Weniger Isolation, mehr Gesundheit

Projekt „Gesunde Quartiere“ soll Menschen in benachteiligten Stadtquartieren helfen – Mechernicher Heideweg und Roggendorfer Landstraße wurden als geeignete Standorte ausgewählt – Gemeinschaftsprojekt vom Kreis Euskirchen mit Jugend- und Gesundheitsamt in Kooperation mit der Stadt Mechernich – Angebote wie Frühstück, Sport und Spiel

Mechernich – Die heute noch gelb-grün-schimmernden Kacheln im Bad könnten von guten Zeiten des Häuserblocks am Heideweg stammen, als diese noch zur gefragten Wohnanlage für Offiziere gehörte. In den 1970ern von der „BIMA“ für die Bundeswehr gebaut, hat sich das im Mechernicher Volksmund als „Papageiensiedlung“ bekannte Areal über die Jahrzehnte, auch infolge zahlreicher Besitzerwechsel und immer niedrigeren Mietkonditionen, zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt.

Nun will man mit dem Projekt „Gesunde Quartiere“ solchen benachteiligten Stadtquartieren helfen und für ein nachhaltig gesundes Leben schaffen. Finanziert wird das gemeinschaftliche Projekt aus Mitteln der Gesetzlichen Krankenversicherungen. Mit im Boot als Kooperationspartner sind der Kreis Euskirchen mit Jugend- und Gesundheitsamt und die Stadt Mechernich.

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Holger Schmitz, als zuständiger Fachbereichsleiter, sowie vom Kreis Euskirchen Landrat Markus Ramers, Birgit Wonneberger-Wrede, Martina Hilger-Mommer, Dr. Silja Wortberg und Christian Ramolla als auch die sozialpädagogische Fachkraft für das Projekt, Simone Schür, stellten die Details vor.

Neue Wege

Mit „Gesunde Quartiere“ will man neue Wege beschreiten, erklärte Birgit Wonneberger-Wrede: „Die Gesundheit wird jetzt zu den Menschen in die Quartiere vor Ort gebracht.“

Untersuchungen und Studien hätten ergeben, dass Lebenserwartung und Lebensqualität sich nicht nur nach Alter oder Region unterscheidet, sondern auch nach sozialem Status, Einkommen, Lebens- und Wohnumfeld und außerdem abhängig ist, von einer ausgewogenen Ernährung, körperlichen Aktivität und auch Freundschaften und dem sozialen Zusammenhalt.

„Letztlich geht es hier auch um seelische Gesundheit“, betont Martina Hilger-Mommer. Nur der Zugang müsse zunächst gelingen. „Niedrigschwellig und mittendrin“, so Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick müssten deshalb auch die Angebote sein.

Neben der Anlaufstelle und Begegnungsstätte am Heideweg hat man deshalb parallel ein zweites Stadtteilbüro eingerichtet und zwar im ehemaligen Pfarrhaus der evangelischen Kirche, an der Roggendorfer Landstraße gelegen, unweit des integrativen AWO-Kindergartens.

Offene Türen

An beiden Standorten stehen die Türen offen für gemeinsames Frühstück am Morgen oder Kochen am Mittag, diverse Sport-Angebote und Kinder-Spielenachmittage. Dabei vermittle man auch Basiskompetenzen, so Simone Schür. Die Menschen müssten teilweise erst verstehen, „dass man sich auch etwas Gutes tun kann“ und wie gut es sich anfühlt, „raus aus der Isolation“ kommen. Aber auch neue Ideen – wie ein Hochbeet gemeinsam bestücken und pflegen – dürfen in den Häusern geboren und weiterentwickelt werden. Für Basketball von und mit Jugendlichen wird aktuell zum Beispiel noch ein Trainer gesucht.

Zum Start habe man vor allem Gespräche geführt nach dem Motto: „Was braucht Ihr?“ Diese Frage habe die sozial-benachteiligten „völlig überrascht“, berichtet Schür, weil mal jemand überhaupt nach ihren Bedürfnissen gefragt habe. „Das hat schon sehr viel gebracht und ist richtig gut angekommen!“

Insgesamt auf drei Jahre ist das Projekt angelegt. Doch schon jetzt signalisieren die Verantwortlichen, dass sie auf „Verlängerung“ hoffen. „Das Schöne ist, dass man präventiv arbeiten kann“, so Landrat Markus Ramers. Die Räume seien gut dafür geeignet, so die Verantwortlichen, da Küche, Büroräume, Toiletten und weitere Zimmer der Wohnung genutzt werden können.

pp/Agentur ProfiPress