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Kleinstes Wasserwerk Deutschlands

Dietrich Graf Nesselrode öffnet Türen zu Pumpenhaus und Maschinenraum in Burgfey am „Tag des offenen Denkmals“ am 8. September – Großartiges Beispiel aus der Frühzeit der Elektrifizierung der Eifel –„Liegende Differential-Plungerpumpe“ von 1908 ist Herzstück – Anlage sicherte Wasserversorgung für Gut Hombusch

Mechernich–Burgfey – Historische Stätten öffnen deutschlandweit ihre Türen am „Tag des offenen Denkmals“ (8. September) und laden ein, sonst Verschlossenes oder Unbekanntes neu zu entdecken. Anlässlich des 100-jährigen Bauhausjubiläums steht der Tag unter dem Motto: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Vielerorts stehen daher revolutionäre Ideen oder der technische Fortschritt, die ein Denkmal ausmachen, im Fokus.

Dietrich Graf Nesselrode an der Armaturentafel des Maschinenraumes, der am „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 8. September, bei Führungen um 11 Uhr und 15 Uhr in Mechernich-Burgfey besichtigt werden kann. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

In Mechernich hat sich Dietrich Graf Nesselrode entschlossen, sein Denkmal, die Pumpenstation in Burgfey, für zwei Führungen, die um 11 und 15 Uhr beginnen, zu öffnen. „Bei den Führungen zeige ich das Haus Hombusch auch gleich mit, weil das Buntsandstein-Haus unten und das Gut hier oben zusammengehören“, so Nesselrode.

Elektrifizierung der Eifel

Inmitten von Pumpenwerk und Wasserrad wird dem Besucher der Stand der Technik nach der Jahrhundertwende vermittelt. Sie sind beeindruckende Beispiele aus der Frühzeit der Elektrifizierung der Eifel. Die „liegende Differential-Plungerpumpe“ war das Herzstück des wohl kleinsten Wasserwerkes in Deutschland. Die meisten Gerätschaften sind dank guter Pflege durch den Grafen und seiner Mitarbeiter im Originalzustand erhalten.

Innenansicht des Maschinenraums: Zweck der Anlage war ursprünglich die Gewinnung elektrischer Energie für das Haus Hombusch. Über der Maschinenhalle standen Bleiplatten-Akkumulatoren, in denen die elektrische Energie gespeichert wurde. Von dort führten Erdleitungen bis zum Haus Hombusch. Foto: Klaus Pauly/pp/Agentur ProfiPress

Langsam, fast bedächtig drehte sich einst das riesige eiserne Wasserrad. Ein beruhigendes Plätschern des Veybachwassers, das durch einen 1,8 Kilometer langen Mühlengraben an das Pumpenhaus herangeführt wurde, begleitete die konstanten Umdrehungen. Das Knarren des Räderwerks war das einzige, das von Zeit zu Zeit die Idylle durchbrach. Wasser rann über ein steinernes Aquädukt stetig auf die stählernen Schaufeln. Das denkmalgeschützte Rad versorgte mit seinem enormen Durchmesser von 7,60 m die Pumpenanlage und damit die Wasserversorgung des Gutes Hombusch.

Wasser und Strom für neobarocke Villa

Es war zwischen 1907 und 1908 als der Kölner Bankier Karl Theodor Deichmann in der Nähe des kleinen Ortes Burgfey inmitten eines Waldes das heutige Haus Hombusch errichten ließ. Die neobarocke Villa plante er als künftigen Feriensitz seiner Familie. Um Elektrizität und Wasser zu bekommen, ließ er zusätzlich das weiter unten gelegene Pumpenhaus samt Maschinenraum errichten. Der Gutsherr scheute keine Kosten und stattete den Bau mit modernster Technik aus.

„Um das Wasser hoch transportieren zu können wurde ein ganz umfangreiches und weitläufiges Leitungssystem hier auf den Berg hochgelegt, mit einer Brunnenkammer und Hochbehälter, von dem das Wasser dann in das Haus geflossen ist“, erläutert Nesselrode.

1999 ließ der Graf in Zusammenarbeit mit dem Euskirchener Geschichtsverein das Wasserrad, das von starker Korrosion befallen war, sanieren: „Das war ziemlich durchlöchert. Die Roststellen wuchsen sehr schnell größer, da waren durchaus drei Zentimeter große Löcher drin.“ Das gesamte Rad wurde mit Sandstrahl gereinigt, anschließend grundiert und neu beschichtet. 120.000 D-Mark wurde seinerzeit investiert.

Heute dreht sich das Wasserrad nicht mehr, berichtet Dietrich Graf Nesselrode. 2004 musste das System stillgelegt werden. Eine neue Steigeleitung mit einer elektrischen Pumpe sichert jetzt die Wasserversorgung für Haus Hombusch. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Seit 2004 ist die ganze Funktion, wie Graf Nesselrode bedauert, leider außer Betrieb und nur noch museal genutzt. „Die Leitungen in der Erde waren undicht geworden, das System verlor immer mehr Wasser. „Deswegen mussten wir eine völlig neue Steigeleitung hier in den Berg hochlegen mit einer neuen elektrischen Pumpe, um die Wasserversorgung für das Haus Hombusch weiter zu sichern.“  

2016 wurde außerdem das Maschinenhaus aufwendig restauriert. „Wir haben das Haus wieder auf den ursprünglichen Bauzustand reduziert und tragende Wände ertüchtigt“, so Graf Nesselrode. In dem Gebäude befinden sich drei vermietete Wohnungen.

Eine Besichtigung außerhalb des Tages des offenen Denkmals der Pumpenstation ist daher nur nach Absprache möglich. Führungen können für Gruppen ab 10 Personen angemeldet werden über: Geschichtsverein des Kreises Euskirchen e.V., Telefon 02 25 1/15 13 2 oder Nesselrode’sche Forstverwaltung, Haus Hombusch, Telefon 02 44 3/44 79.

pp/Agentur ProfiPress