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Musik ohne Kompromisse

André Nendza aus Eiserfey ist preisgekrönter Bassist, mehrfacher Bandleader, Bandcoach und Dozent im In- und Ausland – Musik erfinden und Bilder im Kopf erzeugen

Mechernich-Eiserfey – „Die Inspiration ist wie ein Muskel, der trainiert werden will“, sagt André Nendza. Der 54-Jährige aus Eiserfey ist Berufsmusiker auf allen Ebenen: Er ist Bassist und Bandleader, Komponist und Dozent, Coach und Inhaber eines Plattenlabels. Mittlerweile hat er einige hundert Stücke geschrieben, Platten aufgenommen, auf Konzerten im In- und Ausland gespielt und auch mehrere bedeutende Auszeichnungen für seine Projekte entgegengenommen. Über sich selbst sagt er: „Im Kern bin ich ein Musikfan.“

André Nendza wollte schon immer selbst Musik erfinden. Als Berufsmusiker hat er eine Balance gefunden zwischen dem Unterrichten, dem Spielen und dem Komponieren. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress
André Nendza wollte schon immer selbst Musik erfinden. Als Berufsmusiker hat er eine Balance gefunden zwischen dem Unterrichten, dem Spielen und dem Komponieren. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Gut 40 Jahre ist es her, dass André Nendza einer Bassgitarre die ersten Töne entlockte. Im Alter von 13 Jahren gründete er mit seinen Klassenkameraden in Hilden die Schulband mit dem originellen Namen „The pazifistischer Ozean“. Im Zuge dessen überlegten sich die Bandmitglieder, welches Instrument sie künftig spielen wollten – und André Nendza kam zum Bass.

„Mir war schnell klar, dass ich beruflich Musik machen möchte, aber mir war damals noch nicht so klar, wie das funktioniert.“ Nach einem Praktikum in der Tontechnik war er sich immerhin schonmal sicher: Das sollte es nicht werden. Stattdessen studierte André Nendza in der Jazzabteilung der Musikhochschule Köln, wo er schließlich als Diplom-Instrumentalpädagoge abschloss.

Unterrichten, spielen, komponieren

„Es war mir immer wichtig, die Musik zu spielen, die ich auch wirklich spielen möchte – ohne Kompromisse“, betont der Musiker heute. So hat er für sich eine Balance gefunden zwischen dem Unterrichten, dem Spielen und dem Komponieren.

Seit 25 Jahren leitet er das „Vorstudium Jazz“ der „Offenen Jazz Haus Schule“ in Köln. Dort bereitet er jedes Jahr junge Musiker auf die Aufnahmeprüfung vor, indem er ihnen die verschiedenen Stile des Jazz näherbringt, musikalische Zusammenarbeit und Improvisation übt und mit ihnen das Repertoire einer Band erarbeitet. „Es ist eine tolle Tätigkeit, immer wieder neue Menschen auf dem Weg zu ihrem Ziel zu begleiten.“

Mit 13 Jahren kam André Nendza über die Schulband zum Bass. 2012 wurde er mit dem „Echo Jazz“ in der Kategorie „Bass, national“ für sein Album „Rooms restored“ ausgezeichnet. Foto: Susanne Wittelsbürger/pp/Agentur ProfiPress
Mit 13 Jahren kam André Nendza über die Schulband zum Bass. 2012 wurde er mit dem „Echo Jazz“ in der Kategorie „Bass, national“ für sein Album „Rooms restored“ ausgezeichnet. Foto: Susanne Wittelsbürger/pp/Agentur ProfiPress

Darüber hinaus hat der Familienvater aus Eiserfey als Workshop-Dozent bereits in zahlreichen Ländern von den Niederlanden bis in die Vereinigten Staaten Station gemacht und gehört zum festen Dozententeam des Kurses „jazzemble“ in der Akademie Remscheid.

Als Coach ist die Bandarbeit sein Spezialgebiet. So begleitet er mehrere Bands, indem er Stücke für sie schreibt und mit ihnen einstudiert. Auch hier legt er das Augenmerk auf das Zusammenspiel der Musiker. Gleichzeitig verfolgt er aktuell mehrere Projekte, in denen er als Bandleader fungiert.

So zum Beispiel für die Band „A.tronic“, für die er Songs und auch Texte schreibt, die Pop mit Soul und Funk verbinden. Dabei hat „A.tronic“ im Jahr 2000 eigentlich als Jazzband angefangen. „Und manche Leute sagen, es ist immer noch Jazz“, sagt André Nendza mit einem Augenzwinkern.

Mehrfach ausgezeichnet

Eine weitere Formation ist zum Beispiel das Kollektiv „Tria Lingvo“, mit dem André Nendza 2014 das Finale des „Neuen Deutsche Jazzpreises“ gewann. Bereits 2012 war Nendza mit dem „Echo Jazz“ in der Kategorie „Bass, national“ für sein Album „Rooms restored“ ausgezeichnet worden.

„Das war eine schöne Erfahrung“, erinnert sich der 54-Jährige an die glamouröse Verleihung in Dresden zurück. Zwischen Hotel und rotem Teppich habe ihm zu diesem Anlass sogar ein eigener Fahrer zur Verfügung gestanden. „Auf der Rückfahrt nach Hause stand ich dann elf Stunden im Stau und habe mir gedacht: »Das ist das echte Jazz-Leben.«“

Mit dem Kollektiv „Tria Lingvo“ gewann André Nendza 2014 das Finale des „Neuen Deutschen Jazzpreises“. Foto: Susanne Wittelsbürger/pp/Agentur ProfiPress
Mit dem Kollektiv „Tria Lingvo“ gewann André Nendza 2014 das Finale des „Neuen Deutschen Jazzpreises“. Foto: Susanne Wittelsbürger/pp/Agentur ProfiPress

In Zeiten vor Corona hatte André Nendza im Jahr etwa 60 bis 100 Konzerte auf seinem Tourplan, die ihn in die verschiedenen Gegenden Deutschlands aber auch ins nahe Ausland wie in die Benelux-Staaten oder nach Großbritannien brachten. Während der Corona-Pandemie habe die Konzerttätigkeit natürlich sehr gelitten, erzählt Nendza, aber es habe auch gute Stipendien-Programme von Bund und Land gegeben. Mit einem dieser Stipendien hat der Musiker nun 15 neue Stücke komponiert und damit eine neue Platte aufgenommen. Zwei Quintette sind auf der CD zu hören, die im kommenden Frühjahr erscheinen soll.

Musik selbst erfinden

Das Komponieren sei ihm mindestens genauso wichtig wie das Bassspielen, sagt André Nendza. Von Anfang an sei ihm klar gewesen, dass er selbst Musik erfinden möchte. Dazu habe er sich im Laufe der Zeit fortgebildet und gelernt, wie Instrumente funktionieren, die er selbst gar nicht spielt, um sie in seine Stücke mit einfließen zu lassen.

Früher machte der Wahl-Eiserfeyer seine Musik im eigenen Musikraum zu Hause. Nach der Flutkatastrophe musste er sich mit seiner Familie jedoch eine neue Bleibe suchen und hat sich nun einen Raum im benachbarten Vussem für seine musikalische Arbeit gemietet.

André Nendza zusammen mit Sängerin Inga Lühning bei einem Auftritt im Rahmen des Eiserfeyer Kunst- und Musikfestivals „Feykultur“. Foto: Susanne Wittelsbürger/pp/Agentur ProfiPress
André Nendza zusammen mit Sängerin Inga Lühning bei einem Auftritt im Rahmen des Eiserfeyer Kunst- und Musikfestivals „Feykultur“. Foto: Susanne Wittelsbürger/pp/Agentur ProfiPress

„Natürlich gibt es manchmal Inspirationen – rhythmische oder melodische Ideen, die man unterwegs bekommt oder eine Textzeile, die man plötzlich im Kopf hat – aber das Komponieren ist auch Arbeit. Manchmal dauert es nur zehn Minuten, bis ein Stück fertig ist, manchmal braucht es Jahre, bis es passt.“ Auf die Frage, ob er seine Musik in ein paar Sätzen beschreiben könne, hat André Nendza eine ungewöhnliche Antwort parat: „Die Menschen, die meine Musik hören, sollen die Bilder im Kopf lieber selber erzeugen.“

In Eiserfey schätzt der 54-Jährige den starken sozialen Zusammenhalt – und engagiert sich auch selbst. Von der ersten Stunde an gehört er zu den Machern des Kunst- und Musikfestivals „Feykultur“. Sein nächstes Ziel: In Mechernich möchte er zusammen mit einem befreundeten Saxophonisten eine Jazz-Konzertreihe initiieren.

pp/Agentur ProfiPress