Tod den Holzwürmern!
Wie 2010 wird im Kommerner Freilichtmuseum wieder Thermotherapie gegen Schädlingsbefall in alten Fachwerkhäusern eingesetzt – „Mehrere 100.000 Eu Kosten“ in der zweiten Jahreshälfte – Neues altes Trafohäuschen aus Bürvenich und Wiedereröffnung des Mannesmann-Hauses für die Öffentlichkeit
Mechernich-Kommern – Wie bereits 2010, müssen auch im Jahre 2023 wieder vom Holzwurm befallene Gebäude im Rheinischen Freilichtmuseum Kommern mittels Überhitzungsmethode bekämpft werden. Das sagte der neue Museumsdirektor Dr. Carsten Vorwig in einer Art „Startbilanz“ seiner Amtszeit dem Redakteur Thorsten Wirtz von der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft.

Mindestens sieben historische Gebäude seien so stark befallen, dass sie vermutlich in der zweiten Jahreshälfte 2023 saniert werden müssen: „Es besteht zwar noch keine Gefahr für die Statik, aber wir müssen tätig werden, um Schlimmeres zu verhindern.“ Möglicherweise seien auch mehr als die sieben Gebäude befallen, räumte Vorwig ein, der bereits zu Zeiten seines Vorvorgängers Dr. Dieter Pesch als Bauwissenschaftler im Eifeler Freilichtmuseum auf dem Kommerner Kahlenbusch tätig war.
Was die Kosten betrifft, äußerte sich Vorwig in den Lokalteilen der Kölner Tageszeitungen ausgesprochen vage: „Wir sprechen von mehreren 100 000 Euro.“ Man habe bereits „Sondermittel“ beim Träger beantragt, dem Landschaftsverband Rheinland, der sich als Umlageverband seinerseits bei den Kreisen und kreisfreien Städten schadlos halten kann.

Eine Woche 60 Grad
„Bei der Holzwurmbekämpfung kommt die sogenannte Thermomethode zum Einsatz“, schreibt Thorsten Wirt und zitiert Dr. Vorwig mit den Worten: „Die Gebäude werden dann komplett in eine Folie eingepackt und auf 60 Grad erhitzt“. Das reiche, um die Schädlinge abzutöten. Nach den Erfahrungen von 2010 sei man sicher, dass die behandelten Gebäude vor einem raschen Neubefall geschützt sind.
„Wenn Käfer schwitzen könnten, würde es im LVR-Freilichtmuseum Kommern jetzt wohl von den Eichenbalken tropfen“, schrieb die Agentur ProfiPress 2010 bei der bislang letzten Thermobehandlung im Mechernicher Freilichtmuseum: „In der Scheune aus Langenscheid geht es dem Nagekäfer jetzt nämlich mit Wärme an den Chitin-Panzer. Der wegen der Fresstätigkeit der Larven auch »Holzwurm« genannte Käfer hatte sich nämlich in dem historischen Bau eingenistet und war stetig seiner zersetzenden Arbeit nachgekommen. Mit Hilfe der Thermobehandlung werden die Käfer ökologisch verträglich bekämpft und die Gebäude so vor dem Verfall geschützt.“

Und weiter: „In den vergangenen Tagen wurde das komplette Gebäude in eine spezielle Folie eingepackt. Sparsame Gasturbinen sorgen nun dafür, dass das Gebäude so lange erhitzt wird, bis die Kerntemperatur in den befallenen Balken 55 Grad Celsius erreicht Diese Temperatur wird dann für eine Stunde gehalten, danach ist »Ruhe im Gebälk« und die Käfer sind erledigt. Dr. Josef Mangold, Direktor des Kommerner Freilichtmuseums, hatte diese umweltfreundliche Methode der Schädlingsbekämpfung bereits in der Zeit kennengelernt, als er das Bergische Freilichtmuseum in Lindlar aufbaute.
„Wichtig ist es, das Gebäude langsam zu erwärmen, damit keine Risse in der Substanz entstehen”, erklärte Dr. Mangold damals dem Reporter des Mechernicher „Bürgerbriefs“: „Wenn die Balken auch im Inneren die notwendigen 55 Grad erreichen, ist die Raumtemperatur bereits auf etwa 75 Grad gestiegen. Die gesamte Behandlung dauert pro Gebäude etwa eine Woche.“

Trafohäuschen aus Bürvenich
2023 sollen auch neue Gebäude auf dem Kahlenbusch errichtet werden, zum Beispiel ein Bonner Zeitungsbüdchen und ein altes Trafohäuschen aus Bürvenich. Die Sternwarte, die im November in Hilden abgebaut worden war, wird derzeit mitsamt eines alten Teleskops restauriert. „Auch das eröffnet uns neue Möglichkeiten“, sagte Dr. Carsten Vorwig zu Thorsten Wirtz.
Denn neben den bäuerlichen Lebenswelten wolle man künftig auch die „ländliche bürgerliche Gesellschaft“, Textilproduzenten, Bergwerksbetreiber oder Hüttenbesitzer, die in quasi feudalen Schlössern oder Villen gelebt haben, stärker im Museum thematisieren. Das Mannesmann-Haus in der Baugruppe Bergisches Land solle deshalb künftig wieder für Besucher zugänglich gemacht werden.

Mit seinem Start als neuer Direktor des Kommerner Freilichtmuseums zeigt sich Dr. Carsten Vorwig im Interview mit der „Kölnischen Rundschau“ und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ zufrieden: Mehr als 200 000 Besucher seien 2022 im Museum gezählt worden – so viele wie in einem guten Jahr der Vor-Coronazeit und gut die Hälfte gegenüber der Startphase des Museums vor 60 Jahren. Allein rund 50 000 Gäste seien 2022 zum „Jahrmarkt anno dazumal“ gekommen, der nach zwei Jahren Pause wieder zum traditionellen Termin rund um Ostern stattfand.
pp/Agentur ProfiPress