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Positive Bilanz trotz Corona

Blick in die Nachbarschaft: Der Verein zur Erhaltung der Gaststätte Gier hielt Rückschau auf zwei turbulente Jahre – Vorstand wurde neu gewählt – Uwe Schubinski: „2022 gibt es ein Wiedersehen mit den drei Spitzbuben der Eifel-Gäng aus Mechernich“

Mechernich/Kall – Die diplomatischen Beziehungen zwischen Kall und Mechernich haben sich während der vergangenen Wochen offensichtlich nicht so schwer verschlechtert, wie nach dem Überfall der verwegenen Eifel-Gäng auf das Vereinsgasthaus Gier am 1. Oktober zu befürchten gewesen war.

Ganz im Gegenteil: Der Kaller Gasthaus-Gier-Funktionär Uwe Schubinski hat jetzt sogar im Zuge der Jahreshauptversammlung ein neuerliches Gastspiel der Mechernicher im kommenden Jahr in Aussicht gestellt. Nicht so gut weg wie die Eifel-Gängster Günter Hochgürtel, Ralf Kramp und Manni Lang kamen solche Zeitgenossen, die es mit der Maskierung während der Corona-Pandemie nicht so ernst nahmen, wie das die Veranstalter im Saal Gier erwartet hätten.

Solchen Gästen, die sich gegen die Corona-Schutzverordnung stellen, so Uwe Schubinski, der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Gaststätte Gier, bei der Jahreshauptversammlung des 171 Mitglieder zählenden Vereins, droht in Zukunft Lokalverbot: „Ich bin nicht mehr bereit, weiter mit diesen Querdenkern zu diskutieren.“

Der Verein zur Erhaltung der Gaststätte Gier wählte einen neuen Vorstand: (vorne v.l.) Kassierer Peter Berbuir, Vize-Vorsitzender Ralf Schumacher, Vorsitzender Uwe Schubinski und Schriftführer Reiner Züll, (hinten v.l.) die Beisitzer Moritz Wirtz, Lukas Müller, Guido Schmidt, Harald Thelen, Ludwig Werle und Hiltrud Zander. Es fehlt der neue Beisitzer Andreas Züll. Foto: A. Züll/pp/Agentur ProfiPress

Schubinski sprach im Rückblick auf 2019 und 2020 von zwei erfolgreichen Jahren, in denen das denkmalgeschützte Gasthaus Gier erneut eine Wertsteigerung erfahren habe. Karneval habe 2019 großen Zulauf gehabt, im Saal sei eine professionelle Bühnenbeleuchtung installiert worden. Zudem habe der Verein einen neuen Internetauftritt gestaltet. Das Jahr 2019 sei aber auch geprägt gewesen vom langen Warten auf den ersehnten Förderbescheid des Landes NRW über 193.000 Euro für die Sanierung des Hauses.

Dieses Warten auf den Geldsegen aus Düsseldorf habe sich auch im Jahr 2020 fortgesetzt. Begonnen habe auch dieses Jahr verheißungsvoll mit gut besuchten Karnevalsveranstaltungen, doch danach habe die Corona-Pandemie den Kreis Euskirchen erreicht, was schließlich die Schließung der Gaststätte zur Folge hatte. Zwar habe man den Betrieb im Sommer unter strengen Auflagen wieder aufnehmen können, doch schon im November sei eine erneute Schließung angeordnet worden.

Die Pandemie habe zur Absage aller Kulturveranstaltungen geführt. Ausgefallen sei auch der traditionelle Auszahlungsabend des Sparvereins im November. Die Sparer seien dennoch in den Genuss ihres gesparten Geldes gekommen, denn Hermann Josef Arens und Hubertus Friedrichs vom Vorstand des Sparvereins hätten allen Sparern rechtzeitig zum Weihnachts-Einkauf die Tütchen mit dem Ersparten nach Hause gebracht.

Auch der Weihnachtsmarkt habe ausfallen müssen. „Um den Kindern dennoch eine Freude zu machen, haben wir 200 Schoko-Nikoläuse an die drei Kaller Kindergärten verteilt“, berichtete Uwe Schubinski. Ein Happy-End habe es dann im Dezember 2020 dennoch gegeben.  Die NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach sei persönlich nach Kall gekommen, um dem Verein in der geschlossenen Gaststätte den ersehnten Förderbescheid über 193.000 Euro zu übergeben.

Überbrückungshilfe von NRW

Danach habe der Verein die fortdauernde Schließung der Gaststätte zur Renovierung des denkmalgeschützten Gebäudes genutzt. Schubinski: „Der Dachstuhl und das Dach wurden erneuert, auch eine neue Heizung wurde eingebaut“. Die alte Ölheizung sei durch eine moderne Gastherme ersetzt worden.

Der 10.000-Liter-Öltank sei von einer Fachfirma zerlegt und entsorgt worden, so dass der frei gewordene Raum künftig vom Karnevalsverein als Lagerstätte genutzt werden könne. Der durch die monatelange Schließung der Gaststätte bedingter Einnahmeverlust sei durch Sofort- und Überbrückungshilfen des Landes NRW abgefedert worden, so dass man am Ende kaum Verlust erlitt.

Das ging auch aus dem Zweijahresbericht des Kassierers Berthold Jansen hervor. Im Jahr 2019 hätten Einnahmen von 155.221 Euro Ausgaben von 151.655 Euro gegenüber gestanden, so dass ein Gewinn von 4059 Euro verbucht werden konnten. Bei Einnahmen von 76.900 Euro und Ausgaben von 73.156 Euro habe der Verein im Jahr 2020 noch einen Gewinn von 3744 Euro zu verzeichnen gehabt. Trotz Corona…

Bevor die Versammlung zur turnusmäßigen Neuwahl des Vorstandes überging, erklärte Berthold Jansen, nicht mehr zur Wiederwahl als Kassierer Wahl zur Verfügung zu stehen. Durch die Flut seien zwei Häuser der Familie schwer betroffen worden, so dass es dort viel zu tun gebe. Der Verein zur Erhaltung der Gaststätte Gier sei mehr als nur ein Verein, sondern er sei ein Unternehmen mit hohen Umsätzen. In der jetzigen Situation könne er den Anforderungen nicht gerecht werden.

Jansen versicherte, seinem Nachfolger aber, noch bis zum Jahresende zur Verfügung zu stehen und bis dahin auch noch die Verantwortung für die Kassenführung zu übernehmen. Zum neuen Kassierer wählte die Versammlung den bisherigen Beisitzer Peter Berbuir, der über große kaufmännische Erfahrung verfügt, in den geschäftsführenden Vorstand.

Wiederwahlen zum Vorstand

In die Geschäftsführung wiedergewählt wurden Vorsitzender Uwe Schubinski, dessen Stellvertreter Ralf Schumacher und Schriftführer Reiner Züll. Als Beisitzer kamen Hiltrud Zander, Harald Thelen, Guido Schmidt,  Ludwig Werle, Moritz Wirtz, Lukas Müller und der Historiker Andreas Züll in das Führungsgremium. Letzterer wurde mit der Einrichtung eines Heimatmuseums betraut.

In seinem Ausblick auf das Jahr 2022 berichtete Uwe Schubinski, dass man nun  endlich mit der Sanierung der denkmalgeschützten Fenster nach den Vorgaben des Landeskonservators beginnen könne. Der hatte verfügt, dass der Verein keine neuen Fenster einbauen dürfe, sondern die alten Fenster erhalten und restaurieren müssen. Als Kaller Unternehmen habe die Firma Peetz für einen „fantastischen Preis“ (Schubinski) den Zuschlag bekommen.

Veranstaltungen seien für das nächste Jahr noch nicht geplant. Hier warte man die Entwicklung der Corona-Pandemie ab. Auf jeden Fall aber, so Schubinski, „werden wir die drei Spitzbuben der Eifel-Gäng im nächsten Jahr bei uns wiedersehen“.

pp/Agentur ProfiPress