Fußgängerbrücke wird montiert

Zehn-Millionen-Projekt „Barrierefreier Bahnhof Mechernich“ nimmt weiter konkrete Gestalt an

Mechernich – Als Mechernichs stellvertretender Verwaltungschef Thomas Hambach und der den Bau begleitende Diplom-Ingenieur Wilfried Claesgens von der Gemünder Ingenieursgesellschaft mbH C + K Gotthardt + Knipper im März vor einem Jahr eine Zwischenbilanz zum Zehn-Millionen-Euro-Projekt „Barrierefreier Bahnhof Mechernich“ zogen, konnten sie nicht ahnen, dass wenige Monate später eine nie dagewesene Flutkatastrophe alle ihre Prognosen über den Haufen werfen und die Eifelstrecke Köln-Trier-Saarbrücken schwer beschädigen würde.

Seit der Flutnacht auf den 15. Juli 2021 ist die Strecke bis Mechernich noch komplett stillgelegt, im kommenden April soll allerdings mit der Wiedereröffnung zu rechnen sein. Auch die Baumaßnahmen an den Bahnsteigen und im Umfeld schreiten unvermindert voran. Am Samstag wurde unter Einsatz schwerer Kräne die Fußgängerüberführung zwischen Bahnhofsseite und Mechatronics-Seite montiert.

Unter dem Einsatz schwerer Kräne wurde am Wochenende die Fußgängerüberführung am für zehn Millionen Euro neugestalteten Mechernicher Bahnhof installiert. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

In Angriff genommen wurden die Bauarbeiten einer ganz überbrückten, barrierefreien Bahnsteiganlage mit drei Aufzügen am 15. Juni 2020. Ursprünglich waren nur zwei Aufzüge vorgesehen, im Zuge der Maßnahme entschied man aber in Abstimmung mit dem Fördergeber, dass man sowohl vom Bahnhofsberg, als auch von der Friedrich-Wilhelm-Straße aus auf die Gleisanlage und zu den Zügen gelangen können soll.

Alle 20 Minuten nach Köln und Bonn

Die Mechernicher Bahnsteiganlage soll eine moderne und benutzerfreundliche Anlage an der Eisenbahnlinie Köln-Trier-Saarbrücken werden, die (noch) in beide Fahrtrichtungen im Halbstundentakt („Viertel vor“ und „Viertel nach“ jeder vollen Stunde) bedient wird – und nach der geplanten Elektrifizierung der Strecke bis 2026 in den Folgejahren zur S-Bahn im 20-Minuten-Takt wird.

Spätestens dann gehört die Stadt Mechernich ÖPNV-technisch zum Dunstkreis der Millionen-Metropole Köln. Das moderne Mechernicher Bahnhofsgebäude, das auf Privatinitiative des Mechernicher Unternehmers Rolf Schäfer („Schäfer-Reisen“) 2006 umgebaut worden war, ist dann eine weitere barrierefreie Drehscheibe inmitten des Kreises Euskirchen.

Freischwebend montieren Arbeiter die Fußgängerbrücke an Pfeilern über der Gleisanlage am modernisierten barrierefreien Bahnhof Mechernich. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Hinzu kommt die Bedeutung Mechernichs als Mittelzentrum und Medizin- und Bildungsstadt, die von überall ringsum erreichbar ist. „Das ist überfällig und wird positive Effekte nach sich ziehen“, so Erster Beigeordneter Thomas Hambach, „die wir bedienen können und wollen“. Die Bedeutung Mechernichs werde weiter zunehmen.

Das gelte sowohl für die medizinische Versorgung Mechernichs und für die komplette Bandbreite der Schulformen inmitten des Kreises, die in Mechernich angeboten werden, als auch in Sachen Inklusion und Arbeit mit und für Menschen mit Behinderung. Am Standort der ehemaligen RWZ-Siloanlagen, der von der Floisdorfer Firma H & P Schilles Tiefbau GmbH entwickelt wird, haben sich sowohl die Lebenshilfe HPZ (Heilpädagogisches Zentrum) in Bürvenich als auch die Nordeifelwerkstätten (NEW) Etagen gesichert.

Durch den Neubau eines erheblich breiteren Mittelbahnsteiges soll sich auch der Betrieb und Komfort für die Fahrgäste auf den Gleisen erheblich verbessern, so der Bauentwickler Diplom-Ingenieur Wilfried Claesgens: „Bisher konnten aus Sicherheitsgründen zwei Züge nicht gleichzeitig aneinander vorbeifahren, weil der derzeitige Zwischenbahnsteig dafür zu schmal ist. Der eine Zug konnte erst einfahren, wenn der andere den Bahnhof verlassen hat.“

Vorkriegsbahnhof Mechernich von der Lahmeyer-Seite aus gesehen (heute Deutsche Mechatronics). Der Bleibergwerksstandort wurde 1865 als erster Ort im damaligen Kreis Schleiden ans Eisenbahnnetz angeschlossen. Foto: Stadtarchiv Mechernich/pp/Agentur ProfiPress

Eine Brücke und drei Aufzüge

„Der Mittelbahnsteig soll über die Brücke mit Treppenanlagen, die jetzt gebaut wird, sowie über drei Aufzüge erreichbar sein“, erklärte Thomas Hambach. Was die Finanzierung des Zehn-Millionen-Baus angeht, bleibt der Erste Beigeordnete zuversichtlich: „Wir als Stadt realisieren die Maßnahme stellvertretend für die Bahn, weil wir sonst mit einem modernen und behindertengerechten Bahnsteig noch viele Jahre lang nicht an der Reihe gewesen wären.“

Aber refinanziert werde das Ganze vom Fördergeber Zweckverband „Nahverkehr Rheinland“. Was die Baukosten betrifft, sogar zu 100 Prozent und auch die Planungskosten mit einem großen Anteil. Dennoch verbleiben einige Hunderttausend Euro bei der Stadt als Eigenanteil. „Dies ist aber politischer Wille und über die Parteigrenzen hinaus beschlossen. Das ist gut investiertes Geld in unsere Stadtentwicklung und für unsere Bürger“ so Hambach.

Der Bahnhof in Mechernich wurde 1865 an der Bahnstrecke Hürth-Kalscheuren-Ehrang eröffnet. Am Bahnhof halten normalerweise Züge von DB Regio, die unter der Marke Vareo verkehren. Am Busbahnhof halten die Regionalbuslinien der RVK.

Sonntag, 13. März, waren bereits die Aufzugsschächte aufgesetzt worden, die die Fußgängerüberführung barrierefrei nutzbar machen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich war am 1. Juli 1865 der erste Bahnanschluss des damaligen Kreises Schleiden, auch wenn der Bahnhof noch auf dem Gebiet der benachbarten, zum Kreis Euskirchen gehörenden Gemeinde Kommern lag. Zwei Jahre später folgte am 1. September 1867 der nächste Abschnitt von Mechernich bis Kall, bis dahin fungierte der Mechernicher Bahnhof provisorisch als Endbahnhof der Strecke. Er erhielt ein vergleichsweise schmuckloses Empfangsgebäude in einem für die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft typischen schlichten klassizistischen Baustil. Das Gebäude war mit Wartesälen der 1. bis 3. Klasse und einer Bahnhofswirtschaft ausgestattet. Im Laufe der Jahre wurde es den steigenden Anforderungen angepasst und erweitert.

2007 an „Schäfer Reisen“

Das Gebiet des Bahnhofs kam erst 1959 zur Gemeinde Mechernich, nachdem die Gemeinde Kommern 1956 den Antrag gestellt hatte, den Bahnhof umzubenennen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude wie auch viele andere Bahnhöfe und Abschnitte der Eifelstrecke schwer beschädigt.

Der Neubau begann 1961. 2007 verkaufte die DB AG das Gebäude an das Mechernicher Omnibus-Traditionsunternehmen „Schäfer Reisen“, das den Bahnhof 2009 bis 2010 umfassend zur „Gleispassage Mechernich“ umgestalten ließ. Im Inneren wurden die Toiletten barrierefrei ausgebaut sowie ein Kiosk und ein Café/Bäckerei eingerichtet.

pp/Agentur ProfiPress