„Hundert Berufe, tausend Ideen“
Heinz Zöll (78), Gastronom, Landwirt und Metzger, aber auch Hotelier, Koch und ein umtriebiger Tüftler und Erfinder führt Reporter durch den „Eifeler Alpenhof“, den die Eltern nach dem Krieg von der legendären „Ziska“ Franziska Hufschmied übernahmen – „Arbeit muss man sehen, dann braucht man sie nicht zu suchen“ – Noch immer gibt es Fleisch und landwirtschaftliche Produkte
Kall-Wallenthaler Höhe – „Hundert Berufe und tausend Ideen“ ist die Devise von Heinz Zöll (78), dem Inhaber und Betreiber des „Eifeler Alpenhofes“ an der Bundesstraße 266 bei Wallenthal. Der gebürtige Wollseifener ist ein richtiger umtriebiger „Wibbelstetz“ und auch ein Tausendsassa: gelernter Metzger, Gastronom und Landwirt.

Eigentlich ist er auch noch Koch, Hotelier und Wildzüchter. Heinz Zöll: „Ein Beruf schließt den anderen mit ein.“ Das heraldisch ausgearbeitete Familienwappen zeigt den Pflug für die Landwirtschaft, Weinglas und gekreuzte Messer und Gabel für die Gastronomie, Schlachterbeile und Ochsenkopf für die Fleischerei und ein Hirschgeweih für die Wildtierhaltung.
Wild und Geflügel sowie landwirtschaftliche Produkte wie Nüsse und Eier gibt es nach telefonischer Anmeldung (02441/ 54 04). Die Gastronomie ruht zwar zurzeit und hat zur Abveräußerung der Restbestände nur mittwochs ab 18 Uhr geöffnet.

Aber 53 Jahre lang brummte es auf der Wallenthaler Höhe wirtschaftlich, als Heinz Zölls Frau Annelore, die gute Seele des Allroundbetriebs mit Land-, Vieh- und Wildwirtschaft, Gastronomie, Hotellerie und eigener Schlachtung noch lebte. Sie starb 2018.
Das Gasthaus am Wegekreuz zwischen Wallenthal und Scheven existierte vermutlich schon Jahrhunderte als Posthalterei, Schmiede und Verleih von Beispann-Pferden, ehe Heinz Zölls Eltern Fritz Zöll und Sibilla geb. Pleus 1946 nach dem Krieg aus Wollseifen vertrieben und auf der Wallenthaler Höhe ansässig wurden.

Der Bauernhof mit Schmiede und kleiner Schankstube („Das ist heute mein Wohnzimmer“) war bereits damals in der ganzen Nordeifel bekannt. Und zwar nicht etwa wegen eines besonderen gastronomischen Angebots, sondern wegen der Originalität der Wirtin Franziska Hufschmied. Die alleinerziehende Mutter einer Tochter und ihre Kneipe führten in der Kaller Gegend den gleichen Namen: „De Ziska“.
13 Morgen Acker, acht Kühe und eigene Schlachtung
Als Franziska Hufschmied 1947 starb, kauften Sibilla und Fritz Zöll den Betrieb von Ziskas Tochter und Ziskas Bruder Hermann, dem Schmied im Haus, der 1958 starb. Heinz Zöll musste schon zu der Zeit als Kind kräftig mit anpacken auf dem Feld, im Stall und auch in der Wirtschaft. Zur „Ziska“ gehörten damals 13 Morgen Ackerland, acht Kühe plus Jungvieh und Schweine. Eigene Schlachtung führte Heinz 1958 ein – mit dem Halten und Verarbeiten von Damwild begann er 1975.

Nach seiner Metzgerlehre und Gesellenjahren bei Jakob Brang („Brangs Köbes“) in der Mechernicher Bahnstraße stieg er Anfang der 60er Jahre vollends im elterlichen Betrieb mit ein. Nebenbei war Heinz Zöll ein gefragter zusätzlicher Metzger und Fleischverarbeiter in Euskirchener und Zülpicher Schlachthäusern und Wurstküchen.
Er erwarb sich außerdem im Nordeifel-Raum den Ruf eines „mobilen Schlachthofs“, wie Zöll heute scherzt: „Hausschlachtungen waren damals an der Tagesordnung. Nicht nur Bauern hielten und schlachteten Vieh. Wer immer Platz und Futter hatte, mästete ein, zwei Schweine im Jahr, die auch daheim zu Schinken, Speck und Würsten weiterverarbeitet wurden.“ Auch „Bitzen“ (Ziegen) seien damals noch reichlich gehalten, gemolken und schließlich geschlachtet worden. Über mangelnde Arbeit hatte sich der junge Fleischer jedenfalls nicht zu beklagen.

High-Tech Marke Eigenbau in alten Kellergewölben
Was die „tausend Ideen“ aus Heinz Zölls Lebens- und Arbeitsdevise angeht, so ist er ein großer Tüftler und Erfinder vor dem Herrn. In den Kellergewölben und Anbauten des „Eifeler Alpenhofs“ wimmelt es vor High-Technik Marke Eigenbau, die Heinz Zöll in der Schlachterei, in den Kühlräumen, im Bierkeller, seiner Werkstatt und in der Geflügel- und Wildtierhaltung des Hofes installiert hat.

Dazu gehören unter anderem Brutschränke und mit Rotlichtlampen gewärmte Kükenaufzucht-Bereiche, Temperatur- und Beleuchtungssteuerungen, die vollautomatisch funktionieren – bis hin zu einer automatischen Wasserspülsteuerung für die Gästetoiletten, die über das Ein- und Ausschalten der Deckenbeleuchtung gesteuert wird. Wer sich von Heinz Zöll durch den Betrieb führen lässt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Arbeiten haben bei ihm auch die Kinder Stefan (*1966) und Elke (*1968) gelernt. Und seine drei Enkel gehen Heinz Zöll bis auf den heutigen Tag – und wie es scheint gerne – in allen Bereichen des „Eifeler Alpenhofes“ zur Hand. „Arbeit muss man sehen, danach muss man nicht suchen“, ist ein weiterer Satz, der Heinz Zöll sein Arbeitsleben lang begleitet.

Und: „Tue Recht und scheue niemand“, ein Lebensmotto, das Heinz Zöll von seinem Lehrherrn Jakob Brang übernommen hat. Und im Angesicht seiner zahllosen handwerklichen Improvisationen verrät der Tausendsassa auch noch seine dritte Devise: „Der Bauer wirft nichts weg!“
Auch keine geleerten Gurken- und Gemüsegläser, die Heinz Zöll zur Aufnahme von Nägeln, Schrauben, Schräubchen, Federringen, Scheiben, Muttern, Dichtungen und aller nur denkbaren Kleinteile für Reparaturen und Erfindungen benutzt.

Elektrische Steuerungen und Gurkengläser als Kleinteillager
Das tun andere auch – aber vermutlich nicht auf so originelle Art und Weise: Der Tüftler von der Wallenthaler Höhe hat die Deckel der Behältnisse an die Decke der Werkstatt geschraubt. So kann er die Gläser mit einem Griff runterschrauben und die Kleinteile mit der anderen Hand entnehmen.

Sein Gasthaus hat der 78Jährige nach und nach an- und ausgebaut, Fliesen gelegt, Schmiede- und Holzarbeiten selbst bewerkstelligt, selbst die Elektroinstallation mit zentraler Schaltung und indirekter Beleuchtung ist sein Werk.
Phantasie und Improvisationsvermögen versetzten Annelore und Heinz Zöll ein halbes Jahrhundert lang in die Lage, den Multibetrieb alleine zu führen und zu betreiben. Die beiden arbeiteten Hand in Hand, eine ideale Kombination, auch in der Beziehung. „Wir waren in 53 Jahren Ehe nur 150 Tage getrennt von Tisch und Bett.“ Entsprechend hart traf ihn Annelores Erkrankung vor zwei Jahren . . .

Zum „Eifeler Alpenhof“ wurde ihre Gastronomie mit eigener Viehhaltung und Schlachtung und ehedem sechs Hotelzimmern übrigens wegen Zölls ausgeprägter Liebe zu Österreich. Heinz: „Das ganze Jahr über hatten wir geölffnet – nur 16 Tage Urlaub haben wir uns gegönnt, jeweils beginnend mit Rosenmontag.“ Ein Gemünder Hotelier, der Fleisch- und Wildkunde bei Zölls war, vermittelte gutbekannte Quartiersleute in Salzburg.
Ihre „Betriebsferien“ verbrachten die Eheleute Zöll beim Wintersport in den Alpen oder in Salzburg bei den Bekannten, die zu Freunden wurden. Unter anderem Hans Rettenegger, ein pensionierter Oberlokführer, der alpine Traditionsschnitzereien zu seinem Hobby erkoren hatte. Mit ihm gemeinsam verwandelte Heinz Zöll das Eifellokal auf der Wallenthaler Höhe vom Ex- und Interieur her zum „Eifeler Alpenhof“.

pp/Agentur ProfiPress





