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Manfred I. (Ohles) war der Erste

Seit 50 Jahren gibt es in Mechernich Prinzen und Dreigestirne im Karneval – Nach der Session 1968/69 wurde der erste Prinz vom späteren Stadtdirektor Helmut Rosen an einem Samstag mit Beate Bauer vermählt – Ein Artikel von Manfred Lang aus der Sonderausgabe „50 Jahre Schleidener Wochenspiegel“

Mechernich – Sieht man einmal von Hubert Schomer unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ab, dann war Manfred Ohles in der Karnevalssession 1968 der erste „Prinz Karneval“ von Mechernich. Damals war die heutige Stadt Mechernich noch eine „Gemeinde“ und ein „Amt“, das außer der Bürgermeisterei Mechernich, zu der auch Roggendorf gehörte, noch die Gemeinden Vussem-Bergheim, Lorbach, Breitenbenden, Holzheim und Harzheim umfasste.

Gutgelaunte Vereinsmenschen und Feierkünstler im Karneval: Manfred Ohles (links), der in Mechernich eine lange Reihe kontinuierlicher Karnevalsprinzen seit 1968 begründete, und sein Roggendorfer Fastelovends-Gefährte Gerhard Rhein. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Manfred Ohles war ein Vereinsmensch, wie er im Buch steht, und in Roggendorf sowohl im seit 1961 bestehenden Motocross-Club als auch im Karnevalsverein aktiv. Als er 1968 Prinz wurde, war er bereits eine in mehrfacher Hinsicht gewichtige Persönlichkeit, die sich auch mit den Größen aus Politik und Gesellschaft bestens verstand.

Und so kam es, dass sich Amtsdirektor Helmut Rosen, der auch Sitzungspräsident im Mechernicher Karneval war, im November 1967 bei der Prinzenproklamation zu der Prophezeiung hinreißen ließ: „Manfred, in Deiner Prinzensession bringen wir Dich unter die Haube.“ Dann forderte er Prinz Manni auf, sich „stoons Fooß“ eine geeignete Dame aus dem Publikum auszusuchen.

Beate und Marcel Ohles blätterten für die Jubiläumsausgabe des Schleidener WochenSpiegel in alten Fotoalben und Erinnerungen an ihren Mann und Vater Manfred Ohles. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die 14 Jahre jüngere Beate Bauer erstarrte zur Salzsäule, als Manfred Ohles von der Bühne herab geradewegs auf sie zusteuerte – zumal sie mit einem ganz anderen Verehrer zur Karnevalssitzung gekommen war. Doch der neue Prinz schritt nicht etwa an ihr vorüber, sondern forderte die damals 17-Jährige auf, mit auf die Bühne zu kommen. „Da war nix zu machen…“

Beide kannten sich nicht nur „vom Ansehen“ am Mechernicher Bahnhof – Manfred als Fahrer am Taxistand, Beate als Fahrschülerin nach Euskirchen, wo sie an der Marienschule Abitur machte. Sie hatte auch dank ihrer guten Fremdsprachenkenntnisse Dolmetschertätigkeiten für den MSC Roggendorf und seinen emsigen Vorsitzenden Manfred Ohles übernommen, wenn es am Rande der Crossrennen mit ausländischen Sportskameraden und Funktionären zu reden galt.

Dekan Schroer traute heimlich

1971 heirateten die beiden. „An einem Samstag“, erinnert sich Beate Ohles: „Manfred sagte zu unserem »Verkuppler« Helmut Rosen, der inzwischen Gemeindedirektor der kommunal neugegliederten Kommune Mechernich war »mir hierode, wenn mir ne Jeck fönge, der oss samsdaahs trout«“.

Ein anderer Tag zur standesamtlichen Eheschließung kam für den Taxiunternehmer und späteren Lkw-Spediteur nicht in Frage. Karnevalspräsident Helmut Rosen ließ sich nicht lange lumpen: „Ich bin der Jeck, der Üch trout.“

Erst 15 Jahre später – die Söhne Torsten (* 1977) und Marcel (* 1980) waren längst geboren – wurde die kirchliche Hochzeit „nachgeholt“. Und zwar durch den Mechernicher Pfarrer und vormaligen Eifeldekan Wolfgang Schroer. „Er hatte uns zuvor gefragt, ob wir überhaupt kirchlich verheiratet seien, was wir verneinen mussten“, erinnert sich Beate Ohles: „Bei uns hat immer einer nachhelfen müssen.“

Manfreds Prinzenwagen, vermutlich ein Lkw und Tieflader der Roggendorfer Spedition Rhein, beim „Rosensonntagszug“ 1968 in Mechernich. Repro: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

1986 wurde also „richtig“ geheiratet – und zwar in einer Doppelhochzeit gemeinsam mit einem befreundeten Paar, dessen Identität vertraulich bleibt: „Wolfgang Schroer hat uns samstags nach der Abendmesse getraut. Sozusagen heimlich, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie waren bei uns die Trauzeugen, und wir umgekehrt bei ihnen . . .“

Mechernichs 68er Karnevalsprinz war ein Hans Dampf in allen Gassen. Dass der „spätberufene“ Ehesakramentsspender und Empfänger eines Tages selbst als Kirchenfunktionär und Leiter großer Jugendfahrten der Pfarre St. Johannes Baptist tätig werden würde, zeichnete sich zu dem Zeitpunkt bereits ab.

Ex-Prinz wird Pfarrgemeinderat

1989 bis 1997 war er Vorsitzender des Pfarrgemeinderates. Zum Zeitpunkt seines Todes beschäftigte sich der rank und schlank gewordene 100-Kilo-Prinz von 1968 gerade mit einer Fahrt der 50-köpfigen Pfarrjugend in Mechernichs südfranzösische Partnerstadt Nyons. In kirchlichen Gremien der GdG St. Barbara Mechernich ist noch heute oft von Manfred Ohles die Rede, in dessen Ägide starkes Laienengagement und nguter Zusammenhalt in Mechernich fielen.

Der zum Zeitpunkt seines Todes erst 65-Jährige arbeitete auch im Werbe- und Verkehrsverein mit, dem Träger der damals sehr erfolgreichen „Mechernicher Sommerwoche, im Vereinskartell sowie in der Prinzengarde, deren Ehrenvorsitzender er war. Aber auch dem Motocross-Club blieb er treu, und war zumindest zeitweise auch im Festausschuss Mechernicher Karneval engagiert.

Prinz Manfred I. (Ohles) und Gefolge auf dem Prinzenwagen 1968. Repro: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

„Es gibt solche und solche, Einzelgänger, Familienmenschen und Vereinsmenschen – Manfred war eindeutig ein Vereinsmensch“, so Witwe Beate Ohles, mit der zusammen Manfred 1982 das Beerdigungsinstitut ihres Onkels Arnold Schneider übernahm. Nach Manfreds Tod am 17. Februar 2003 brach Sohn Marcel sein Studium ab und führt seither mit seiner Mutter das Institut mit Hauptsitz in Mechernich und Niederlassung in Simmerath.

Apropos Familien- und Vereinsmensch: Als Beate Ohles mit ihrem Jüngsten Marcel niederkam, war Nikolausabend, und Manfred Ohles meinte, er müsse erst seine Runde als Nikolausdarsteller der Prinzengarde drehen, ehe er ins Krankenhaus komme: „Ich kann die Köngde doch ne waade losse.“

pp/Agentur ProfiPress