Aktuelles

ProfiPress

Agentur für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, journalistische und redaktionelle Dienstleistungen.

AllgemeinStadt Mechernich

Waschsalon für Flutopfer

Ursprünglich waren die Industriewaschmaschinen mit acht- und 18 Kilo Trommelinhalt für Pferdedecken, Grob- und Handwerkerwäsche gedacht

Mechernich-Antweiler – In Antweiler (Stadt Mechernich) hat im Herbst ein Waschsalon aufgemacht – mit zwei Industriewaschmaschinen sollte ein Angebot fürs Grobe geschaffen werden, beispielsweise für Pferde- und andere Tierhalter. Doch bald schon bekam das Waschmaschinen-Ensemble unter freiem Himmel eine ganz andere Mission: Viele Menschen aus den nahen Überschwemmungsgebieten an Erft und Veybach kommen nach Antweiler, um ihre Kleider und Wäschestücke für überschaubares Geld reinigen zu lassen.

Waschsalon mit Kundschaft und Pferd: In Antweiler (Stadt Mechernich) errichteten Tanja Eckardt-Radke und ihr Mann Markus ein Open-Air-Ensemble mit zwei Industrie-Waschmaschinen, das auch gerne von Flutopfern in Anspruch genommen wird. Foto: Manfred Görgen/pp/Agentur ProfiPress

„Sowas hat schon lange in dieser Gegend gefehlt,“ sagte Tanja Eckardt-Radtke (43) dem Mechernicher „Bürgerbrief“: „Immer häufiger kommen Menschen und füllen kleine (8 Kilogramm) oder große Waschtrommeln (18 Kilo).“ Sie und ihr Mann Markus Eckardt (41) hatten im Dezember 2014 eine Mehrfamilien-Fachwerkhofanlage in Mechernich-Antweiler erworben und im Oktober 2015 eine der dort befindlichen Wohnungen bezogen.

Die leidenschaftlichen Pferdehalter beschlossen, eine SB-Outdoor-Waschstation anzuschaffen – vorrangig, um Pferdedecken, Halfter und andere mit der Tierhaltung in Zusammenhang stehende Textilien zu säubern. Die Industriewaschmaschinen reinigen bis zu 18 Kilo Wäsche – und der Trockner trocknet anschließend beeindruckend schnell.

Überbrücken der Wartezeit

Im November 2021 war es soweit – die von BAP bereits 1981 besungene Waschgelegenheit („Ich jonn su unwahrscheinlich jähn met dir enn der Waschsalon, weil du häss Ahnung vun dä Technik“) nahm ihren Betrieb auf. Rasch sprach sich das Zwei-Maschinen-Ensemble mit Münz- und Schein-„Einwurf“ sowie Kreditkartenschacht auch unter Flutopfern und Handwerkern herum.

Manche lesen ein Buch, während sie warten, andere schauen einen Film im Auto an – oder fahren derweil sich die Trommeln drehen mit ihrer Benzinkutsche in eine Waschstraße der Umgebung oder Besorgungen machen. Andere kommen miteinander ins Gespräch. Und es heißt schon, demnächst wolle in Antweiler an der Graf-Schall-Straße unweit der SB-Outdoor-Waschstation eine Eisdiele eröffnen.

Die erste Idee hatte Tanja Eckhardt- Radtke bereits 2018. Sie trat unverbindlich mit einem Hersteller in Kontakt: „Die Firma tat sich nach einem Ortstermin schwer, ohne »Businessplan« zu liefern. Sie fragte sich, ob eine 50.000 Euro teure Waschanlage in einem 800-Seelen-Ort wie Mechernich-Antweiler Sinn mache.“

Die Waschmaschinen benötigen – je nach gewähltem Programm – etwa 35 Minuten und der Trockner entfernt binnen 20 Minuten alle Feuchtigkeit. Bezahlen kann man bar (Münzen oder Scheine) oder auch mit EC- oder Kreditkarte. Der Zugang ist behindertengerecht und das Waschmittel umweltfreundlich ohne Phosphate, Farb- und Konservierungsstoffe. Foto: Manfred Görgen/pp/Agentur ProfiPress

Diesem Ansinnen kam das Ehepaar nach, ein Stromanschluss wurde gelegt, die Baugenehmigung beantragt. Witterungsbedingt starteten die Arbeiten aber erst im Mai 2021. Die zu pflasternde Parkfläche wurde ausgekoffert, Randsteine fürs Pflaster gesetzt, die Fläche gerüttelt und das Betonfundament für den Stellplatz der Waschstation gegossen – dann kam die Flut…

Im Nachhinein war es ein Segen, dass die 50.000 Euro teure Waschanlage zur Zeit der Überschwemmung noch nicht errichtet war. Hinzu kamen Arbeiten im Umfeld mit 20.000 Euro Eigenleistung. Im November 2021 erfolgte der Aufbau, seither erfreut sich das Selbstbedienungs-Ensemble wachsender Beliebtheit.

Die Waschmaschinen benötigen – je nach gewähltem Programm – etwa 35 Minuten und der Trockner entfernt binnen 20 Minuten alle Feuchtigkeit. Bezahlen kann man bar (Münzen oder Scheine) oder auch mit EC- oder Kreditkarte. Der Zugang ist behindertengerecht und das Waschmittel umweltfreundlich ohne Phosphate, Farb- und Konservierungsstoffe.

pp/Agentur ProfiPress