Der Energie auf der Spur
Die Stadt Mechernich lässt ihre Gebäude von einem externen Ingenieurbüro auf Herz und Nieren prüfen, um Einsparpotenziale zu ermitteln – Bis 2025 sollen alle rund 100 Liegenschaften untersucht sein – Anschließend soll ein Leitfaden mit Priorisierungen für Sanierungsmaßnahmen erstellt werden
Mechernich-Kommern – In den 60er und 70er Jahren waren sie ein beliebtes Stilmittel in der Architektur. Ihr Dämmwert ist allerdings unterirdisch. Die Rede ist von Glasbausteinen. Da das Gebäude aus dem Jahr 1964 stammt, sind sie auch in der Kommerner Grundschule verbaut – genauer gesagt in der Fassade der Turnhalle. Doch das könnte sich auf absehbare Zeit ändern.

Denn die von der Stadt beauftragten Energieberater stellen fest: „Einen weiteren Schwachpunkt in der thermischen Hülle stellt die Außenwand der Turnhalle dar.“ Dort sei keine weitere Dämmung vorhanden und die vorhandenen Glasbausteine hätten einen sehr schlechten U-Wert. „Daher bietet es sich an, die Außenwand samt Glasbausteinen zu sanieren“, heißt es dort weiter.
Das ist nur eine Empfehlung aus dem 76-seitigen Bericht des beauftragten Ingenieurbüros. Und es ist auch nur ein Bericht von zahlreichen weiteren, die bis 2025 folgen sollen. „Wir organisieren seit September vergangenen Jahres die Erstellung von Energieberichten von rund 100 städtischen Gebäuden“, erläutert Christoph Breuer, der stellvertretende Teamleiter Gebäudemanagement, bei einem Ortstermin in der Kommerner Grundschule gemeinsam mit seinem Kollegen Andreas Kurth und Schulhausmeister Markus Kratz.

Kitas, Schulen, Gerätehäuser
Mechernich ist damit früh dran. „Wir wollten vor die Lage kommen“, sagt Christoph Breuer. Schließlich sind alle Kommunen ab 10.000 Einwohnern dazu verpflichtet, bis Ende 2027 eine kommunale Wärmeplanung aufzustellen. Ein ambitioniertes Ziel und die Mechernicher sind froh, sich schon jetzt die Dienste externer Energieberater gesichert zu haben. „Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro haben wir einen Fahrplan erarbeitet, wann welches Gebäude untersucht wird“, erläutert Andreas Kurth, der das Projekt mitbetreut. Die Kosten von rund 500.000 Euro werden dabei zu 80 Prozent vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gefördert.
Untersucht werden alle relevanten städtischen Gebäude. Dazu zählt natürlich das Rathaus, aber auch Kitas, Schulen, Feuerwehrgeräte- und Dorfgemeinschaftshäuser, Sportlerheime oder Flüchtlingsunterkünfte. Das Ziel ist es, am Ende der Bestandsaufnahme eine lange Liste mit Empfehlungen für energetische Sanierungen zu haben. Was ist sinnvoll? Was kostet eine Maßnahme? Wieviel CO2 lässt sich einsparen? Wie lange braucht es, bis sich eine Investition amortisiert?

Die Antworten können mitunter ganz unterschiedlich ausfallen. „Manche Maßnahmen rechnen sich, andere vielleicht nicht“, sagt Christoph Breuer. Es könne sein, dass sich eine Sanierung vielleicht finanziell nicht rentiert, aber durch den Umbau viel CO2 eingespart werden kann. „Dann wird die Politik entscheiden müssen, was gemacht werden soll“, so Breuer. Um die Entscheidungsfindung so einfach wie möglich zu gestalten, wird die Verwaltung einen praktischen Leitfaden anhand vorher festgelegter Kriterien erarbeiten und vorlegen. „Das wird sicherlich auch Teil der Arbeit des Klimaschutzmanagers werden“, sagt Christoph Breuer.
LED und Thermostatköpfe
Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, ist das Team des Gebäudemanagements natürlich nicht untätig. Immer, wenn schon jetzt Sanierungsmaßnahmen an städtischen Gebäuden anstehen, werden die energetischen Auswirkungen mitbetrachtet. „Die Energieberater nennen das Sowieso-Kosten, weil diese Maßnahmen sowieso erledigt müssen, etwa wenn ein Dach erneuert werden muss oder Fenster undicht sind und ausgetauscht werden müssen“, erläutert Andreas Kurth.

Auch kleinere Maßnahmen werden schon jetzt umgesetzt. In der Kommerner Grundschule tauscht Hausmeister Markus Kratz zum Beispiel nach und nach die Thermostatköpfe an den Heizkörpern aus, weil das echte Energiesparhelfer sein können. Zudem stellt Kratz die Beleuchtung nach Bedarf auf LED um. Wenn alte Röhrenlampen den Geist aufgeben, wird entweder mit Ersatzteilen aus bereits abmontierten Leuchten repariert oder, wenn sich das nicht mehr lohnt, der gesamte Klassenraum oder Flur auf energiesparende LED-Lampen umgerüstet.
pp/Agentur ProfiPress