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Morgens die erste, abends die letzte

25 Jahre jung, Agrargeschäftsfrau und Nachhaltigkeitsexpertin: Ein Portrait von Kim Bieger, die mit ihren Eltern und Geschwistern die Krewelshöfe Eifel (Obergartzem) und Lohmar bewirtschaftet

Lohmar/Obergartzem/Enzen – Morgens ist sie die erste, die aufschließt und alles an seinen Platz bringt auf dem Krewelshof in Lohmar. Und abends die letzte, die noch nach dem Rechten sieht und die Lichter löscht.

„Private Termine kommen erst nach 20.30 Uhr“, sagt die junge Geschäftsfrau im Interview: „Meine Freunde wissen das und es ist okay für sie!“ Von ihrem Arbeitsplatz in Lohmar in die Kölner City ist es keine halbe Autostunde. Dort trifft sie sich mit anderen jungen Leuten, die im Karnevalsgeschehen der Domstadt mitmischen und aktiv sind.

Probieren geht über studieren, weiß Kim Bieger, die schon als Kind mit ihrem Vater auf dem Traktor durch die Obstbaumreihen und über die Erdbeerfelder fuhr, um das bäuerliche Leben und Wirtschaften kennenzulernen. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

So wie ihr Vater Theo Bieger von sich sagt „Im Herzen bin ich Bauer“, so sehr ist Kim Bieger (25) studierte Agrarökonomin mit Hang zur ökologischen Wirtschaftsweise. Vieles von dem, was sie auf dem elterlichen Bauernhof in Enzen und auf den Krewelshöfen in Lohmar und Obergartzem kennenlernte, fand im Studiengang International Food & Agribusiness in S’Hertogenbosch in den Niederlanden seine Bestätigung, so die 25-Jährige: „Es war immer klar, dass ich in den elterlichen Betrieb einsteigen würde, schon als Kind…“ Die Uni sei akademischer Feinschliff…

Freude an der Arbeit ist für Kim Bieger besser als „nur“ Pflichtbewusstsein – so wie hier, bei den kürzlich geborenen Zicklein im Ziegenstall. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Obst statt Zuckerrüben

Ihr Studium absolvierte Kim auf Englisch. Sie beherrscht die Weltsprache aus dem Effeff, wie ihre ältere Schwester Bibi auch, die Chefin der hundertköpfigen Ziegenherde und Käserei in Lohmar, und ihr jüngerer Bruder Max, der noch studiert, bereits der EDV-Experte des Unternehmens ist und demnächst ebenfalls ins Familienunternehmen einsteigen will. „Unsere gute Schulbildung haben wir Oma Maria zu verdanken“, von der Kim auch ihren zweiten Vornamen hat.

„Wir betreiben keine traditionelle konventionelle Landwirtschaft wie noch die Großeltern früher. Weizen, Zuckerrüben, Fleischvieh und Eierproduktion hatten in den 90er Jahren keine Zukunft mehr, als mein Vater den Hof in Enzen übernommen hat. Er hat vieles auf Sonderkulturen umgestellt, Kürbisse, Obst, vor allem Kirschen und Äpfel, Spargel, Erdbeeren, auch Weihnachtsbäume und natürlich Kartoffeln“, erzählt die junge Geschäftsfrau.

Kim Bieger hat International Food & Agribusiness in den Niederlanden studiert, bevor sie vollends in den elterlichen Betrieb der Krewelshöfe in Obergartzem und Lohmar einstieg. „Es geht um Nachhaltigkeit, aber auch die Vermarktung ist extrem wichtig“, weiß die Agrarökonomin. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Ihre Bewunderung für die Eltern ist groß. Der Vater habe viel Lehrgeld bezahlen müssen, aber letztlich mit seiner Linie der Direkt- und Ab-Hof-Vermarktung in Kombination mit Gastronomie und Erlebnisvermittlung Recht behalten. „Am liebsten wäre mir, wenn wir alles öko produzieren würden“, sagt die Unternehmerin, die ihre eigene Rolle im Krewelshof-Verbund Unternehmen bescheiden „Mädchen für alles“ nennt. Aber es dauere seine Zeit, bis alles umgestellt ist.

Sie kommt auf Bauer Theo

Kim kommt auf den Vater, ohne Zweifel. Und sie bewundert ihn. Theo Bieger habe „alles richtig gemacht“, angefangen damit, dass er Danielle Bieger, eine gebürtige Luxemburgerin, heiratete, die Mutter der drei Kinder und Seele und Marketingfrau des Unternehmens. „Ihr helfe ich ein wenig im Marketing“, sagt Kim im Interview.

Schon als „Pänz“ waren Kim Bieger und ihre Geschwister oft mit dem Vater auf dem Feld. Heute empfindet es Kim Bieger als Vertrauensbeweis und Auszeichnung, Verantwortung im elterlichen Betrieb übernehmen zu dürfen. Foto: Steffi Tucholke /pp/Agentur ProfiPress

Theo und Danielle Bieger kamen mit ihrem Ab-Hof-Verkauf in der so genannten „grünen Kiste“ an der Kommerner Straße vor den Toren der Kreisstadt Euskirchen in den 90er Jahren auf den Trichter, dass man als Landwirt extrem besser verdienen kann, wenn man seine Anbauprodukte ohne Zwischenhandel direkt dem Verbraucher andient.

„Auf diesem einfachen Prinzip beruht der Erfolg der Krewelshöfe Eifel und Lohmar bis heute“, so Kim Maria Bieger: „Es geht um Nachhaltigkeit, aber auch die Vermarktung ist extrem wichtig.“ Hinzu komme das Erlebnis Bauernhof mit Gastronomie und Einkaufsevent. Im Bachelor-Studium Agribusiness „fand ich wieder, was ich von zu Hause schon kannte“, so die 25-Jährige im Gespräch mit dem Redakteur Manfred Lang.

Kim Bieger in der Spielscheune auf dem Krewelshof in Lohmar. Morgens ist sie die erste, die aufschließt und alles an seinen Platz bringt – und abends die letzte, die noch nach dem Rechten sieht und die Lichter löscht. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Lernen fürs ganze Leben

Sie war viereinhalb, als die Eltern das Experiment „grüne Kiste“ starteten, und fünf, als Theo und Danielle Bieger den ersten Erlebnis-Krewelshof im Rechtsrheinischen aufmachten. Der Vater habe sie und ihre Geschwister schon als „Pänz“ immer wieder mit aufs Feld genommen, aber „immer darauf geachtet, dass das mit positiven Erlebnissen für uns verbunden war“, erinnert sich Kim Bieger.

Mit dem Traktor ging es durch die Kirsch- und Apfelbaumreihen oder über die Erdbeerfelder. Probieren ging dabei über Studieren: Naschen war keineswegs tabu, ganz im Gegenteil. Das weckte Lust und Freude am bäuerlichen Leben und Wirtschaften – möglicherweise fürs ganze Leben.

Freude an der Arbeit ist für Kim besser als „nur“ Pflichtbewusstsein, Verantwortung übernehmen zu dürfen auch Vertrauensbeweis und Auszeichnung. Die 25-Jährige macht nicht viel Aufhebens von sich und ihren Charakterzügen. Alles, was sie tut und anpackt, scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein. Immer die eigenen Verwandten im Blick, die ihre Vorbilder sind…

Im Gespräch zeigt Kim Bieger die Bewunderung für ihren Vater Theo: Nachdem die konventionelle Landwirtschaft mit Weizen, Zuckerrüben, Fleischvieh und Eierproduktion in den 90er Jahren nur wenig Zukunftschancen bot, stellte er auf seinem Hof vor allem auf Sonderkulturen wie Kürbisse, Spargel und Erdbeeren um. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Zunächst pendelte Vater Theo ein- oder zweimal am Tag zwischen dem Wirtschaftshof in Enzen und dem Krewelshof in Lohmar, dessen Land er mehr oder weniger zufällig erwarb und zum Erlebnis- und Einkaufsbauernhof ausbaute, erinnert sich Kim Bieger. Sonntags fuhr die ganze Großfamilie einschließlich Oma und Opa zum Essen in die Hofgastronomie im Bergischen, natürlich auch zum Streichelzoo mit Eseln, Ziegen, Meerschweinchen und Kaninchen und in die dortige Spielscheune.

Nachhaltig und regional

„Wir wollen in Zukunft versuchen, noch mehr Nachhaltigkeit zu erreichen, nicht nur bei den Produkten, sondern auch bei den Anbauverfahren“, so Kim Bieger. Dazu gehören auch mehrfach verwertbare, recyclefähige und biologisch abbaubare Spargelabdeckplanen und Erdbeer-Folientunnel, auf die man anbautechnisch in der klimatisch benachteiligten Voreifel nicht verzichten könne.

Regionalität ist Kim Bieger ebenfalls ein Herzensanliegen: „Wir verkaufen in unseren Hofläden auch die Produkte anderer Produzenten aus der Region.“ Sie möchte, dass sich touristisch interessante Locations in der Eifel wie im Bergischen unter Mitwirkung der Krewelshöfe vernetzen und gegenseitig zu noch mehr Bekanntheit verhelfen.

pp/Agentur ProfiPress