Alle Wirtschaftswege werden erfasst
Stadt Mechernich will mit Wirtschaftswegekonzept das 860 Kilometer lange Wegenetz gesamtheitlich unter die Lupe nehmen, kategorisieren und bewerten – „Ge-Komm“-Allrad-Auto fährt die Strecken ab – Über ein Dialogportal auf www.wirtschaftswegekonzept.de können sich Bürger mit Kommentaren und Hinweisen ab Sommer einbringen
Mechernich – Wirtschaftswege sind für Landwirte, Forstbesitzer, Fahrradfahrer, Spaziergänger und Wanderer unverzichtbar. 860 Kilometer lang ist das Wegenetz im Mechernicher Stadtgebiet. Nun soll es gesamtheitlich unter die Lupe genommen und ein Wirtschaftswegekonzept erstellt werden.
Um alle wesentlichen Abschnitte und Zustandsdaten zu erfassen, wird die Ge-Komm GmbH, Gesellschaft für kommunale Infrastruktur aus dem Osnabrücker Land, alle Wege im Stadtgebiet in den kommenden Wochen lückenlos befahren. Die geländetauglichen Allradfahrzeuge sind mit Spezial-Kameraausrüstungen und systemoptimierten EDV-Hard- und Softwarelösung ausgestattet. Die zur Erstellung des Konzeptes notwendigen Geobasisdaten bekam die Kommune bereits vorab vom Kreis zur Verfügung gestellt.

Durch ein öffentliches Beteiligungsverfahren sollen örtliche Akteure eng in den Abstimmungsprozess eingebunden werden. Mit einem Bürgerdialogportal, das im Sommer unter www.wirtschaftswegekonzept.de starten soll, können Bürger Anmerkungen, wie Hinweise auf Schäden oder andere Kommentare direkt einbringen. Sie fließen dann in den Abwägungsprozess mit ein. „Die Landwirte und Anwohner kennen ihre Wegeabschnitte vor der eigenen Haustür am besten“, so Verwaltungsmitarbeiter Georg Lenzen.
Parallel werden regelmäßig Arbeitskreissitzungen stattfinden, in denen sich Teilnehmer aus diversen Bereichen einbringen können – darunter Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz, Tourismus, Wirtschaft, Verwaltung und Politik.
Breite Basis
Das Wirtschaftswegekonzept solle später eine breite Basis bieten, wie Mario Dittmann als zuständiger Fachbereichsleiter der Verwaltung erläutert: „Nicht nur das städtische Wegenetz fließt in die Betrachtung ein, sondern auch Forst- und Privatwege.“
Die Wege im Stadtgebiet wurden im Wesentlichen in den 1950er bis 1970er Jahren geplant und gebaut. Inzwischen habe sich die Nutzung aber erheblich geändert, so Thomas Hambach, Erster Beigeordneter der Stadt Mechernich. Wurden sie früher rein landwirtschaftlich genutzt, dienen sie heute immer mehr auch der Freizeitgestaltung und somit vielfach als Rad- und Spazierwege. Damit ändert sich auch der Anspruch: Löcher, über die Traktoren locker führen, könnten jedoch für Radfahrer zum Verhängnis werden.

„Für schwere Landmaschinen, wie sie heute im Einsatz sind, sind die meisten Wege seinerzeit gar nicht ausgelegt worden und kommen an ihre Grenzen“, so Hambach weiter. In manchen Regionen Nordrhein-Westfalens seien die Wegenetze zudem viel zu engmaschig aufgestellt. Auch das werde überprüft.
Hauptsächlich geht es bei dem Wirtschaftswegekataster aber darum, eine Datenbasis als eine Art Übersicht zu haben. Denn im Wegekataster werde Zahlen, Daten, Fakten, über notwendige Reparaturen, Umbauten oder Neubauten vermerkt und geplant. Die Wirtschaftswege werden dazu in Kategorien unterteilt – multifunktionale Wege bilden die höchste Stufe, direkt darunter die Hauptwirtschaftswege, am Ende rangieren selten genutzte Wege.
Voraussetzung für Fördergelder
Schließlich ist die Pflege und Erhaltung dieses umfangreichen Wegenetzes mit nicht unerheblichem und finanziellem Arbeitsaufwand verbunden. Lenzen dazu: „Mit einem erfolgreich aufgestellten Wirtschaftswegekonzept besteht aber die Chance, Förderungen des Landes für Ausbaumaßnahmen zu erhalten.“
Bundes- und Landstraßen werden bei der Betrachtung von Haus aus nicht mit einbezogen. Zu den Wirtschaftswegen gehören aber Zufahrten zu den 24 Siedlungen im Stadtgebiet, Wassergewinnungs- und Windkraftanlagen, Schutz- und Grillhütten, Friedhöfen oder auch Tennis- und Bolzplätzen ebenso wie überörtliche Radwegenetze wie zum Beispiel die Eifel-Höhe-Route.
pp/Agentur ProfiPress