Wahrheit in verstörenden Weltsichten
40. Vernissage der Mechernicher Galerie im Rathaus: Künstlerin Mona Dias Werke zum Thema „In meinen Augen – eine malerische Interpretation von Chargesheimer“ bewegten die Anwesenden – Ein Pressespiegel zu einem Bericht des Journalisten Stephan Lieser (RRG)
Mechernich – Viele werden „Chargesheimer“, den bekanntesten Fotografen der Kölner Nachkriegszeit, kennen. Die schwarz-weißen Fotografien von Carl-Heinz Hargesheimer, wie er mit bürgerlichen Namen hieß, sind nicht fröhlich. Sie zeigen die schonungslose Realität im zerstörten Köln auf. Ansehen kann man sie sich in der Domstadt selbst, beispielsweise im berühmten „Museum Ludwig“.

Unter dem Motto „In meinen Augen – eine malerische Interpretation von Chargesheimer“ hat sich die Gemünder Künstlerin Mona Dia von diesen Motiven inspirieren lassen und sie in ihrer eigenen Art und Weise in 25 Ölgemälden neu interpretiert. Sehen kann man diese noch bis Ende Juni in der Mechernicher Galerie im Rathaus.

Mit der inzwischen 40. Vernissage im Verwaltungssitz am Bleiberg wurde die Kunstausstellung nun eingeweiht. Mit dabei war auch der Journalist Stephan Lieser von der „Rheinischen Redaktionsgemeinschaft“ (Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnische Rundschau). Die Band „Uli van Staa & Friends“, bestehend aus Uli van Staa (Piano), Lothar van Staa (Saxophon) und Peter Hensen (Schlagzeug), sorgte derweil für musikalische Unterhaltung.

Laudatio von Katia Franke
Mona Dia selbst war an diesem Abend leider durch eine Erkrankung verhindert. Ihre Zwillingschwester Katia Franke, eine bekannte Radiomoderatorin bei WDR 4, hielt die Laudatio. Mit ihr begrüßten der Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Kurator Franz Kruse die Gäste. Im Anschluss lud Franke zum „Fragen stellen“ ein, was die Besucher laut Lieser rege annahmen.
Was schnell klar geworden sei: Mona Dias „pessimistische und schonungslos kritische Weltsicht“, die sie mit dem berühmten Fotografen teile. Lieser: „Bezeichnend, dass Mona Dia die Inspirationen zu den gezeigten 25 Ölgemälden gerade aus den kontrastreichen, manchmal dramatischen Schwarz-Weiß-Fotos des Kölners zieht.“ Dazu habe sie in erster Linie blasse Töne und Erdfarben genutzt. Für Lieser drücke dies eine gewisse „Ästhetik des scheinbar Unfertigen“ aus.

„Bemerkenswerte Künstlerin“
Körperteile werden nur angedeutet, Konturen nur gezeichnet, wie in einem der gezeigten Hauptwerke dem Bild „Junge in der Stadt“. „Die Einsamkeit, auch Reglosigkeit, die die Szenerie ausstrahlt, ist für Mona Dia die Vorlage für ihre Interpretation“, so Lieser und ergänzt: „Diese vielschichtige erzählende Kunst des Bildtheaters, die auch mal bloße Farbflecken neben Ausformuliertes stellt und Ebenen und Perspektiven mischt, ist typisch für den Stil Mona Dias. Hier wirkt der Junge wie ein Ausgestoßener.“

Beispiele wie dieses gibt es viele in der Ausstellung, beispielsweise das Gemälde „Frau mit Maske“, eine Neuinterpretation des Chargesheimer-Fotos eines traurigen Harlekins aus dem Kölner Karneval.
Stephan Lieser war spürbar bewegt und begeistert. So resümierte er: „Wer sich auf die Wahrheitssuchen Mona Dias einlässt, wird oft fündig werden, auch wenn es verstörende Weltsichten sind. Er entdeckt dabei eine bemerkenswerte Künstlerin.“
pp/Agentur ProfiPress