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„Es braucht Technologie und Firmen“

Wasserstoff als Energieträger: Landrat Markus Ramers und Iris Poth (Struktur- und Wirtschaftsförderung Kreis Euskirchen) zu Besuch bei Jopp Plastics Technology in Obergartzem – Kreis Euskirchen will sich als Standort für die Nutzung von Wasserstoff etablieren

Mechernich-Obergartzem – „Der Kohleausstieg in Deutschland ist beschlossene Sache und daher braucht es jetzt Alternativen und neue Geschäftsideen“, sagte Iris Poth, Leiterin der Stabsstelle für Struktur- und Wirtschaftsförderung des Kreises Euskirchen, bei ihrem Besuch der Firma Jopp Plastics Technology in Obergartzem. Landrat Markus Ramers, ebenfalls zu Besuch am Obergartzemer Standort des weltweit tätigen Systemlieferanten der Automobilindustrie, betonte, man wolle das volle Potential der Region nutzen: „In Berlin und Düsseldorf können die tollsten Ziele zum Thema CO2-Neutralität beschlossen werden, doch es braucht Technologie und Firmen, um diese Ziele zu erfüllen. Hier und heute wollen wir einen weiteren Schritt gehen, um unseren Beitrag dazu zu leisten.“

Landrat Markus Ramers (rechts) ließ sich beim Besuch der Firma Jopp Plastics Technology am Standort Obergartzem von Schichtleiter Stefan Wiskirchen den Umgang mit einer neuen Fertigungsmaschine erklären. Foto: Cedric Arndt/pp/Agentur ProfiPress

Obwohl das Entwicklungsstadium von Wasserstoff als Energieträger noch am Anfang stehe, sei er schon jetzt für die geplante Energiewende unumgänglich, erklärte Iris Poth. Aus diesem Grund wolle sich der Kreis Euskirchen als Standort für die Nutzung von Wasserstoff etablieren. Projekte wie die Umstellung ganzer Busflotten der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) auf Wasserstoffbetrieb hätten bereits große Erfolge gebracht, doch man wolle sich auch auf weitere Bereiche konzentrieren.

Alternative Antriebstechnologien

Weltweit ist die Firma Jopp Plastics Technology an zwölf Standorten in acht Ländern als Systemlieferant der Automobilindustrie tätig. Rund zehn Prozent der insgesamt 2.000 Mitarbeiter seien dabei in der Forschung aktiv, wie Kai Langheld, Leiter der Produktionsentwicklung, berichtete. „Wir haben uns schon früh mit dem Bereich der alternativen Antriebstechnologie beschäftigt. Unsere Produkte sind sowohl für die Gewinnung als auch die Anwendung von Wasserstoff einsetzbar.“ Auch am Standort Obergartzem beschäftige das Unternehmen einen Mitarbeiter, der sich ausschließlich mit diesem Thema befasse.

Bei der Elektromobilität sei man mit einer Öleinspritzung zur Kühlung der Batterie sogar schon einen Schritt weiter. „Zudem pflegen wir gute Kontakte zu Hochschulen in Aachen und dem Rhein-Sieg Kreis, um diese Arbeiten weiter voranzubringen“. so Kai Langheld, der die Rolle von Wasserstoff auch als Speichermedium besonders hoch einschätzt. „Während wir tagsüber direkt auf die Versorgung durch beispielsweise Sonnenenergie zurückgreifen können, ließen sich nachts die Wasserstoffspeicher nutzen.“

Netzwerk in der Region

Die Innovationen und zukunftsweisenden Möglichkeiten hat auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erkannt. Aus diesem Grund wurde die Initiative „Hydrogen-Hub“ der Industrie und Handelskammer Aachen, deren Bezirk auch den Kreis Euskirchen umfasst, im vergangenen Monat mit einer Förderung in Höhe von 400.000 Euro unterstützt. „Diese Förderung gilt es jetzt zu nutzen, um eine Gesamtstruktur zu entwickeln“, erklärte Landrat Markus Ramers.

Dazu solle ein Netzwerk vieler Firmen und Hochschulen entstehen, um alle Möglichkeiten der Region ausschöpfen zu können. „Durch Projekte wie die Wasserstoff-Busflotte möchten wir eine Marke setzen und allen lokalen Akteuren eine Plattform bieten, sich einzubringen.“ Von der Nutzung in der Landwirtschaft bis hin zu der Stromversorgung ganzer neuer Wohnviertel biete der Kreis ein großes Potential, das es zu nutzen gelte.

pp/Agentur ProfiPress