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Überschwemmt, ausgebrannt und abgerissen

Ergreifender Termin mit den Eheleuten Simone und Simon Opladen, Töchterchen Zoe, Kommerns Ortsbürgermeister Rolf Jaeck, Bauunternehmer Manfred Glasmacher, Stadtdezernent Ralf Claßen und „Tafel“-Chef Wolfgang Weilerswist in der Kommerner Ackergasse

Mechernich-Kommern – Trauerund Hoffnung liegen im Leben selten so nah beieinander wie am ersten Montag des neuen Jahres in Kommern: Die junge Familie Simone und Simon Opladen (beide 32) mit Töchterchen Zoe mussten den Abriss ihres Fachwerkhäuschens in der Nähe des Kommerner Bleibachs mitansehen.

Es war am Mittwoch, 14. Juli, in den Fluten des zum reißenden Fluss gewordenen Bleibachs versunken. Was noch heil geblieben war, wurde am Nikolaustag, 6. Dezember, ein Raub der Flammen. Am Montag nun legten die Abrissbagger der Familie Glasmacher die Ruine vollends nieder.

Spendengutscheinübergabe auf dem Arenbergplatz mit (v.l.) Ralf Claßen, Simone, Simon und Zoe Opladen, Kommerns Ortsbürgermeister Rolf Jaeck und dem Mechernicher „Tafel“-Vorsitzenden Wolfgang Weilerswist. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Ein schwarzer Tag, aber auch ein Tag voller Hoffnung, wie die beiden Eheleute Simon und Simone den Reportern zu Protokoll gaben, die Ortsbürgermeister Rolf Jaeck an Ort und Stelle bestellt hatte, um den Abriss zu dokumentieren, aber auch die Neubaupläne der jungen Eheleute, Anfang 30, zur Kenntnis zu nehmen.

Und um wichtige Spendengeber zu treffen und die neuerliche Übergabe von Einkaufsgutscheinen über 1500 Euro durch Wolfgang Weilerswist von der Mechernicher Tafel für die 135 registrierten massiv Hochwassergeschädigten von Kommern. Insgesamt hatte Weilerswist von seinem „Tafel“-Kollegen und Dentallaborinhaber Peter Kappert (Lionsclub Essen-Stadtwald) 5000 Euro für Flutopfer in der Nordeifel erhalten.

180 Dankesbriefe zu Weihnachten

Stadtdezernent und Kämmerer Ralf Claßen war in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der gemeinnützigen Mechernich-Stiftung ebenfalls mit von der Partie. Die vor 16 Jahren von den Eheleuten Walter und Inge Eich aus der Taufe gehobene Bürgerstiftung für unverschuldet in Not geratene Bürger der Stadt hat bislang 350.000 Euro für Kommerner Flutopfer zugeschossen.

Der Kommerner Ortsbürgermeister Rolf Jaeck hat über Weihnachten und Neujahr 180 Spendenbriefe und Dankeschreiben für all diejenigen verfasst, die den Kommernern direkt bislang rund 90.000 Euro an zusätzlichen Geldmitteln zugedacht haben. Jaeck: „Die Hilfsbereitschaft der Menschen kennt noch kein Ende – erst Neujahr bekam ich von einer Essenerin 5000 Euro.“ Ralf Claßen: „Der Skattreff der Stadt Mechernich übergibt morgen weitere 1000 Euro.“

Und dennoch bleibt die Hilfsbedürftigkeit für Menschen wie Familie Opladen groß, die an materiellen Gütern nahezu alles verloren haben, was sie besaßen. Der aus Köln stammende Simon Opladen und seine Frau Simone aus Dahlem sind mit Töchterchen Zoe bei Verwandten in der südlichsten Kreisgemeinde untergekommen. Sie wollen aber dort – hochwassersicher – neu bauen, wo sie ihr Fachwerkhäuschen in der Kommerner Ackergasse 2019 gekauft und bezogen hatten…

Liebe Kollegin ertrunken

Den Abriss, der sonst sicher einige Zehntausend Euro zusätzlich verschlungen hätte, bewerkstelligen der Kommerner Bauunternehmer Manfred Glasmacher und seine Leute im Hand- und Spanndienst während des eigentlich noch laufenden Betriebsurlaubs.

Gartenlandschaftsbauer Manfred Glasmacher und seine Männer beim Abriss des ehemaligen Wohnhauses von Familie Opladen in der Kommerner Ackergasse. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Der Chef und seine „Männ“ sind besonders motiviert, zu helfen: Eines der 28 Todesopfer, die bei der Jahrhundertkatastrophe im Kreis Euskirchen zu beklagen waren, ist ihre überaus geschätzte Kollegin und Glasmachers Sekretärin Heike Schwier aus Schwerfen. Von den Glasmacher-Leuten war auf weitere Nachfragen nur ein wortkarges, aber herzliches „Selbstverständlich“ zu bekommen…

Heiligabend ist ein weiteres Haus in Kommern abgebrannt und hat eine Mutter mit drei Kindern obdachlos gemacht. An Weihnachten bescherte die Ortsgemeinschaft um Rolf Jaeck rund 50 Rentner, die sich sonst kaum etwas Besonderes zu den Feiertagen hätten leisten können. Alles in allem sei die Lage noch sehr bescheiden, sagt der Ortsbürgermeister: „Das neue Jahr kann eigentlich nur besser werden als es das alte war…“

Leonie Seifert/pp/Agentur ProfiPress