Menschen, Tiere, Sensationen
Wieder ein Volksfest für die ganze Familie: „Lückerather Kinderkirmes“ zog wieder Tausende an – „Flitsch“ vom TÜV bedroht – TBRT ersetzt Schülerbigband und die „Waldlust“ – Fahndungsplakate angeschlagen, Spiele, Zielspucken, Jugendfeuerwehr und Eisenbahn
Mechernich-Lückerath – Auch bei der 42. Lückerather „Kinderkirmes“, die seit fast einem halben Jahrhundert jährlich Tausende anzieht, gab es Menschen, Tiere, Sensationen. Das heißt konkret: viele, viele Kinderspiele, ein tolles Bühnenprogramm, Floh- und Handwerkermarkt, Meisterschaft im Pflaumenkernspucken und auch die gute alte „Flitsch“-Eisenbahn stampfte durchs Dorf und beförderte große und kleine Kirmesgäste.

Für die Rheinische Redaktionsgemeinschaft, die in der Stadt Mechernich für „Kölnische Rundschau“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“ Lokalausgaben herausbringt, war der Reporter Stefan Lieser im Einsatz. Ihn wunderte weniger das Treiben auf dem Kirmesplatz zwischen Hoch-, Neu- und Schoßbachstraße. Ein neu nach Lückerath zugezogener Bildhauer hat es dem Reporter angetan – oder vielmehr die teils lebensgroßen völlig naturecht wirkenden Tierfiguren, die Wolfgang Herbst aus Glasfieber herstellt.

Ziele für Bogenschützen
Lieser wundert sich in seinem Bericht über die „Lückerather Kinderkirmes“: „Ein Dinosaurier, ein Rothirsch, ein Bär? Dieser »Zoo« aus täuschend echt wirkenden PE-Hartschaum-Figuren begrüßte die Besucher der 42. Kinderkirmes mit Volksfest in der Ortsmitte etwas überraschend. Wolfgang Herbst ist ihr Schöpfer, er baut diese Tiere zum Beispiel als »Ziele« für Bogenschützen.“

Weiterhin begleitete Stefan Lieser den zweieinhalbjährigen Julius Henderson und seine Eltern Jasmin und Quinn-Lee aus Mechernich über den Kirmesplatz. Während der Sohn von Mitgliedern der Lückerather Jugendfeuerwehr für das „Löschen“ der auf einer Pappwand aufgemalten Flammen aus einem Häuschen angeleitet wurde, erzählten die Eltern dem Zeitungsmann, dass Quinn-Lee Henderson aus Südafrika stammt, seine Familie aber später nach Mönchengladbach gezogen ist.

Ehefrau Jasmin Henderson hingegen kommt aus dem benachbarten Gemünd und war, wie sich herausstellte, bereits als Kind mit ihren Eltern auf der „Lückerather Kinderkirmes“ zu Besuch: „Was mir gefällt, ist das besondere Flair am Schoßbach, es wirkt alles so entspannt und nicht überlaufen.“

Es gab dieses Jahr ein „Bälle-Mikado“, „Entenangeln“, Filzen, Kinderschminken und ein dem mittelalterlichen Rittertjost nachempfundene „Kissenschlacht“ auf dem Turnierbalken. Karussell, Hüpfburg und Kindereisenbahn durften nicht fehlen.

Jonas, Tobias und ihre Mama Birgit Kurth aus Antweiler lobten das hundertköpfige Veranstalter-Team der Dorfgemeinschaft Lückerath: „Was hier für die Kinder angeboten wird, ist total schön! Und es geht wirklich nur um die Kinder – nicht um ein Festzelt mit ein paar Spielgeräten daneben.“

Rolf Meyer war erleichtert
Mitorganisator Rolf Meyer wirkte erleichtert: Aufgrund verschärfter Behördenauflagen wäre um ein Haar bei der 42. Auflage der Kinderkirmes mit Volksfest die „Flitsch“ nicht gefahren. Gemeint ist ein Gespann aus Güldner G-50-Traktor als Zugmaschine und einem bunt bemalten Planwagen. Passagiere dieser Kindereisenbahn durchs Dorf sind Kinder und Eltern auf der Fahrt rund um Lückerath im 15-Minuten-Takt.

„Zum Glück hat uns die Stadtverwaltung Mechernich noch am Freitag, also zwei Tage vor der Kinderkirmes, die neue Betriebsgenehmigung erteilt. Wir mussten mit der »Flitsch« wenige Tage vorher auch noch zum TÜV und auch der Versicherungsschutz ist da“, so Meyer.

Anderes musste hingegen kurzfristig gestrichen werden: Der Musikverein „Waldlust“ Glehn und die Big Band des Gymnasiums am Turmhof hatten ihre Auftritte absagen müssen. Dafür stand die Nachwuchsband „TBRT“ aus Kommern, Scheven und Katzvey auf der Konzertbühne der Kirmes. Mit seinen erst 14 Jahren ist Bassist Simon Märzke der Jüngste des Quintetts.

Und während Peter Jentgen vom Helferteam beim „Pflaumenkern-Zielspucken“ versuchte, es besser als der Ranglistenführende zu machen – einmal den Kern gespuckt, sofort die höchste Punktzahl erzielt – blieb die Frage offen, ob man diesen besonderen Wettbewerb beim „Guiness Buch der Rekorde“ anmelden will. Das hatten die Lückerather einst erfolgreich mit dem „Pflaumenkern-Weitspucken“ getan.

Bei dieser Konkurrenz sei irgendwann leider im wahrsten Sine des Wortes die Luft raus gewesen. Der Erlös des Tages ging übrigens an die Jüngsten im Dorf, genauer für die Anschaffung neuer Spielgeräte auf dem Lückerather Dorfspielplatz.
Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress