Flussanrainer wollen zusammenhalten

14 Städte und Gemeinden, vier Kreis und der Erftverband schließen sich in Zülpich zu einer Hochwasserschutzgemeinschaft zusammen – In drei Jahren soll ein umfassendes Konzept vorliegen – Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, der auch Verbandsratsvorsitzender des Erftverbandes ist: „Es wird uns keiner abnehmen, wenn wir uns in einigen Jahren mit langwierigen Planungsverfahren aus der Verantwortung ziehen“

Mechernich/Zülpich – Wie das Klima ein Weltthema ist, so endet auch Hochwasser, wie es Eifel und Börde im Juli 2021 erleben mussten, nicht an Stadt-, Gemeinde- oder Kreisgrenzen, schreibt Kreispressereferent Wolfgang Andres von einer Versammlung der Gebietskörperschaften entlang der Erft und ihrer Nebenläufe in Zülpich. Dabei handelt es sich um 14 Städte und Gemeinden, vier Kreise und den Erftverband

Um mögliche Überflutungen zu verhindern, beziehungsweise ihre Auswirkungen zu minimieren, müsse das gesamte Einzugsgebiet eines solchen Flusses in den Blick genommen werden, so Andres. Deshalb habe der Kreis in den vergangenen Monaten alle Akteure des „Erft-Reviers“ von der Quelle bei Nettersheim-Holzmülheim bis nach Kerpen an einen Tisch gebracht und ein gemeinsames Vorgehen koordiniert.

In Zülpich wurde der Startschuss für eine Kooperation gegeben, die die betroffenen Kommunen, mehrere Kreise sowie den Erftverband umfasst. Bis zum Sommer soll die interkommunale Hochwasserschutzkooperation auch formell unter Dach und Fach gebracht werden.

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, der vor einem guten Jahr einstimmig zum neuen Verbandsratsvorsitzenden des Erftverbandes gewählt worden war, plädierte in der Zülpicher Zusammenkunft für zügige Genehmigungsverfahren und schnelle Umsetzung von Hochwasserschutz- und Präventivmaßnahmen: „Es wird uns keiner abnehmen, wenn wir uns in einigen Jahren mit langwierigen Planungsverfahren aus der Verantwortung ziehen.“

Auch in Mechernich gebe es bereits ein konkretes Vorhaben, die Trockenlegung eines ehemaligen Bleisandabsetzbeckens, des so genannten Kommerner Sees, der in Zukunft als Regenrückhalt für den Bleibach vor den Toren Kommerns dienen soll.

Hochwasserschutz endet nicht an Stadt-, Gemeinde- oder Kreisgrenzen: In Zülpich fiel jetzt der Startschutz für eine Hochwasserschutzkooperation im Einzugsgebiet der Erft, die vier Kreise, 14 Kommunen und den Erftverband umfasst, ganz links Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, der vor einem guten Jahr einstimmig zum neuen Verbandsratsvorsitzenden des Erftverbandes gewählt worden war. Foto: Wolfgang Andres/Kreis/pp/Agentur ProfiPress

„Wir müssen Zeichen setzen. Es gibt eine hohe Erwartungshaltung in der Bevölkerung“, sagte Sabine Preiser-Marian, die Bürgermeisterin von Bad Münstereifel, laut Presseberichten.

Die Stadt Euskirchen baue in Roitzheim den Sportplatz neben der Erft an der Lilienstraße nicht wieder auf. Derzeit laufen Gespräche über einen neuen Standort. An der alten Stelle soll künftig eine Retentionsfläche entstehen – möglicherweise in Kooperation mit einem Landwirt, der den Bereich bewirtschaftet, so der Euskirchener Verwaltungschef Sacha Reichelt.

„Das darf keine 30 Jahre dauern“

Er sagte: „Jeder hat seine Ideen gesammelt, manche werden bereits umgesetzt. Wichtig ist, dass wir die Ideen nun zusammenbringen und gemeinsam umsetzen.“ Es dürfe „nicht wieder 30 Jahre dauern, bis aus einem ersten Antrag eine Umsetzung resultiert – wie jetzt bei der Veybach-Renaturierung zwischen Euenheim und Wißkirchen“.

Die Flutkatastrophe vom Juli 2021 habe gezeigt, dass das Hochwasserrisikomanagement verbessert werden muss. „Dabei müssen wir großräumig denken“, konstatierte Achim Blindert, der Allgemeine Vertreter des Landrats.

Im Januar 2022 hatte das Ministerium der jetzt zurückgetretenen NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser einen Zehn-Punkte-Arbeitsplan zur Verbesserung des Hochwasserschutzes veröffentlicht. Die Konzepte beziehen sich auf Flusseinzugsgebiete. Schutzkonzepte, so heißt es in der diesem Bericht zugrunde liegenden Pressemittteilung der Kreisverwaltung, müssten „sowohl lokale Gegebenheiten, als auch regionale Gebietseigenschaften“ berücksichtigen.

„Nur wenn die Hochwassersituation ganzheitlich, das heißt kleinräumig auf kommunaler Ebene bis hin zur großräumigen Betrachtung des Einzugsgebietes, beurteilt wird, kann das Schutzniveau nachhaltig, wirkungsvoll und kosteneffizient verbessert werden. Dabei ist es zwingend erforderlich, dass die Wirkung der geplanten Schutzmaßnahmen aufeinander abgestimmt wird“, sagte Dr. Bernd Bucher, der Vorstand des Erftverbandes.

„Wir werden dafür sorgen, dass die Initiative nicht einschläft“, versprach Dr. Bernd Bucher, Vorstand des Erftverbandes. Archivbild: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Auf dieser Grundlage kam die Kooperationsvereinbarung der von der Hochwasserkatastrophe stark betroffenen Kommunen im südlichen und mittleren Erft-Einzugsgebiet zustande. Die Bürgerschaft soll eingebunden werden, geeignete Maßnahmen zu erkennen und innerhalb der nächsten drei Jahre in ein Konzept umzusetzen. Starkregenkonzepte der Kommunen sollen integriert werden.

Steinbachtalsperre einbezogen

Zurzeit sollen bereits erste gemeinsame Arbeitstermine in Teilprojekten der Erft bis Kerpen angelaufen sein. Es sollen auch überörtlich wirksame Maßnahmen wie Hochwasserrückhaltebecken oder die Steinbachtalsperre einbezogen werden.

„Wir haben gerne die Rolle des Kümmerers übernommen, und wir werden dafür sorgen, dass die Initiative nicht einschläft“, versprach Dr. Bernd Bucher, Vorstand des Erftverbandes, in der Zusammenkunft am Zülpicher See. Auch dieser geflutete frühere Braunkohlentagebau spielt in den Überlegungen eine Rolle, nämlich als Abschlagwerk für den Vlattener Bach.

Für schnelle Maßnahmen seien allerdings die Kommunen zuständig, sagte Dr. Dietmar Jansen, Bereichsleiter Gewässer beim Erftverband. Das könne etwa eine Brücke sein, die nicht wieder aufgebaut werde, damit das Wasser nicht durch eine Engstelle müsse.

Nach dem Rücktritt der NRW-Umweltministerin erklärte Achim Blindert für den Kreis: „Wir gehen davon aus, dass die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, unabhängig von der Besetzung des Ministeramtes, in bewährter Art fortgesetzt wird.“

pp/Agentur ProfiPress