Stadt will mehr Klimaschutz beim Bauen

Katja Schmitz von der Abteilung Stadtentwicklung stellt im Planungsausschuss 53-seitigen Überblick an Möglichkeiten und Überlegungen für klimaverträgliche Baugebiete vor – Mechernich ist in der Bevölkerungsentwicklung Spitzenreiter im Kreisgebiet

Mechernich – Die Nachfrage nach Bauland ist in Mechernich ungebrochen. Auch die größere Akzeptanz von Telearbeit („Homeoffice“) durch die Corona-Pandemie und die Hochwasserkatastrophe, die eine vermehrte Suche nach flutsicheren Wohnorten nach sich gezogen hat, verstärken den bisherigen Druck auf den Wohnungsmarkt.

Laut Stadtplaner Thomas Schiefer ist die Stadt am Bleiberg sogar Spitzenreiter, was die prognostizierte Bevölkerungszunahme im Kreis Euskirchen angeht. Das schreiben die beiden im Kreis erscheinenden Tageszeitungen in einem gleichlautenden Bericht des Autors Thorsten Wirtz.

Das Baugebiet „Kleiner Bruch“ vor Kommern-Süd, das vornehmlich in den sechziger bis achtziger Jahren in einem früheren Waldgebiet entstand, heute undenkbar. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress

In der jüngsten Sitzung des städtischen Planungsausschusses vergangene Woche in der Bürgerhalle Kommern berichtet Thomas Schiefer: „Bis zum Jahr 2050 gehen wir von einer Zunahme von acht Prozent gegenüber dem Jahr 2021 aus.“ Im Kreis Euskirchen insgesamt liege der erwartete Bevölkerungszuwachs bei rund vier Prozent. „Es gibt aber auch Kommunen, die weiter schrumpfen werden“, so zitiert Wirtz den Stadtplaner.

430 Neubauinteressenten auf Warteliste

Mit der stetig wachsenden Nachfrage nach Bauland kletterten auch die Preise immer weiter, so „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ – was die Nachfrage nach Immobilien am Bleiberg aber keineswegs geschmälert habe, so Thomas Schiefer: „Wir führen in Mechernich aktuell eine Interessentenliste für Baugrundstücke mit 430 Namen. Die Tendenz ist weiter steigend.“

Aktuell bestimmen schwerpunktmäßig zwei Themenfelder die Stadtentwicklung, die sich in der planerischen Praxis als klassischer, schwer aufzulösenden Zielkonflikt darstellen, so der Stadtplaner: Denn dem kommunalen Auftrag, dafür Sorge zu tragen, dass „breite Schichten der Bevölkerung Zugang zu Wohnraum haben“, stehe die im Baugesetzbuch formulierte Vorgabe entgegen, „mit Grund und Boden sparsam und schonend umzugehen“.

Stadtplaner Thomas Schiefer spricht von einem planerischen Zielkonflikt: Einerseits sollen Kommunen Menschen zu erschwinglichem Wohnraum verhelfen, andererseits sollen sie möglichst flächenschonend bauen. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress

Aus Sicht der Abteilung für Stadtentwicklung sollen in diesem planerisch nicht einfachen Umfeld in Mechernich auch in Zukunft Baugebiete entstehen, um auch nachfolgenden Generationen die Möglichkeit zu eröffnen, in der traditionellen Form des Wohnens hier mit ihren Familien  leben zu können.

Dabei stehen neben dem klassischen Einfamilienhaus auch andere Wohnformen im Fokus, so Schiefer: „Wohnen wandelt sich und wird in seiner jeweiligen Form vielfältiger, zum Beispiel durch vermehrte Singlehaushalte. Mehrfamilienhäuser mit unterschiedlichen Grundrissgestaltungen werden daher in Zukunft auch auf dem Dorf ein Thema werden.“

Vor dem Hintergrund des Klimawandels, der Diskussion um die Neuinanspruchnahme von Flächen und sich verändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen, stellt sich der Stadt Mechernich die Frage, wie zukünftig Baugebiete gestaltet sein sollten, um der Vielfältigkeit des Wohnens, aber auch der im Grundgesetz verankerten Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen, gerecht zu werden.

An der Nahstelle zwischen Kommern-Süd (l.) und Mechernich-Nord (o.): Mechernich hat zurzeit einen doppelt so hohen Bevölkerungszuwachs wie der Kreisdurchschnitt. Auf einer Warteliste für Baugrundstücke stehen 430 Namen. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress

Um das Thema „Klimaschutz im Neubaugebiet“ in die politische Diskussion zu bringen, habe die Stadtverwaltung daher ein 53-seitiges Konzept der Möglichkeiten erarbeitet wie Baugebiete klimaverträglicher gestaltet werden könnten, das von Katja Schmitz aus dem Team des Fachbereichs Stadtentwicklung vorgestellt wurde.

„Es geht im ersten Schritt darum, aufzuzeigen, was alles möglich ist“, erläuterte sie dem Ausschuss. Die Fraktionen wurden aufgefordert, sich mit der Thematik zu befassen und mit eigenen Ideen und Überlegungen zu bereichern, damit bis zur nächsten Sitzung eine erste konkrete Vorschlagsliste mit Maßnahmen für mehr Klimaschutz beim Bauen erarbeitet werden könne.

Neben Aspekten des Klimaschutzes sollen dabei aber auch städtebauliche Vorgaben berücksichtigt werden. Katja Schmitz: „Im Idealfall wirken sich die Vorgaben sogar auf beide Bereiche aus.“ Begrünte Vorgärten könnten beispielsweise, im Gegensatz zu Schottergärten, das Straßenbild städtebaulich aufwerten und gleichzeitig der Versieglung des Bodens entgegenwirken und das Mikroklima positiv beeinflussen. Außerdem böten sie ein Lebensraum- und Nahrungsangebot für Tiere und Pflanzen (Insektenschutz).

Genaue Ausgestaltung noch offen

Mit welchen konkreten Maßnahmen zukünftig klimaverträglichere Baugebiete gestaltet werden sollen, sei jetzt Gegenstand der laufenden Diskussion und hänge letztendlich von der politischen Willensbildung ab. Wichtig sei es, so Schiefer „einen Denkprozess in den Fraktionen“ anzustoßen, schreiben die Zeitungen. Da, wo die Stadt selbst Bauland zum Kauf anbiete, könne sie natürlich genauere Vorschriften machen oder sogar Verträge über bestimmte Maßnahmen mit den Bauwilligen abschließen.

Von einer „Solarpflicht“ für die Nutzung von Solarthermie oder Photovoltaik soll seitens der Stadtverwaltung auf Grund der dynamischen Weiterentwicklung gesetzlicher Anforderungen abgesehen werden, hieß es. Katja Schmitz: „Hierzu wird ja bereits vieles über die ohnehin geltenden Verordnungen gefordert und auch derzeit auf Bundesebene für Neubauten diskutiert. Vorgaben, die wir in einem Bebauungsplan machen könnten, wären einfach zu statisch.“

Bei einem früheren Gespräch 2021 über Klimaschutz und alternative Wohnformen beim Bauen (v.r.): Stadtplaner Thomas Schiefer, die Journalistin Kirsten Röder und Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress

Möglichkeiten für mehr Klimaschutz in Neubaugebieten gebe es beispielsweise bei den Themen Grundstücksgröße (weniger Flächenverbrauch), Flächenversiegelung, Regenwassernutzung (Entlastung der Kanalisation bei Starkregen), Anpassung der Bepflanzung oder Gestaltung der Außenbeleuchtung.

Dachbegrünung sei auch auf geneigten Dächern möglich und verhindere eine weitere Aufheizung der Siedlungsflächen, ebenso wie der Verzicht auf Steingabionen zugunsten von Hecken. „Wir wollen eine faktenbasierte und ökologisch sinnvolle und damit umweltpolitisch nachvollziehbare Stadtplanung, keine Ideologie“, erklärte Thomas Schiefer im Planungsausschuss. Bis zur nächsten Sitzung sollen denkbare Maßnahmen von der Stadtverwaltung in einer Prioritätenliste zusammengefasst werden, so der politische Auftrag.

„Im Frohngarten“ wird nun gebaut

Bei einem Baugebiet („Im Frohngarten“) in Eicks sollen nach Möglichkeit Aspekte des klimafreundlichen Bauens bereits berücksichtigt werden, erklärte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick in der Planungsausschusssitzung. Wegen zu großer Grundstücke sei der seit 2012 rechtsgültige Bebauungsplan bislang nicht umgesetzt worden, schreiben „Rundschau“ und „Stadt-Anzeiger“.

Jetzt aber habe sich mit der Firma Hinz & Partner aus Euskirchen ein Interessent gefunden, der das Areal erwerben möchte, um dort zehn Einfamilienhäuser mit einer Grundstücksfläche von je rund 500 Quadratmetern zu errichten. Die Mitglieder des Planungsausschusses stimmten nach kurzer Diskussion zu.

pp/Agentur ProfiPress