Freude und Frust der Krötenretter
An der Kreisstraße 20 in Eicks installierte der Kreisbauhof ein neuartiges Amphibienleitsystem, das den manuellen Einsatz von menschlichen „Krötenschleppern“ überflüssig macht
Mechernich-Eicks – Konzentriert schaut Jennifer Hack in den Scheinwerferkegel: „Im Autolicht kann man die Kröten auf der Straße am besten sehen. Das sind dann kleine Buckel.“ Wenn der Pkw vorbei ist, heißt es, sich zu sputen. Schnell die Kröten in den Eimer…

Jennifer Hack und ihr Mann Kai, beide bei der Polizei in Euskirchen beschäftigt, gehören zu jenen Naturschützern, die in diesen Tagen allabendlich unterwegs sind, um Kröten bei ihrer jährlichen Wanderung zu den Laichgewässern zu unterstützen.

„Wir brauchen dringend Unterstützung“, sagen sie. Seit 2020 betreuen sie einen Streckenabschnitt bei Wildenburg. „Im vergangenen Jahr hat sich Jutta Klar dazugesellt“, schreibt Stephan Everling in der „Kölnischen Rundschau“ und im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Wenn das Wetter regen Betrieb erwarten lässt, greift auch Julia Berners zu Eimer und Taschenlampe, um Kröten und Molche einzusammeln und sicher auf die andere Straßenseite zu bringen.“

450 Tiere haben sie im vergangenen Jahr in einer Nacht über die Straße transportiert – gleichzeitig wurden fast hundert Amphibien überfahren. „Das ist frustrierend“, gesteht Jennifer Hack. Seit Sonntag hat das kleine Helferteam alleine an der Wildenburg 1677 Amphibien gerettet: Erdkröten, Grasfrösche, Berg-, Teich- und Fadenmolche. Am Freitagabend sogar sieben streng geschützte Kammmolche.

50 Helfer an 15 Stellen
Ein Schutz, wie er gerade in Mechernich-Eicks fertiggestellt wird, wäre der Traum für die Naturschützer dort oben. An der Kreisstraße 20 zwischen Kommern und Eicks hat der Kreisbauhof auf mehreren Hundert Metern eine Krötenleitanlage gebaut samt mehrerer Querungs-Tunnel. „Das ist, was wir fordern“, so Ulrich Pohl vom Nabu-Kreisvorstand. Er koordiniert 50 Helfer, die an 15 Stellen im Einsatz sind.

Dass die Helfer, die die Tiere in Eicks bislang davor bewahrt haben, auf ihrem Weg in den Schlossgraben überfahren zu werden, arbeitslos werden, ist für niemanden ein Problem. „An anderen Stellen wird ihr Engagement gebraucht“, schreibt Stephan Everling und zitiert Birgit Pesch mit den Worten: „Die freuen sich, Arbeit ist genug!“ Insgesamt sind 2023 kreisweit bereits mehr als 6500 Amphibien gerettet worden.

Auch eine neue Stelle ist entdeckt worden. Am Mühlensee in Kommern wurde ein Zaun aufgebaut. Dort sind die Tiere auf dem Weg zum Kundenparkplatz eines Restaurants unterwegs. 60 überfahrene Tiere wurden 2022 in einer Nacht gezählt. „Das Problem ist, dass man nicht alles absperren kann“, so Pohl.

Ganz unterschiedlich reagieren die Autofahrer nach Angaben der Ehrenamtler auf ihre Arbeit entlang der Straßen: Manche nehmen Rücksicht, fahren langsam oder halten an – andere geben extra Gas. Auch sei in diesem Jahr ein Krötenschutzzaun mutwillig zerstört worden. Wer als „Krötenschlepper“ aktiv werden möchte, kann mit dem Nabu per E-Mail Kontakt aufnehmen: u.pohl@nabu-euskirchen.de
pp/Agentur ProfiPress