Weg vom Zentrum, hin zum Rand

Impulsabend mit Superior Pater Paul Cyrys des Salvatorianklosters Steinfeld bei der „Communio in Christo“ in Mechernich – Geschichte und Spiritualität des seligen Ordensgründers Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan – Musikalische Begleitung mit Liedern aus einer Dokumentation über den Gründer – Fragen, Austausch und Eucharistiefeier

Von Henri Grüger

Mechernich/Steinfeld – „„Er ist einfach zu früh geboren. Um Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan zu verstehen, müssen wir die Zeit und Umstände verstehen, in denen er lebte“, leitete Pater Paul Cyrys, Superior des Salvatorianerklosters Steinfeld, seinen Vortrag zum Ordensgründer Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan bei der Communio in Mechernich ein.

Superior Pater Paul Cyrys von Kloster Steinfeld gestaltete bei der Communio in Mechernich einen Impulsabend zur Geschichte und Spiritualität der Salvatorianer und ihres Gründers, des seligen Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan (1848-1918). Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Der Impulsabend mit dem Oberen aus Steinfeld fand in der Hauskapelle des Ordo Communionis in Christo an der Bruchgasse statt, zu Gast waren Mitglieder der Kommunität und interessierte Gäste. Der zweiteilige Vortrag begann mit der Geschichte Pater Jordans, dann ging es um die Spiritualität des Ordens. Vor dem Impuls wurden Rosenkranz und Vesper gebetet, nachher gab es noch eine Eucharistiefeier mit dem Pater Superior aus Steinfeld.

Paul Cyrys bediente sich bei seinem Referat moderner Computervorführtechnik und streute musikalische Pausen ein, die Aufmerksamkeit und Andacht seiner Zuhörer noch steigerten: „Diese Lieder stammen aus einem Dokumentarfilm, der über Pater Jordan und sein Leben gedreht wurde.“

Von Pubertät und Priestertum

So begann er die Geschichte der Salvatorianergründers zu erzählen: Pater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan wurde im Jahre 1848 als Johann Baptist Jordan in Gurtweil bei Baden geboren. „Er lebte eine einfache Kindheit und Jugend mit vielen Entbehrungen, was ihn laut der Erzählungen nur noch fester in seinem Glauben bestärkte“, so Pater Paul: „Die heilige Maria soll ihm immer eine enge Vertraute gewesen sein.“

Als Jordan dann im Jahre 1861 seine Erstkommunion empfing, schien es wie ein Wendepunkt in seinem Leben: Aus einem „pubertären“ Jugendlichen sei plötzlich ein ruhiger und besonnener junger Mann geworden, der viel Wert auf Gebete und Meditation legte. Von da an und bis zum Tode habe er eine enge Verbindung zu Gott gespürt.

Zwei Jahre später, 1863, starb sein Vater Lorenz mit 44 Jahren bei einem Arbeitsunfall und Jordan begann, neben seiner Lehre zum Dekorationskünstler beim Bau einer großen Eisenbahnlinie in Deutschland mitzuarbeiten, um Geld für die Familie zu verdienen. „Er war ein unermüdlicher Arbeiter“, betonte Cyrys: „Doch berufen gefühlt hat er sich immer zum Priestertum, auch wenn er erst lange nicht studieren konnte, um seine Familie zu ernähren.“

Bis 1867 kam Jordan viel herum in Deutschland, der Schweiz, Italien und vielen weiteren Ländern und wurde im Jahre 1869 zum Militärdienst in Konstanz eingezogen, aus dem er jedoch bereits wenige Wochen später aus gesundheitlichen Gründen wieder entlassen wurde.

Eines der großen Talente des späteren Ordensgründers waren Sprachen. Im Gegensatz zu Naturwissenschaften, bei denen er in seiner Abiturprüfung – nach Privatunterricht bei einem Pfarrer mit 26 Jahren in Konstanz – nur ein leeres Blatt Papier abgegeben habe. Er bestand trotzdem, nicht zuletzt dank der Übersetzung seiner übrigen Prüfungsantworten in vier Sprachen.

Das Publikum war fasziniert von der langen und ereignisreichen Geschichte Pater Jordans und seines Ordens sowie von dem Lied „Eternal Life“ („Ewiges Leben“), das zu seiner Seligsprechung 2021 komponiert worden war. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Seine Sprachbegabung wusste der Badenser zu nutzen, um beispielsweise bei „Katholikentagen“ Kontakte herzustellen, seine Vision von Gesellschaft und Kirche auszudrücken und später auch in der Welt zu verbreiten. Dabei traf er sowohl auf Anhänger, als auch auf Ablehnung.

Selbst in den schwierigen politischen und religiösen Umständen seiner Zeit, also beispielsweise der Verfolgung und Unterdrückung von Gläubigen, schwieg er nicht. „Ihm war es nicht gleichgültig, ganz im Gegenteil“, so Pater Paul Cyrys.

Nach einem Studium der Philosophie und Theologie ab 1874 in Freiburg hielt Jordan bereits in der Schweiz in seinem geistlichen Tagebuch seine Vision einer offenen und toleranten religiösen Gemeinschaft fest, die Grundsteinlegung des später von ihm gegründeten „Salvatorianer-Ordens“.

Kurze Zeit später entwickelte sich eine Freundschaft zwischen ihm und Pater Arnold Janssen (Steyler Missionare), auf die auch bald seine Priesterweihe am 21. Juli 1878 folgte. Auf dieses Datum wurde auch der Gedenktag zu Ehren des 2021 seliggesprochen Salvatorianer-Gründers gelegt, der 1880 eine Pilgerreise in den „Mittleren Osten“ unternahm und seine Fremdsprachen- und Kulturkenntnisse perfektionierte.

„Wenn es Gottes Wille ist“

Als er kurz nach seiner Weihe den Kapuzinerbischof Massay als einen der ersten in seine revolutionäre Vision einweihte, erhielt Jordan auch von diesem den ersten Segen. Kurz darauf lud ihn Papst Leo XIII. zu einer Privataudienz und ermutigte ihn: „Wenn es Gottes Wille ist, wird es gelingen.“

Als er in Deutschland wegen der tief gehenden Spannungen in Gesellschaft und Religion seinen Priesterberuf nicht ausüben konnte, zog es ihn nach Rom, wo er am päpstlichen Seminar aramäische, syrische und koptische Sprachen studierte. Sein Tagebuch schrieb er in mindestens zwölf Sprachen, so Pater Paul bei der Communio, etwa 25 soll er fließend beherrscht haben und sich in rund 50 generell verständigen können.

Am 8. Dezember 1881 gründete Pater Jordan schließlich die „Apostolische Lehrgesellschaft“, die Ur-Salvatorianer sozusagen, zur äußeren und inneren Mission, auch wenn das Ganze erst nur als Organisation statt als Orden gedacht war. 1883 nahm der Gründer den Namen Franziskus Maria vom Kreuze Jordan an.

Am 8. Dezember 1888 gründete er mit Freifrau Therese von Wüllenweber, bekannt unter ihrem Ordensnamen „Mutter Maria von den Aposteln“, den Orden der „Schwestern des Göttlichen Heilandes“, die „Salvatorianerinnen“.

Ab 1890 sendeten sie erste Missionare zur Verkündigung der Vision Pater Jordans nach Assam in Indien aus. Einer von ihnen war Otto Hopfenmüller, der kein Jahr dort überlebte, aber viele der visionären Texte Jordans in die dort heimischen Sprachen übersetzte. Als die Salvatorianer – Ordenskürzel SDS – in den 1990er Jahren nach Indien zurückkehrten, stellten sie fest, dass die Erinnerung an Pater Otto Hopfenmüller lebte, er wurde hoch verehrt und der Seligsprechungsprozess für ihn hatte begonnen.

Ab 1905, als Pater Jordan bereits drei Jahre Generalsuperior der Salvatorianer war, durften sie sich mit Genehmigung aus Rom endlich „Orden“ nennen und erhielten im Jahre 1911 die päpstliche Approbation. Franziskus Maria vom Kreuze Jordan widmete sich in den Folgejahren der Stabilisierung seines Werkes und initiierte mehrere Niederlassungen in Europa, Nord- und Südamerika und Indien.

Warten auf ein Wunder…

Während des Ersten Weltkriegs fungierte der Gründer der Salvatorianer als Vermittler zwischen Deutschen und Italienern, aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit und politischen Spannungen verlegte er den Ordenssitz der „Salvatorianer“ von Rom in die neutrale Schweiz, nach „Fribourg“. Am 8. September 1918 verstarb Vater Franziskus Maria vom Kreuze Jordan in Tafers (Schweiz) in einem Hospiz, seine Trauerfeier und Beisetzung fand wegen der Kriegslage in kleinem Kreis statt. Seit 1923 befindet sich ein Standort des Ordens im Kloster Steinfeld.

Pater Paul lud nach seiner Präsentation die Anwesenden dazu ein, Fragen zu stellen und sich auszutauschen, bevor der Abend schließlich mit einer Eucharistiefeier ausklang. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

1916 hatte der Orden 455 Mitglieder, heute sind es laut Cyrys rund 1250 Schwestern, 1200 Patres und 1300 Brüder. Bereits 1942 begann das Verfahren, das am 15. Mai vergangenen Jahres mit Pater Jordans Seligsprechung seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Die lange Wartezeit erklärte sich aus dem Ausbleiben eines für den Prozess unerlässlichen Wunders.

„Und was für ein schönes Wunder das war?!“, sagte Superior Pater Paul Cyrys: Die Geburt eines gesunden Mädchens, bei dem sich im Vorfeld die Ärzte sicher waren, es könne nur mit starken Behinderungen oder sogar tot zur Welt kommen. So war im Vorfeld zu Jordan gebetet worden, der wohl glücklichste Tag im Leben der Familie war der Geburtstag ihrer kleinen Tochter am Todestag von Pater Jordan (8. September).

Salvatorianische Spiritualität

Als Einführung in den zweiten, spirituellen Teil der Veranstaltung spielte Cyrys das eigens für die Seligsprechung Jordans komponierte englische Lied „Eternal Life“ („Ewiges Leben“), das begeisterten Beifall unter den Anwesenden auslöste. „Der Refrain des Liedes spiegelt den Kern unserer Spiritualität wider“, erklärte der Steinfelder Klosterobere: „Die Definition des ewigen Lebens, das bereits hier beginnt. Denn alles was es dafür braucht, ist unerschütterlicher Glaube, Liebe und Vertrauen in Gott und Jesus.“

Der Leitfaden sei seit 1891 der Gleiche: „Sowohl der Allmächtigste als auch die niedrigste Kreatur haben alle einen unbezahlbaren Wert. Gott kennen – das bedeutet Glück, Leben, macht betroffen, hilfsbereit, prophetisch und einfach »salvatorianisch«. Wir stehen in einer ständigen, eigenen und vertrauten Beziehung zu Gott und haben so ein erfülltes Leben – ein ewiges, was in dieser Zeit bereits beginnt.“ Mit dieser Botschaft wolle sein Orden alle Menschen erreichen, „weg vom Zentrum bis hin zum Rand der Gesellschaft.“

Als ein Zuhörer nach der Spezifizierung des Ordens fragte, antwortete Pater Cyrys: „Böse Zungen behaupten, unser Orden hätte gar kein Spezifikum… doch das ist nicht wahr. Unseres liegt in der Universalität, der weltweiten missionarischen Arbeit, jeden als gleich und Teil des Ganzen anzusehen.“

Schwester Lidwina von der Communio in Christo, Gastgeberin der Impulsabende, bedankte sich herzlich bei Superior Pater Paul Cyrus: „Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass alle Orden ein Ziel haben, nämlich die universelle Liebe und den Glauben an unseren Erlöser zu verbreiten. Sie haben so viele Berührungspunkte und so weisen auch die Leben Pater Jordans und das unserer Mutter Marie Therese viele Gemeinsamkeiten auf. Wir danken Ihnen sehr herzlich für diesen schönen Abend!“.

pp/Agentur ProfiPress