Geschnitzt und zugenäht
In seinem Hobby, der Schnitzerei, hat es Johannes Trimborn zu einem erstaunlichen Können gebracht – Heiligenfiguren, Schneidebretter, Messer und mehr entstehen in seiner Kallmuther Werkstatt
Mechernich-Kallmuth – Der Christophorus ist klar erkennbar. Sein fester Stand, das geschwungene Gewand, der naturgetreue Stab, das Gesicht, das Jesuskind auf den Schultern – all das hat Johannes Trimborn dem einst kantigen Stück Lindenholz bereits in mühevoller Kleinarbeit entlockt. Es sieht fast so aus, als müsste die Figur nur noch geschliffen und gewachst werden. Weit gefehlt. „Handgeschnitzt bedeutet, dass so lange geschnitzt wird, bis alles glatt ist“, sagt der 43-jährige Kallmuther. Also hat er noch einiges an Arbeit vor sich.

Aber Arbeit ist es für Johannes Trimborn eigentlich gar nicht. Vielmehr Entspannung und Ausgleich zum Bürojob in Köln. Manchmal sitzt er stundenlang beim Schnitzen und merkt gar nicht wie die Zeit vergeht. Wenn es in der Garage zu kalt wird, was dem robusten Naturliebhaber eher selten passiert, dann kommt die Schnitzbank zum Leidwesen seiner Frau auch schon mal mit ins Wohnzimmer.

Manch ein Holzstück landete im Kamin
Vor gut sechs Jahren hat er sich das Handwerkszeug fürs Schnitzen selbst beigebracht. Auslöser war der Wunsch nach einem geschnitzten Bergmann und einer heiligen Barbara. Als ehrenamtlicher Grubenführer hat er ein Faible für diesen Berufsstand. Doch alles, was er im Internet so fand, gefiel ihm nicht so richtig. Also lautetet die Devise: Selber machen.

So entstand in seiner Kallmuther Garage eine kleine Werkstatt. Das Know-how ist aus Videos im Internet erwachsen. „Und aus Trial-and-Error“, sagt Johannes Trimborn schmunzelnd. Das bedeutet Ausprobieren und Scheitern – und so sind einige Holzstücke auch schon mal im Kamin gelandet.

Eigentlich kaum zu glauben, wenn man sich seine aktuellen Werke anschaut. Der Christophorus, eine Auftragsarbeit, sieht absolut professionell aus. Die Proportionen sind lebensecht, die geschwungenen Linien verleihen der Figur Dynamik. Die ist auch bei seinem Lieblingskunstwerk spürbar: Eine Figur des heiligen Georg, der als Drachentöter dargestellt ist. Eine naheliegende Arbeit für jemanden aus Kallmuth, wo die Kirche dem heiligen Georg geweiht ist und mit dem Georgsritt alljährlich eine weit über den Ort hinaus bekannte Reiterprozession stattfindet. Trimborns Georgs-Figur ist jedenfalls in den vielen Details unheimlich fein gearbeitet. Kein Wunder also, dass die Heiligendarstellung einen Ehrenplatz im Wohnzimmer der Familie Trimborn hat.

Gemeinsame Zeit mit seinen Jungs
Einen weiteren Ehrenplatz erhält eine heilige Barbara aus seiner Werkstatt. Wie bereits berichtet, wird das Kunstwerk in einem Schrein aus Sandstein mit Bruchstein-Sockel an der Lorbacher Straße, Ecke Quellenstraße eine Heimat finden. Gemeinsam mit einem drei Mal drei Meter großen Bild eines Stollens entsteht so eine Reminiszenz an die Bergbaugeschichte des Ortes.

Auch wenn das figürliche Arbeiten, also die Holzbildhauerei, so etwas wie die Königsdisziplin im Schnitzhandwerk ist, verleiht Johannes Trimborn seiner Liebe zum Werkstoff Holz noch in ganz unterschiedlicher Weise Ausdruck. Dabei wird er auch von seinen Söhnen Jakob (15) und Matthias (12) unterstützt. Die hat er nämlich mit seiner Leidenschaft ebenfalls infiziert. „Damit sie nicht immer nur vor dem Bildschirm hängen“, sagt Johannes Trimborn. Und so verbringen die drei Jungs viel gemeinsame Zeit in der Werkstatt.
Dann entstehen zum Beispiel Schneidebretter in einer Kombination aus Holz und Epoxidharz. Das Harz wird manchmal in bunten Farben und manchmal in einer durchsichtigen Variante mit dem Holz kombiniert. Dann verzieren echte Orangenscheiben oder Blüten die Küchenbretter, die die drei Hobby-Handwerker unter der Marke „Holzdesign Johannes Trimborn & Söhne“ auf Märkten oder zuletzt auf dem Mechernicher Brunnenfest feilbieten.

Ein Faible für Finnenmesser
An ihrem Stand finden Interessierte dann auch immer eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Messer. Die Klingen werden eingekauft. „Metall ist nicht mein Material.“ Die Griffe dazu entstehen dann in der Kallmuther Werkstatt. Insbesondere die Form der Finnenmesser, Puukko genannt, haben es Johannes Trimborn angetan. Dafür kreiert er formvollendete Griffe aus Rentierhorn, verschiedenen Hölzern und farbigen Linern, die dem Ganzen eine besondere Struktur verleihen.

Mit der Form der Griffe geriet er allerdings schnell an die Grenzen von handelsüblichen Messerscheiden. Wieder musste er selbst aktiv werden. Wieder halfen Internetvideos. Daher wird im Hause Trimborn inzwischen auch Leder zugeschnitten. Per Sattlerstich entstehen dann formvollendete Messerscheiden. Es sind die in Funktion und Aussehen perfekten Begleiter für die Messer mit den von Johannes Trimborn und seinen Söhnen kunstvoll gearbeiteten Griffen. Ganz schön geschnitzt und zugenäht, was da so in der kleinen Kallmuther Werkstatt entsteht.
pp/Agentur ProfiPress