaner gewordenen Mittelzentrum von heute. Auch in Mechernich und auch im katholischen Kindergarten gebe es heute mit großer Selbstverständlichkeit Kinder aus Migrantenfamilien, islamische Glaubensangehörige und Ungetaufte und Religionslose…

Die Eltern erklärten sich aber mit dem ausdrücklich christlichen Anspruch des Mechernicher Kindergartens und der zehn anderen Einrichtungen der Caritas-Lebenswelten einverstanden. Da könne es schon mal vorkommen, dass eine Muslima ihr sage, ihr mache es nichts aus, dass Marlies Lottermoser katholisch ist…

„Dann sage ich, mir macht es auch nichts aus, dass Sie einer anderen Religion angehören, aber wir gehen mit den Kindern schon in die Kirche – und zwar mit allen Kindern, zum Beispiel zum großen Stuhlkreis!“ Meistens sei die Konfessions- oder Religionsverschiedenheit in den elf Kindergärten der Caritas-Lebenswelten aber gar kein Thema, berichtet Guido Rothkopf: „Wir teilen ja gemeinsame christliche, also humanistische Werte.“

Eva Zimmer, die sich bereits seit 2006 an Marlies Lottermosers Seite um die integrative Gruppe beziehungsweise heilpädagogische Gruppe kümmert, wird Standortleiterin in Mechernich. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Einvernehmen mit Pfarrei und Stadt

Das Verhältnis zu Pfarrer Erik Pühringer und der Pfarre bezeichnete Marlies Lottermoser trotz des Trägerwechsels 2006 als nahezu unverändert und vor allem als sehr hilfsbereit, eng und komplikationslos. Auch zur Stadt, insbesondere Fachbereichsleiter Holger Schmitz, aber auch dem ebenfalls aus ihrem Dorf stammenden Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick habe man ein ganz ausgezeichnetes Verhältnis. Die Beziehung zu den städtischen Awo-Kindergärten sei „freundschaftlich geschäftlich“.

Der katholische Kindergarten St. Johannes Baptist hat 72 „Pänz“, zwölf mit Handicap, zehn davon in einer heilpädagogischen Gruppe, zwei integrativ in anderen Gruppen. Es komme vermehrt vor, dass Kinder mit stärkeren Handicaps von anderen integrativen Kindergärten zur Mechernicher Einrichtung der Caritas-Lebenswelten wechseln.

Marlies Lottermoser: „Durch die kleinere Gruppe und den höheren Personalstand bietet die heilpädagogische Gruppe einfach bessere Voraussetzungen für die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder.“

Heidi Zander, bislang Chefin der Kita St. Nikolaus in Kall, übernimmt nach Marlies Lottermosers offiziellem Ausscheiden Ende März die Bereichsleitung beider Kindergärten im Kreis Euskirchen, also Mechernich und Kall. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Marlies Lottermoser wirkte nach ihrer Ausbildung im Krieler Dom zunächst weiter in Köln, St. Johannes Baptist, und 1980 – 1986 in St. Philippus und Jacobus in Schleiden, ehe sie 1986 nach Mechernich kam. Die Bescheiderin, deren ältere Schwester Pauline Hilger ebenfalls Erzieherin und Kindergartenleiterin in der Stadt Mechernich war, spürte frühzeitig, dass sie aus dem gewachsenen Kindergartensystem herauswachsen würde, um eigene Wege zu gehen.

Dabei sei ihr ihre Montessori-Ausbildung zugutegekommen, aber auch das Entgegenkommen und die Freiheiten, die ihr ihre Arbeitgeber und insbesondere die katholischen Pfarrer Wolfgang Schroer, Berni Frohn und Erik Pühringer gewährt hätten. „Als ich anfing, lief in kirchlichen Kindergärten noch viel mit missionarischem Anspruch“, erzählte Marlies Lottermoser im Gespräch.

Das Familienbild sei seinerzeit völlig anders gewesen, die Mütter waren zu Hause, die Männer hatten vielfach zu bestimmen. Heute brächten viele Eltern in Mechernich ihre Kinder gezielt in den kirchlichen Kindergarten, weil ihnen der Glaube und im weitesten Sinne christlich-humanistische Werte etwas bedeuten.

pp/Agentur ProfiPress