Züchter kritisieren Tierschutz
Bei der Kreisschau für Rassekaninchen im Mühlenpark wurden noch nie so viele Langohren ausgestellt und bewertet – Aber es gab auch Kritik an neuen Richtlinien, die das ohnehin vom Aussterben bedrohte Hobby noch unattraktiver machen
Mechernich-Kommern – Entgegen des bereits seit vielen Jahren herrschenden Trends konnten sich die Mitglieder des Rassekaninchenzuchtvereins (RKZV) R 189 Mechernich-Kommern am Wochenende über einen Vereinsrekord freuen.
Noch nie zuvor waren derart viele Langohren zur Kreisschau mit angeschlossenen Clubschauen angetreten wie am Samstag und Sonntag. 40 Züchter waren mit insgesamt 330 Tieren, die 41 unterschiedlichen Rassen angehörten, in den Kommerner Mühlenpark gekommen, um sich dem kritischen Blick der Jury zu stellen.

Fellbeschaffenheit, Krallen und Körperform zählten zu den Kriterien, in denen die felligen Supermodels bewertet wurden. „Es ist schön, wenn die Pflege der Tiere und der damit verbundene Erhalt der Rassenvielfalt derart gewürdigt wird“, freute sich Manfred Kaulich, der am Wochenende besonders mit seinen „Blauen Holicern“ Erfolge feiern durfte.
Die ursprünglich in Tschechien beheimatete Rasse wurde erst vor drei Jahren vom Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzucht (ZDRK) anerkannt und strahlte auf den Züchter sofort eine große Faszination aus. „Die hellblaue Färbung ihres Fells ist wirklich einmalig“, so Kaulich.
„Sechs Quadratmeter für zwei Kaninchen“
Völlig konnte die hohe Beteiligung an der Kreisschau jedoch auch am Wochenende nicht über das stetig sinkende Interesse an der Rassekaninchenzucht hinwegtäuschen. Zu schwer wogen die Eindrücke der jüngsten Bestimmungen der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). „Erst vor zwei Wochen wurde die vorgeschriebene Stallgröße für zwei Kaninchen auf sechs Quadratmeter festgelegt“, erklärte der Vorsitzende Hubert Bürling.

Jedes weitere Tier würde eine Vergrößerung um 20 Prozent beanspruchen. Für den leidenschaftlichen Kaninchenzüchter eine utopische Forderung, der die Ausführung des ohnehin stark rückläufigen Hobbys unmöglich mache.
Zusätzlich solle jedem Kaninchen eine Rückzugsmöglichkeit geboten werden. „Wenn ich mir die Wildtiere in der Natur anschaue, stelle ich fest, dass sie sich nur zurückziehen, wenn Gefahr droht“, so Bürling weiter: „Unsere Tiere kommen uns entgegen, sobald sie uns sehen, die müssen sich nicht zurückziehen.“

Auch Manfred Kaulich hatte für die neuen Vorschriften nur ein Kopfschütteln übrig: „Das Wohl des Tieres steht an erster Stelle, das ist völlig richtig. Aber wir betreiben hier keine Massentierhaltung, wir erhalten Rassen, die ohne die Kaninchenzucht gar nicht existieren würden.“ Die Gesundheit und Pflege der Tiere liege immer auch im Interesse der Züchter.
Nicht zuletzt auch finanziell lägen die Hürden für die Kaninchenzucht immer höher, stimmte Preisrichter Daniel Bürling zu: „Auf diese Weise ist unser Hobby und der Arterhalt langfristig stark gefährdet.“
Cedric Arndt/pp/Agentur ProfiPress