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Dat jode ahle Commere

Heinz-Willi Poensgen möchte die Geschichte seines Geburtsortes lebendig halten – Der Sammler veröffentlicht seine Bilder in zwei Facebook-Gruppen

Mechernich/Kommern – Heinz-Willi Poensgen öffnet seinen Facebook-Account und scrollt mit der Computermaus durch eine Vielzahl von Bildern. Bei einer alten Ansicht des Kommerner Klosters hält er an. Er vergrößert das Bild und zeigt auf das Fenster unten rechts. „Hier bin ich geboren. Wenn man heute in der Eisdiele sitzt, schaut man auf der gegenüberliegenden Seite direkt in mein Geburtszimmer“, so der 73-Jährige lächelnd. Diese kleine Szene steht für das, was Heinz-Willi Poensgen seit über zehn Jahren zu seiner Aufgabe gemacht hat: Er möchte die Geschichte seines Geburtsortes Kommern lebendig halten.

An seinem Schreibtisch und in seinem Element: Heinz Willi Poensgen blättert in einem Ordner mit Unterlagen über Kommern. Im Hintergrund ist eine seiner Facebook-Gruppen auf dem Bildschirm zu sehen.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
An seinem Schreibtisch und in seinem Element: Heinz Willi Poensgen blättert in einem Ordner mit Unterlagen über Kommern. Im Hintergrund ist eine seiner Facebook-Gruppen auf dem Bildschirm zu sehen.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Dafür hat er unter den Namen „Historisches Commern“ und „Dat jode ahle Commere“ zwei private Facebook-Gruppen ins Leben gerufen, die er mit Geschichte und Geschichten füllt. „Sie sollen ein Nachschlagewerk über unseren historischen Ort sein“, schreibt er selbst. Das Material dafür sammelt Heinz-Willi Poensgen überall zusammen. Im Internet wird er genauso fündig wie beim Trödler. So ist er an eine seiner jüngsten Errungenschaften geraten. An ein Bild von 1934, das Kommern mit Burg, Kirche, Kloster und Burghof zeigt. Aufgenommen wurde es etwa an der Stelle, wo der alte Schützenplatz war – damals war dort noch alles unbebaut.

Eines seiner jüngsten Errungenschaften ist eine Fotografie von 1934, auf der Kommern mit Burg, Kirche, Kloster und Burghof zu sehen ist.  Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress
Eines seiner jüngsten Errungenschaften ist eine Fotografie von 1934, auf der Kommern mit Burg, Kirche, Kloster und Burghof zu sehen ist.  Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress

Einst 17 Gaststätten in Kommern

Es ist dieser Wandel, der ihn auch fasziniert. Daher hält er aktuelle Ansichten Kommerns in Bild und Text fest. So ist zum Beispiel interessant zu sehen, wie der Bleibach eingemauert wurde. Einst konnte er sich frei bewegen in seinem Bett und statt Brücken gab es Stege für Fußgänger und eine Furt für Fuhrwerke.

Jungfernfahrt der der Kraftpostlinie „Euskirchen-Commern“. Am 11. Mai 1925 steht viel Prominenz vor der Gaststätte „Zur Post“ (Neuß-Kerp). Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress
Jungfernfahrt der der Kraftpostlinie „Euskirchen-Commern“. Am 11. Mai 1925 steht viel Prominenz vor der Gaststätte „Zur Post“ (Neuß-Kerp). Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress

Die fuhren einst zahlreich durch den Ort, der zu Zeiten des Bergbaus über eine Mautstelle mit Schlagbaum verfügte. „Damals hatte Kommern 17 Gaststätten“, weiß Heinz-Willi Poensgen, der sich durch sein Hobby einiges an historischem Wissen angeeignet hat. An den Gaststätten konnten Pferde gewechselt werden, zudem gab es viele Schmieden und Stellmacher für Reparaturen an den Wagen. „Für einen kleinen Ort war in Kommern ganz schön was los“, sagt Poensgen, der nicht nur Feuerwehrchef dort war, sondern auch 26 Jahre lang im Kreis als Notarztfahrer unterwegs war.

Karren bestimmten zur Bergbauzeit das Ortsbild von Kommern. Es gab 17 Gaststätten mit der Möglichkeit Pferde zu wechseln sowie zahlreiche Schmiede und Stellmacher. Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress
Karren bestimmten zur Bergbauzeit das Ortsbild von Kommern. Es gab 17 Gaststätten mit der Möglichkeit Pferde zu wechseln sowie zahlreiche Schmiede und Stellmacher. Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress

Jungfernfahrt der Kraftpostlinie

Viel auf Achse war auch Kraftfahrt-Veteran Hubert Birkenfeld aus Kommern. Der fuhr jahrzehntelang auf der Kraftpostlinie „Euskirchen-Commern“. Heinz-Willi Poensgen hat dazu ein Bild in seinen Beständen, das die Jungfernfahrt am 11. Mai 1925 mit viel Prominenz vor der Gaststätte „Zur Post“ (Neuß-Kerp) zeigt. Es sind solche und andere Zeitzeugnisse, die der 73-Jährige leidenschaftlich gerne sammelt. Dazu verbringt er auch Nachmittage bei älteren Kommernern und Kommernerinnen. Bei Kaffee und Kuchen werden Geschichten dokumentiert und Fotoalben durchstöbert.

Keine Brücke in der Pützgasse, sondern eine Furt führte durch den Bleibach. Für Fußgänger gab es linker Hand einen Holzsteg. Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress
Keine Brücke in der Pützgasse, sondern eine Furt führte durch den Bleibach. Für Fußgänger gab es linker Hand einen Holzsteg. Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress

Stöbern durfte Heinz-Willi Poensgen auch in der alten Steinbach-Mühle in der Gielsgasse. Kaum einer wisse, dass im Ort noch zwei Mühlen erhalten seien. „In der Steinbach-Mühle sah es so aus, als hätte der Müller gerade erst abgeschlossen“, sagt Poensgen, der mit seiner Kamera dort alles dokumentiert hat. Zudem hat er mittels alter Bilder rekonstruiert wie das Wasser aus dem Bleibach über ein Wehr zum Mühlrad geführt wurde.

Luftaufnahme des Kommerner Klosters. Für Heinz Willi Poensgen eine durchaus persönliche Erinnerung, weil er dort 1949 das Licht der Welt erblickte. Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress
Luftaufnahme des Kommerner Klosters. Für Heinz Willi Poensgen eine durchaus persönliche Erinnerung, weil er dort 1949 das Licht der Welt erblickte. Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress

Wenn er von diesen Geschichten und Recherchen erzählt, merkt man richtig, wie sehr er in seinem Element ist. Während er an seinem Schreibtisch sitzt und einige Ordner durchstöbert sagt er etwas gedankenverloren: „Da steckt richtig viel Herzblut drin.“

Als wäre der Müller noch nicht allzu lange fort. Heinz Willi Poensgen durfte in der Steinbach-Mühle stöbern und fotografieren.  Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress
Als wäre der Müller noch nicht allzu lange fort. Heinz Willi Poensgen durfte in der Steinbach-Mühle stöbern und fotografieren.  Foto: Archiv Poensgen/pp/Agentur ProfiPress

Wer an den Sammlungen von Heinz-Willi Poensgen interessiert ist oder Geschichten und Geschichtliches aus Kommern beisteuern möchte, kann ihn gerne über Facebook kontaktieren, wo er als Heinz Willi zu finden ist (Sein Titelbild ist ein Notarztwagen). Die privaten Gruppen, zu denen er Interessierte gerne einlädt, heißen „Historisches Commern“ und „Dat jode ahle Commere“.

pp/Agentur ProfiPress