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Heilige Barbara vor dem Stollen

Kallmuth hat seine Skulpturen, Kunst und Infopunkte in einem ansprechenden Flyer verewigt – Das 350-Seelen-Eifel-Dorf hat einiges zu bieten

Mechernich-Kamuth – Für den Kenner von Heiligen-Attributen ist es sofort klar. Der dreistöckige Turm in der Hand einer anmutigen Frau weist auf eine Darstellung der heiligen Barbara hin. Die geschwärzten Schlägel und Eisen im Sockel der aus Lindenholz geschnitzten Figur weisen sie in diesem Fall als Patronin der Bergleute aus. Das Kunstwerk stammt aus den Händen von Johannes Trimborn. Der Autodidakt hat die Barbara für einen besonderen Platz in Kallmuth geschnitzt.

Hier kommt sie hin: Johannes Trimborn mit seiner handgeschnitzten heilige Barbara, die in einem ausgehöhlten Sandstein einen würdigen Platz finden soll. Die Wand im Hintergrund wird mit einem drei Mal drei großen Foto eines Stolleneingangs versehen. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

An der Lorbacher Straße, Ecke Quellenstraße wird sie eine Heimat finden. Die lebhaften Schilderungen von Ortsbürgermeister Robert Ohlerth lassen das vor dem geistigen Auge Realität werden, was aktuell noch ein Plan ist. Auf einer Fassade, die die Familie Vogelsberg zur Verfügung stellt, wird ein drei Mal drei Meter großes Bild installiert. „Es soll den Eingang zu einem Stollen zeigen“, erklärt Robert Ohlerth.

Das Wasser von Kallmuth ist gut: Robert Ohlerth an der Schwengelpumpe vor der Alten Schule. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Das Wasser von Kallmuth ist gut: Robert Ohlerth an der Schwengelpumpe vor der Alten Schule. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Einweihung zur Kirmes

Davor entsteht dann der kleine Schrein für die Barbara – aus einem Bruchstein-Sockel und einem Sandstein, den Ohlerths Mitstreiter Martin Stoffels bearbeitet und aushöhlt. Er hat bereits einen Beitrag zur Dorfverschönerung geleistet. Der Sandstein mit Wappen und Inschrift, der am Bürgerhaus steht, ist sein Gesellenstück, das er dem Dorf zur Verfügung gestellt hat. „Eine tolle Arbeit, wir freuen uns schon auf die nächste: Denn zur Kirmes am letzten Sonntag im September soll die heilige Barbara eingeweiht werden“, hofft Ohlerth. Überzeugt ist er davon, dass das Ensemble „ein weiterer, richtig schöner Blickfang im Ortseingangsbereich wird“.

Der erste Ritter von Kallmuth wird bereits 1285 urkundlich erwähnt. Grafiker Oliver Lehmann zeigt die Infotafel vor der Kallmuther Burg. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Der erste Ritter von Kallmuth wird bereits 1285 urkundlich erwähnt. Grafiker Oliver Lehmann zeigt die Infotafel vor der Kallmuther Burg. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Insgesamt 21 Sehenswürdigkeiten haben die Kallmuther inzwischen in einem ansprechenden Flyer zusammengefasst. Mit Robert Ohlerth als treibende Kraft, mit Oliver Lehmann als Grafiker und mit ganz viel Hilfe aus dem Ort zeigt Kallmuth, was dort alles zu sehen ist. „Unsere Orte haben oft mehr zu bieten, als wir denken. Das macht die Zusammenstellung in diesem Flyer mehr als deutlich“, sagte Mechernichs Beigeordneter Thomas Hambach bei der Übergabe der ersten Exemplare: „Sie bewahren mit ihrer Arbeit auch das Wissen über die Dorfgeschichte. Irgendwann stirbt so etwas aus, wenn es nicht irgendwo festgehalten wird.“

Denn Ohlerth und sein Team haben nicht nur den Flyer entworfen und realisiert. Sie haben im Dorf auch zahlreiche Spuren hinterlassen. Etwa mit ansprechend gestalteten Infotafeln. Eine steht vor der Alten Schule. Oder wie andere sagen würden, vor dem Polizeirevier Hengasch. Schließlich diente das Gebäude in der ersten Staffel von „Mord mit Aussicht“ als Heimat von Kommissarin Sophie Haas und ihrem Team.

Attraktive Infotafeln sind überall im Dorf zu finden. Dieses Exemplar informiert über die Schulgeschichte des Ortes. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Attraktive Infotafeln sind überall im Dorf zu finden. Dieses Exemplar informiert über die Schulgeschichte des Ortes. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Kunstwerke allerorten

Wer sich die Infotafel anschaut, erfährt, dass das Gebäude auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurückgeht, urkundlich ist bereits 1786 eine Schule in Kallmuth belegt. Interessant sind auch die Informationen auf den Tafeln zum ehemaligen Gasthaus oder zur Burg. Sie sind nicht nur mit informativen Texten versehen, sondern auch mit anschaulichen, historischen Bildern. „Ohne die Mithilfe der Menschen hier im Ort hätten wir das nicht geschafft“, versichert der Ortsbürgermeister, der selbst Bilder beigesteuert hat oder bei Franziska Voßemer fündig geworden ist. Texte zu den Infopunkten hat die Familie Kunath beigesteuert.

Kommissarin Sophie Haas und ihre Polizeikollegen Bärbel Schmied und Dietmar Schäffer grüßen an der Ortsausfahrt Richtung Vollen. Sie haben Kallmuth zu Hengasch und damit in ganz Deutschland bekannt gemacht haben. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Kommissarin Sophie Haas und ihre Polizeikollegen Bärbel Schmied und Dietmar Schäffer grüßen an der Ortsausfahrt Richtung Vollen. Sie haben Kallmuth zu Hengasch und damit in ganz Deutschland bekannt gemacht haben. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Von Redakteur Manni Lang hat sich Ohlerth Unterstützung für einen Begleittext im Flyer geholt. Der schreibt: „Dass das Dorf etwas ganz Besonderes unter den Dörfern der Eifel ist, erkennt man schon an den Ortseingängen. Egal von wo man kommt, überall stehen Kunstwerke.“ In der Tat: Am Schevener Weg steht eine Lore von Künstler Franz Kruse als rostende Erinnerung an die Bergbauvergangenheit am Bleiberg. Sein Entwurf der Burg, gefertigt von der Hosteler Spezialmetallbauwerkstatt Müller, steht am Dotteler Weg. Aus der Metallbauwerkstatt kommt auch die Skulptur „Trösterin der Entrechteten und Geknechteten“ nach einem Entwurf von Anna von Laufenberg. Das Kunstwerk steht am Ortseingang am Alten Friedhof.

Hengasch und Georgsritt

Wer von Lorbach anreist, wird von einem Wagenrad begrüßt, das den Blick auf Land- und Forstwirtschaft lenken soll. In Richtung Vollem schließlich grüßen Kommissarin Sophie Haas und ihre Polizeikollegen Bärbel Schmied und Dietmar Schäffer, die Kallmuth zu Hengasch und damit in ganz Deutschland bekannt gemacht haben.

Eine Lore als rostende Erinnerung an die Bergbauvergangenheit am Bleiberg. Das Kunstwerk von Franz Kruse steht am Schevener Weg. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Natürlich fehlt im Ort auch nicht ein Hinweis auf das Ereignis, das am 1. Mai ganze Heerscharen von Teilnehmern und Pilgern nach Kallmuth lockt. Aus Richtung Kall kommend wird mit dem heiligen Georg auf den St. Georgsritt, einer bekannten Reiterprozession, hingewiesen. Mit der Georgsstele an der Quellenstraße oder einem Graffiti an der Trafostation gibt es weitere Verweise auf dieses Großereignis im Jahreskalender der Kallmuther.

Die ersten Exemplare des Flyers haben Grafiker Oliver Lehmann (l.) und Ortsbürgermeister Robert Ohlerth (r.) an Mechernichs Ersten Beigeordneten Thomas Hambach übergeben. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Die ersten Exemplare des Flyers haben Grafiker Oliver Lehmann (l.) und Ortsbürgermeister Robert Ohlerth (r.) an Mechernichs Ersten Beigeordneten Thomas Hambach übergeben. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Anträge schreiben und schnitzen

Aber wie wird das alles finanziert? Robert Ohlerth ist nicht nur ein erfahrener Netzwerker, sondern weiß auch um die Möglichkeit, Förderprogramme zu nutzen. Besonders dankbar ist er für den Heimat-Scheck, den das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen aufgelegt hat. Damit konnten einige Projekte im Ort umgesetzt werden.

Die spätere Form ist bereits erkennbar, aber bis zur Fertigstellung des Schreins braucht es noch einige Hammerschläge von Steinmetz Martin Stoffels. Foto: Martin Stoffels/pp/Agentur ProfiPress
Die spätere Form ist bereits erkennbar, aber bis zur Fertigstellung des Schreins braucht es noch einige Hammerschläge von Steinmetz Martin Stoffels. Foto: Martin Stoffels/pp/Agentur ProfiPress

Hilfe bei der Antragstellung erhält er von Johannes Trimborn. Der Beamte wählt dabei die richtigen Worte und fungiert als Lotse im Behördendschungel. „Wenn die Anträge geschrieben sind und ich meine Schreibtischarbeit als Beamter erledigt habe, brauche ich einen Ausgleich. Dann arbeite ich mit Holz und schnitze“, erklärt Trimborn. Eine optimale Symbiose, die dazu führt, dass künftig eine handgeschnitzte heilige Barbara vor einem Stolleneingang zu einer weiteren Sehenswürdigkeit in Kallmuth wird.

pp/Agentur ProfiPress