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Hirschbrunft in vollem Gange

Auch im „Hochwildpark Rheinland“ röhren und rülpsen derzeit wieder die Platzhirsche, um Weibchen anzulocken und sich fortzupflanzen – Die Agentur ProfiPress begleitete Betriebsleiter Alexander Rosenthal bei einer „Brunftführung“ durch den Park – Auch Besucher können das beeindruckende Naturschauspiel hautnah erleben

Mechernich-Kommern – Es war ein grauer, verregneter Freitag im Herbst – „Couchwetter“ sozusagen – und fast keine Besucher waren im Kommerner „Hochwildpark Rheinland“ zu sehen. „Ideale Voraussetzungen um die Hirschbrunft zu beobachten“, freute sich Betriebsleiter Alexander Rosenthal. Er hatte im Januar vergangenen Jahres seinen Dienst in Kommern angetreten.

Das Rotwild-“Brunftrudel“ rund um den Platzhirsch in der Mitte. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Das Rotwild-“Brunftrudel“ rund um den Platzhirsch in der Mitte. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Nun gab er der Agentur ProfiPress eine kleine „Brunftführung“ durch den Park. Die Hirschbrunft ist ein jährliches Ereignis im Herbst, bei dem sich der Platzhirsch eines Rudels im Vorfeld gegen seine Konkurrenten durchsetzt, mit allen Weibchen ein Brunftrudel bildet und sie somit für Nachwuchs sorgen. Währenddessen hält er die Gruppe zusammen und die konkurrierenden Hirsche auf Abstand.

Die einen „röhren“, die anderen „rülpsen“

Der Weg begann, führte durch das erste stählerne Tor in das Gehege des Damwilds. Hier leben etwa 30 Exemplare der Gattung, von denen jedoch zunächst nichts zu sehen war. Den Park bevölkern laut Rosenthal darüber hinaus aber auch etwa 20 Tiere der Gattung Rotwild sowie 25 Tiere der Gattung Sika. Die Paarungszeit beim Rotwild betrage rund vier Wochen, beginne zuerst und dauere meiste bis Ende Oktober/Anfang November. Beim Dam- und Sikawild hingegen gehe es dann aber erst richtig los. Auch ihr Geweih werfen sie rund einen Monat später ab.

Auch der Platzhirsch des Damwilds hat sein Rudel beim rülpsen im Griff. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Auch der Platzhirsch des Damwilds hat sein Rudel beim rülpsen im Griff. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

„Beim Damwild nennt man das typische Brunftgeräusch übrigens Rülpsen statt Röhren“, bemerkte Rosenthal mit einem Schmunzeln, als der Weg entlang der großen Wiese im ersten Bereich führte. Er ergänzte: „Ansonsten ist das Verhalten weitestgehend gleich“. So hätten die Arten beispielsweise „Brunftgruben“, in die sie urinieren und sich dann darin wälzen, um auf die Weibchen anziehend zu wirken. Oftmals hätten sie auch einen „Brunftfleck“ am Bauch, weil sie sich selbst anurinieren. Zum Brunftverhalten zählt aber auch das zusammentreiben der Weibchen, oder das Geweih demonstrativ am Boden zu reiben

Betriebsleiter Alexander Rosenthal hatte vor ein paar Wochen bereits „Brunftführungen“ für Besucher angeboten. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Betriebsleiter Alexander Rosenthal hatte vor ein paar Wochen bereits „Brunftführungen“ für Besucher angeboten. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

„Vor ein paar Wochen haben wir schon »Brunftführungen« für unsere Besucher angeboten. Super beeindruckend war dabei, als ein Hirsch rund zwei Meter vor den Gästen vor uns einen Brunftschrei abgab“, so Rosenthal. Das Rotwild brunfte meist auf Wiesen oder am See im „Schavener Tal“.

„Am schnellsten wachsender Knochen“

Dann durchschritt man auch schon das zweite Eisentor in den nächsten Teil des Parks. Dahinter lag schon direkt ein großer Hirsch. Weit abseits seiner Gruppe beobachtete er seelenruhig die Besucher, die an diesem trüben Herbsttag wohl eine willkommene Abwechslung boten und richtete sich schließlich auf. Neugierig stand er regungslos dar, nur wenige Meter entfernt, und bot unter anderem wegen seines großen Geweihs einen majestätischen und zugleich respekteinflößenden Anblick.

Das Rudel der verbliebenen Rothirsche, gegen die der Platzhirsch sich im Vorfeld durchsetzen musste, graste gemeinsam… Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Das Rudel der verbliebenen Rothirsche, gegen die der Platzhirsch sich im Vorfeld durchsetzen musste, graste gemeinsam… Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Rosenthal betonte derweil: „Die Hirsche werden meist an die 15 Jahre alt, ab zehn bis elf Jahren beginnt allerdings schon der Abbauprozess, das nachwachsende Geweih wird dann beispielsweise weniger. Ein Geweih kann bis zu 15 Kilogramm pro Seite wiegen, also tragen die Tiere teils bis zu 30 Kilogramm auf dem Kopf.“

Einmal im Jahr werfen die Tiere ihr Geweih ab, was dann aber in vier bis fünf Monaten wieder nahezu vollständig nachwächst. „Dieses kann sogar einen bis zwei Zentimeter am Tag wachsen. Denn es ist der am schnellsten wachsende Knochen im Tierreich“, so der Betriebsleiter.

… mit ausreichendem Sicherheitsabstand zum „Brunftrudel“. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
… mit ausreichendem Sicherheitsabstand zum „Brunftrudel“. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Die samtige „Basthaut“ versorgt das Geweih während des Wachstumsprozesses mit Nährstoffen, im September wird dann schließlich „gefegt“. Hier reiben die Tiere die Haut beispielsweise an Bäumen ab. Durch Blut und Dreck entstehe so auch die dunkle Färbung des Geweihs, dass eigentlich „so weiß wie Knochen“ sei.

Hautnahes Naturschauspiel

Unter wachsamen Hirschaugen führte der Weg tiefer in den Park hinein in Richtung des Sees. Dann tauchten die nächsten beiden Exemplare auf, unterhalb des Weges auf einer Wiese am Bach. Man näherte sich langsam an, bis die Hirsche erkannten, dass keine Gefahr drohte. Alexander Rosenthal müsse oftmals auch „nicht so schöne Dinge“ erledigen, wie zum Beispiel Tiere für die Bestandsregulation erschießen oder betäuben: „Deswegen sind sie manchmal misstrauisch, wenn ich komme“. Doch an diesem Tag ließen sie sich ruhig beobachten, bevor sie zu ihrem Hirschrudel zurückkehrten.

Ein so majestätischer wie respekteinflößender Hirsch beobachtete am Wegesrand seelenruhig die Besucher. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Ein so majestätischer wie respekteinflößender Hirsch beobachtete am Wegesrand seelenruhig die Besucher. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Man folgte ihnen in Richtung der Wiesen am See, wo das Rotwild-„Brunftrudel“ schon weithin sichtbar auf einem kleinen Hügel graste. „Kahlwild“, so werden die Weibchen genannt, teilen sich sonst in paralleles Rudel zu den Männchen auf. Zur Brunftzeit gibt es allerdings nur das „Brunftrudel“ und die Hirsche drum herum, die vom Platzhirsch auf Abstand gehalten werden.

Seine Brunftrufe hallten durch das Tal und wenn ein Weibchen mal versuchte aus dem Rudel auszubrechen fing der Platzhirsch es ganz schnell wieder ein. Parallel dazu vertrieben sich die anderen Hirsche in sicherer Entfernung die Zeit damit, ein wenig zu kämpfen, also ihre Geweihe aneinander zu schlagen. Ein beeindruckendes Naturschauspiel, auch für den erfahrenen Betriebsleiter.

Die anderen Hirsche vertrieben sich ihre Zeit beispielsweise mit eindrucksvollen Geweihkämpfen. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Die anderen Hirsche vertrieben sich ihre Zeit beispielsweise mit eindrucksvollen Geweihkämpfen. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

„Haribo“ spendete Kastanien

Vom Rotwild bekäme knapp die Hälfte nach der Brunftzeit Nachwuchs, beim Damwild seien es teils sogar 80 bis 90 Prozent. Junge Hirsche, die in ihrem zweiten Lebensjahr zwei spitze Hörner auf dem Kopf bekommen, werden dann „Spießer“ genannt erklärte Rosenthal, als man sich schließlich wieder auf den Rückweg machte.

Ein beeindruckendes Bild nach dem anderen bot sich auf der großen Wiese am parkeigenen See. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Ein beeindruckendes Bild nach dem anderen bot sich auf der großen Wiese am parkeigenen See. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Entlang des verschlungenen Rückweges durch den herbstlichen Wald erzählte Alexander Rosenthal, wie die bekannte Bonner Firma „Haribo“ im vergangenen Jahr Kastanien an den Hochwildpark gespendet hatte, die die Hirsche und Rehe gerne fressen. Der Besitzer der Gummibärchenfirma habe nämlich selber Wild, dass er mit diesen Kastanien füttere, hatte aber zu viele übrig. In Kommern gebe man den Tieren auch Eicheln, Heu, Gemüse und ab und an ein wenig Getreide. Besucherspenden seien in Kommern daher willkommen.

Der Platzhirsch verteidigte sein „Brunftrudel“ sogar gegen die erst zweijährigen „Spießer“. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Der Platzhirsch verteidigte sein „Brunftrudel“ sogar gegen die erst zweijährigen „Spießer“. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Auch ein komplett schwarzer und ein komplett weißen Hirsch leben im Park, blieben an diesem Tag aber leider außer Sichtweite. Der Park hat nämlich eigentlich auch noch einen weiteren Teil, der früher per Brücke über die Straße erreichbar war. Derzeit überlege man sich Möglichkeiten, um auch diesen Teil für Besucher bald wieder zugänglich zu machen.

Der Platzhirsch des Rotwilds war stets dicht umringt von seinem Rudel. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Der Platzhirsch des Rotwilds war stets dicht umringt von seinem Rudel. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Neugierige Emus vom Kleintiermarkt

Im „Hochwildpark Rheinland“ ständen laut Rosenthal bald aber noch mehr Veränderungen an. So solle der Spielplatz erneuert werden, eine neue Tribüne zur Beobachtung der Elche entstehen und weitere Vogelhäuser errichtet werden. Rosenthal: „Ich freu mich schon sehr auf die Arbeiten. Wann bekommt man denn schonmal die Möglichkeit, einen Wildpark mit neu zu gestalten!“

Hier grasten zwei Hirsche gemeinsam am Bachlauf. Rechts zu sehen ist der Platzhirsch des vergangenen Jahres, der sich nichtmehr gegen die Konkurrenz behaupten konnte. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Hier grasten zwei Hirsche gemeinsam am Bachlauf. Rechts zu sehen ist der Platzhirsch des vergangenen Jahres, der sich nichtmehr gegen die Konkurrenz behaupten konnte. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Bevor die Tour durch den „Hochwildpark“ endete, kreuzte eine neugierige Gruppe neu im Park eingezogener Emus den Weg. Sie wurden einst auf dem Kleintiermarkt in Kommern gekauft und dann im Park abgegeben, denn eigentlich hätten sie dort laut dem Betriebsleiter nicht einmal verkauft werden dürfen. Berührungsängste hatten sie keine, so konnte Alexander Rosenthal sie sogar streicheln.

Zum typischen Brunftverhalten zählt auch wie hier das Geweih am Boden zu reiben. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Zum typischen Brunftverhalten zählt auch wie hier das Geweih am Boden zu reiben. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Schließlich trat auch endlich das „Brunftrudel“ des Damwilds in Erscheinung. Auch hier rülpste der Platzhirsch lauthals und verteidigte „seine“ Weibchen sogar gegen die kleinen „Spießer“, die von ihm aufgeschreckt wie wild durch die Gegend sprinteten.

Am Ende der Tour kreuzten sogar noch die frisch eingezogenen, neugierigen Emus den Weg. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress
Am Ende der Tour kreuzten sogar noch die frisch eingezogenen, neugierigen Emus den Weg. Foto: Henri Grüger/Agentur ProfiPress

Jeder, den das Thema Hirschbrunft noch tiefergehender interessiert, kann im nächsten Jahr, wenn es wieder von neuem beginnt, einmal selbst an einer „Brunftführung“ im Park teilnehmen. Denn dieses Naturschauspiel quasi einmal hautnah zu erleben, so war man sich einig, ist etwas ganz Besonderes.

pp/Agentur ProfiPress