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Kapelle ist der Mittelpunkt

Sonderheft zum Stadtjubiläum 50 Jahre zweite Kommunale Neugliederung stellte den St.-Josef-Bauverein Gehn vor

Mechernich-Gehn – Wenn die Hälfte der Dorfbevölkerung Mitglied in einem Verein ist, dann sagt das viel über dessen Rolle aus. In dem 180 Einwohner zählenden Dörfchen Gehn, das zur Stadt Mechernich und irgendwie natürlich ganz besonders zu Kommern gehört, ist die Kapelle der unbestrittene Ortsmittelpunkt – und eigentlich noch viel mehr.

Bert Schallenberg ist Vorsitzender des Bauvereins St. Josef Gehn: „Die Kapelle ist der Mittelpunkt unseres Ortes!“ Foto: Michael Nielen/mn-Foto/WoSpie/pp/Agentur ProfiPress
Bert Schallenberg ist Vorsitzender des Bauvereins St. Josef Gehn: „Die Kapelle ist der Mittelpunkt unseres Ortes!“ Foto: Michael Nielen/mn-Foto/WoSpie/pp/Agentur ProfiPress

„Mit dieser Kapelle, die dem Heiligen Josef geweiht ist, identifizieren sich sehr viele Menschen im Dorf“, sagt Bert Schallenberg, der Vorsitzende des Kapellenvereins, in dem 90 Gehner Mitglieder sind und pro Jahr einen Beitrag von sieben Euro bezahlen. Mit diesen Einnahmen werden die laufenden Kosten für die Kapelle bestritten: Strom, Reinigung und kleinere Reparaturen.

Offiziell heißt man übrigens „St. Josefs Bauverein e.V. Gehn“ und ist immerhin genauso alt wie die Kapelle selbst. „Der Verein“, erzählt Bert Schallenberg, „wurde im Jahr 1900 gegründet, um die Kapelle überhaupt bauen zu können.“ Für ihn ist es bis heute immer wieder faszinierend, wieviel Energie, Willen und Aufopferung die Gehner in der damals gewiss sehr armen Zeit aufbrachten, um so ein „Gotteshaus“ in ihrer Mitte zu haben.

Die Kapelle St. Josef an der B 265 von Kommern in Richtung Schwerfen/Zülpich in der Außenansicht. Foto: Bert Schallenberg/pp/Agentur ProfiPress
Die Kapelle St. Josef an der B 265 von Kommern in Richtung Schwerfen/Zülpich in der Außenansicht. Foto: Bert Schallenberg/pp/Agentur ProfiPress

Viele Dinge in dem kleinen Kirchlein wurden gestiftet und erzählen ihre eigene Geschichte, wie etwa die Fenster, das alte Harmonium oder der Aufgang zur Empore aus dem Jahr 1940. Vielleicht ist die Verbundenheit vieler mit ihrer Kapelle ja in eben dieser besonderen Geschichte verwurzelt.

Bert Schallenberg nennt als Beispiel den Einsatz einiger Mitstreiter, die sich seit mehreren Jahrzehnten in ihrer Freizeit um die Gestaltung und Pflege der Kapelle kümmern – und das mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit.

„Nicht getauft, aber geheiratet“

Bert Schallenberg: „Hier wird die Glocke geläutet, wenn ein Dorfbewohner stirbt. Ich wurde hier nicht getauft, aber ich habe in der Kapelle geheiratet und meine beiden Kinder wurden hier getauft.“

Daher freute sich die Dorfgemeinschaft auch im vergangenen Jahr sehr darüber, dass es nach langer Pause wieder eine Taufe gab. Die sollen, wie auch Hochzeiten, künftig für die Gehner wieder in der Kapelle stattfinden können.

In den 80er Jahren ging das Gotteshaus als Stiftung an die Pfarre St. Severinus Kommern über, da der Bauverein die damals anstehenden Sanierungsarbeiten finanziell alleine nicht stemmen konnte. Heute findet einmal im Monat in der Kapelle ein Gottesdienst statt – immer am letzten Dienstag im Monat um 18.30 Uhr. Ebenfalls freut man sich darauf, 2023 wieder das Dorf- und Kapellenfest durchführen zu können, das alle zwei Jahre am dritten Wochenende in Juni stattfindet.

Michael Nielen/pp/Agentur ProfiPress