80 Prozent Beteiligung, 40 Prozent Briefwähler

Detlef Seif (Weilerswist) gewinnt die Bundestagswahl in Mechernich trotz starker Verluste – Markus Herbrand schlägt sich besser als die FDP – Nur in wenigen Stadtteilen zweistellige AfD-Ergebnisse – „Die Linke“ schrumpft um die Hälfte zur Bedeutungslosigkeit in Mechernich – Grüne „verdoppeln“ sich, Hochburgen in Kommern-Süd/Katzvey, Eicks und Lorbach

Mechernich – Anders als im Bund hat die CDU in der Stadt Mechernich die Bundestagswahl gewonnen. Allerdings auch hier mit herben Verlusten. Der wiederum direkt gewählte CDU-Kandidat Detlef Seif aus Weilerswist büßte bei den Erststimmen wie im ganzen Wahlbezirk fast acht Prozent ein und kam auf einen Stimmenanteil von 36,3, die Union verlor hingegen „nur“ 5,3 Prozent.

Gleichzeitig legte die SPD am Bleiberg um 3,1 Prozent zu und kam auf 27,1 % Zweitstimmen, noch etwas besser als das Ergebnis im Bund. FDP-Kandidat Markus Herbrand legte in den 44 zur Stadt Mechernich gehörenden Orten und Dörfern einen Prozentpunkt zu, während die Liberalen insgesamt knapp 2,5 Prozent verloren.

Mit zwei Prozent weniger musste sich die AfD begnügen – holte allerdings in Roggendorf/Weißenbrunnen und Bergheim über 17 Prozent und in Satzvey 14,5 Prozent. Die Grünen kamen am Mechernicher Bleiberg auf 12,3 Prozent – und damit einen fast doppelt so hohen Stimmenanteil wie bei den bislang jüngsten Bundestagswahlen 2017. Hochburgen waren Eicks (19,14 %), Lorbach (19,38) und Kommern-Süd/Katzvey/Kommern (21,7 %), wo Natalie Konias Ortsbürgermeisterin ist.

17.247 abgegebene Stimmen

Die Linke halbierte ihren bisherigen Stimmenanteil auf unter drei Prozent. Die Tierschutzpartei kam auf 1,5 Prozent, die Freien Wähler spielten in Berg, Floisdorf und Eicks mit um die 1,5 Prozent eine gewisse, aber untergeordnete Rolle. Die Wahlbeteiligung lag bei 78 Prozent, 99,13 Prozent der 17.247 abgegebenen Stimmen waren gültig.

„80 Prozent Wahlbeteiligung, 40 Prozent Briefwähler“ lautete schon frühzeitig die Einschätzung des stellvertretenden Verwaltungschefs Thomas Hambach. In den übers ganze Stadtgebiet verstreuten Wahllokalen, bei den Briefwahlvorständen im Gymnasium am Turmhof und im Mechernicher Rathaus lief die von Manuela Holtmeier und Georg Leyendecker organisierte Wahlkampfmaschinerie generalstabsmäßig ab.

Schon eine Viertelstunde nach Schließung der Wahllokale um 18.15 Uhr nahm der Schnelldienst mit Ewa Bochynek, Katja Bartsch, Birgit Bach, Sandra Schmitz und Margit Böttcher die ersten Zahlen entgegen: 53,33 Prozent für Seif hieß es da, 18,83 Prozent für Dagmar Andres (SPD) – diese Zahlen würden sich im Laufe des Abends noch erheblich nach unten (Seif)= bzw. oben (Andres) korrigieren.

Kompromissbereitschaft oder Neuwahl

Noch vor 19 Uhr brachte Oswin Heinemann Urne und Stimmzettel sowie alle Wahlunterlagen aus Berg ins Mechernicher Rathaus, wo die Sachen von David Esch, Volker Löbel und Rathausmeister Rainer Schulz entgegengenommen wurden. Platz 2 hinter Berg belegte der Wahlvorstand von Roggendorf, danach knubbelte es sich im Foyer des Rathauses vor eintreffenden Wahlutensilien von den Dörfern.

Im Ratssaal hielten Erster Beigeordneter Thomas Hambach und Dezernent Ralf Claßen derweil die Stellung. Eine „Wahlparty“ wie bei den Kommunalwahlen gibt es bei Bundestagswahlen nicht. Aber Hambach und Claßen hatten jeweils die aktuellsten Ergebnisse auf der großen Leinwand parat – abwechselnd zwischen Bund, Wahlkreis und Stadtgebiet Mechernich.

Zu kommentieren gab es nicht viel an diesem Wahlabend, der weitgehend ergebnisoffen blieb, auch nicht für den später eintreffenden Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und wenige Ratsvertreter sowie den Fraktionsvorsitzenden Peter Kronenberg.

Dr. Schick freute sich über eine insgesamt zu verzeichnende Stärkung des politischen demokratischen Spektrums, während die Extreme rechts und vor allem links im Parlament deutlich geschwächt worden seien.

Dem „Mechernicher Bürgerbrief“ sagte der erste Bürger: „Nach der SPD hat jetzt auch die CDU ihren Charakter als Volkspartei verloren. CDU, SPD, FDP und Grüne sind näher zusammengerückt. Die Regierungsbildung dürfte ein langwieriger Prozess werden, der ohne ausgeprägte Kompromissbereitschaft bei den agierenden Gruppierungen möglicherweise auf eine erneute Bundestagswahl hinausläuft…“

pp/Agentur ProfiPress