Erschaffer des Eifelkrimis

Der Journalist Michael Preute alias Buchautor Jacques Berndorf starb im Alter von 85 Jahren in Dreis-Brück – Häufig in der Stadt Mechernich zu Gast

Dreis/Mechernich/Eifel – 1989 erschien mit Jacques Berndorfs „Eifel-Blues“ der erste Kriminalroman eines neuen Genres, dem der gelernte Journalist, Krisen- und Kriegsberichterstatter Michael Preute seinen Namen gab.

Der Exil-Eifeler, der seinen Künstlernamen dem Dorf bei Hillesheim entlehnte, in dem er lange wohnte, wurde einer der erfolgreichsten deutschen Kriminalschriftsteller mit einer Auflage von rund sechs Millionen Büchern. Er schuf nicht nur den „Eifel-Krimi“, er machte Regionalkrimis in Deutschland populär.

Sein Verleger und Freund Ralf Kramp (KBV-Verlag) schreibt: „Ein besonderer Mensch und lieber Freund ist nicht mehr da… Michael hat die Eifel im ganzen deutschsprachigen Raum zur literarischen Landschaft gemacht, die richtig Furore macht.“

Jacques Berndorf (l.) und der ebenfalls bereits verstorbene Kulturdezernent Klaus Ring bei einer Buchvorstellung im Pingsdorfer Tanzsaal des Mechernicher Freilichtmuseums in Kommern. Foto: Archiv ProfiPress

Kramp, dessen Familie aus Mechernich stammt und der einige Jahre in Glehn lebte, holte Jacques Berndorf mehrfach zu Lesungen und literarischen Events in die Stadt Mechernich, unter anderem im Schloss Wachendorf und im Rheinischen Freilichtmuseum Kommern. Als Berndorf in Prüm mit dem Eifel-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, bekam der heute ebenfalls längst berühmte Ralf Kramp den Nachwuchsförderpreis für seinen Krimi-Erstling „Tief unterm Laub“.

„Netzwerker aus Leidenschaft“

Er schreibt: „Michael war ein verlässlicher Freund, der es geliebt hat, zu netzwerken, ohne viel Aufheben um sich selbst zu machen. Er war ein einfacher Typ, mit dem man gut Ideen entwickeln konnte und der nie ein Blatt vor den Mund genommen hat.“ Mit seiner Krimi-Reihe um den Pfeife rauchenden Journalisten Siggi Baumeister avancierte der Wahl-Eifeler aus dem Kohlenpott zu einem Aushängeschild der ganzen Region. Die Zahl seiner Krimis belief sich schlussendlich auf 23, 2019 gab Jacques Berndorf bekannt, dass er mit Schreiben aufhöre.

Die ab Band 19 bei KBV erscheinenden Siggi-Baumeister-Krimis eroberten regelmäßig die oberen Plätze der Bestsellerlisten. Im Berndorf-Jubiläumsjahr 2011 erschien mit „Von der Eifel aus betrachtet“ ein biografischer Erzählband bei KBV, in dem Berndorf dem Verfasser Fritz-Peter Linden mit schonungsloser Offenheit Auskunft über sein Leben gab.

Jacques Berndorf am Schreibtisch mit seinem Markenzeichen, der Pfeife. Foto: Alwin Ixfeld/KBV/pp

Matthias Weber schreibt auf der Webseite des Südwestfunks: „1936 in Duisburg geboren und lange in der Welt zuhause, verschlägt es den Journalisten Michael Preute 1984 eher zufällig in die Eifel. Dort macht er eine Metamorphose durch – nicht die erste in seinem bewegten Leben. Er schreibt unter dem Pseudonym Jacques Berndorf Kriminalgeschichten und wird in kurzer Zeit zu einem Aushängeschild seiner neuen Heimat.“

Und weiter: „Preute wächst in schwierigen Zeiten auf. Seine Schulzeit wird durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen – und Abbrüche dominieren auch in der Folge sein Leben. Das Gymnasium verlässt er nach eigenen Angaben wegen Aufsässigkeit und Desinteresse, das Medizinstudium bricht er ab, um Journalist zu werden. Er volontiert beim »Duisburger General-Anzeiger«, schreibt für die »Rheinische Post« und die Illustrierte »Quick«. Als freier Journalist berichtet er später häufig aus den Krisenregionen der Welt. Privat hat er Probleme mit Alkohol und Tabletten und trennt sich von seiner Familie.“

Am Abend der Verleihung des Eifel-Award mit Nürburgring-Werbemobil im Foyer des Hotels Augustinerkloster in Hillesheim: Die Krimiautoren und Freunde Jacques Berndorf und Ralf Kramp (r.). Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mit Romy Schneider geflirtet

Peter Reinhart vom „Trierischen Volksfreund“ bringt diese Zeit 2011 auf den Punkt, als er zu Berndorfs 75. Geburtstag schreibt: „Er ohrfeigt Chefredakteure und flirtet mit Romy Schneider. Er leert zwei Flaschen Whiskey am Tag und pumpt sich mit Tabletten voll. Er verdient Unsummen und verschenkt alles. Er ruiniert Ehen und Familien. Einen Selbstmordversuch überlebt er knapp.“

Zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 2016 veröffentlichte KBV ein paar seltene Schätze aus den Anfängen seiner Tätigkeit als Krimiautor: „Magnetfeld des Bösen“ und den Doppelroman „Auf eigene Faust / Bis der Hass euch bindet“. 2020 erschien eine Neuauflage seines Frühwerks „Der Reporter“. In diesem Zusammenhang gab Berndorf sein letztes Verlags-Interview.

Dabei sagte er über sich selbst und seine Arbeitsweise: „Ich habe als Journalist und auch im Roman immer wieder über Dinge geschrieben, die ich kenne. Über Dinge, die um mich herum sind. Es gibt viele Parallelen zwischen mir … und dem Baumeister.“ Bereits 2003 erhielt Jacques Berndorf vom „Syndikat“, der Vereinigung deutschsprachiger Krimi-Autoren, den „Ehren-Glauser“ für sein Lebenswerk.

pp/Agentur ProfiPress