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Die Tafel wird überrannt

Kunden in Mechernich haben sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt – Ausgabe musste auf zwei Tage ausgeweitet werden – Neues, 53.000 Euro teures Tiefkühlfahrzeug konnte dank zahlreicher Spenden angeschafft werden

Mechernich – Diese Zahlen machen nachdenklich. „Die Kunden haben sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt“, sagt der Mechernicher Tafel-Vorsitzende Wolfgang Weilerswist. Der Andrang sei an einem Tag nicht mehr zu schaffen gewesen. Daher habe man die rund 350 Kunden auf eine Ausgabe am Dienstag und eine am Freitag aufgeteilt.

Das Team ist der Star: Die Helferinnen und Helfer der Mechernicher Tafel freuen sich über das neue Tiefkühlfahrzeug, das dank zahlreicher Spenden angeschafft werden konnte.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Das Team ist der Star: Die Helferinnen und Helfer der Mechernicher Tafel freuen sich über das neue Tiefkühlfahrzeug, das dank zahlreicher Spenden angeschafft werden konnte.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Doch woher kommt dieser Anstieg? „70 Prozent sind sicherlich auf ukrainische Flüchtlinge zurückzuführen“, sagt Wolfgang Weilerswist: „Eine sehr höfliche und zuvorkommende Klientel übrigens.“ Gleichzeitig wird es bei vielen Menschen immer enger im Geldbeutel. Steigende Preise überall bringen ganz viele Menschen an die Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten und darüber hinaus.

Supermärkte kalkulieren knapper

Die wirtschaftlich schwierige Lage spürt das Tafel-Team aber auch an anderer Stelle. „Die Supermärkte kalkulieren knapper. Das ist natürlich einerseits gut, weil weniger weggeschmissen wird, andererseits bleibt dann aber weniger Ware, die wir gespendet bekommen“, sagt Wolfgang Weilerswist.

Seine Mannschaft lässt sich davon aber nicht unterkriegen. Das war bei einer kleinen Weihnachtsfeier im Mechernicher Restaurant Magu deutlich zu spüren. Die Helferinnen und Helfer – teilweise auch mit über 80 Jahren noch engagiert dabei – strahlen trotz oder gerade wegen ihrer Arbeit für bedürftige Menschen Optimismus und Fröhlichkeit aus.

Zu den Spendern zählte auch die Mechernich-Stiftung. Der Vorsitzende Ralf Claßen (r.) und Vorstandsmitglied Dr. Michael Stöhr (l.) überreichten einen symbolischen Scheck über 5000 Euro an Wolfgang Weilerswist.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Zu den Spendern zählte auch die Mechernich-Stiftung. Der Vorsitzende Ralf Claßen (r.) und Vorstandsmitglied Dr. Michael Stöhr (l.) überreichten einen symbolischen Scheck über 5000 Euro an Wolfgang Weilerswist.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Freuen konnten Sie sich auch über ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Denn seit kurzem besitzt die Mechernicher Tafel ein nagelneues Tiefkühlfahrzeug. Das kostet laut Wolfgang Weilerswist neu eigentlich um die 100.000 Euro. Hersteller Mercedes sponsort die Tafel allerdings mit 50 Prozent Rabatt. Kein Wunder, dass der Mechernicher Tafel-Chef bei der Präsentation des Fahrzeugs den Mercedes-Slogan bemühte: „Das Beste für die Besten.“ Und das Beste, das sei ja klar, seien die verlässlichen Helfer der Tafel, die immer da seien, wenn man sie brauche.

Kölner Tafel Stiftung hilft

Diese Helfer setzen mit dem Tiefkühlfahrzeug ihre wichtige Funktion in der Tiefkühllogistik der NRW-Tafeln fort – als eines von wenigen Tiefkühlverteilzentren. Damit das so bleiben konnte, hat auch die Kölner Tafel Stiftung 15.000 Euro zum Fahrzeug beigesteuert.

„Es ist schön, dass wir helfen können“, stellte deren Geschäftsführer Harald Augustin während der Weihnachtsfeier fest. Die Stiftung sei gegründet worden, damit die Tafeln auf Dauer finanziell Gelder zur Verfügung gestellt bekommen – vornehmlich natürlich in der Domstadt, aber auch für diese wichtige Nachbarschaftshilfe setzt sich die Stiftung gerne ein.

Zu den Groß-Spendern gehört auch noch Lidl, die aus dem Topf ihrer Pfand-Spenden 10.000 Euro zum Lastwagen beisteuerten. Klar, dass auch die Mechernich-Stiftung ihren Beitrag zu diesem wichtigen sozialen Baustein im Stadtgefüge beiträgt.

Vorsitzender Ralf Claßen vertrat als Dezernent auch gleichzeitig den Bürgermeister und konnte auch in dessen Namen sagen: „Wir schätzen die Arbeit der Tafel sehr. Die Arbeit, die Sie alle hier leisten, verdient unser aller Anerkennung.“ Er betonte, dass auch die Mechernich-Stiftung spüre, dass die Not immer größer werde. „In dieser schwierigen Zeit müssen wir uns umso mehr gegenseitig helfen und unterstützen“, so Ralf Claßen, der gemeinsam mit Dr. Michael Stöhr, seinem Vorstandskollegen in der Stiftung, einen symbolischen Scheck über 5000 Euro an die Tafel überreichte.

Vereint für die Sache der Tafel: Geschäftsführer Harald Augustin (r.) von der Kölner Tafel Stiftung und der Mechernicher Tafel-Chef Wolfgang Weilerswist. Die Kölner haben 15.000 Euro zum Kauf des Tiefkühlwagens beigetragen.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Vereint für die Sache der Tafel: Geschäftsführer Harald Augustin (r.) von der Kölner Tafel Stiftung und der Mechernicher Tafel-Chef Wolfgang Weilerswist. Die Kölner haben 15.000 Euro zum Kauf des Tiefkühlwagens beigetragen.  Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Der engagierte Tafel-Mitstreiter Dr. Michael Stöhr hatte aber auch mahnende Worte: „Dieses private Engagement ist richtig toll und wir sind auch sehr dankbar dafür, aber wir müssen auch darauf achten, dass sich der Staat nicht aus seiner sozialen Verantwortung stiehlt und sagt: Die Tafeln machen das schon.“

Spenden-Aufruf aus Zülpich

Die Zustimmung dazu war ihm gewiss, aber da des Staates Mühlen meist langsam mahlen, machen erstmal die Tafel-Ehrenamtler vieles möglich, um Bedürftigen zu helfen. Die Anerkennung dafür ist vielfältig. Jüngst hat jetzt die evangelische und die katholische Kirchengemeinde in Zülpich, der Verein FairZülpich e.V. sowie die städtische Hilfsaktion „Zülpich hält zusammen“ gemeinsam dazu aufgerufen, dass die Menschen, die nicht auf die 300 Euro Energiekostenzuschuss angewiesen sind, das Geld an die Tafeln spenden. Der Aufruf weist unter anderem auch auf den Mechernicher Tafel e.V. mit seinem Spendenkonto (DE70 3826 0082 0217 3080 11) bei der Volksbank Euskirchen hin.

Wolfgang Weilerswist ist sehr dankbar über diese Art der Unterstützung für die wichtige Arbeit der Tafeln. Am Abend der Weihnachtsfeier stand für ihn allerdings sein Tafel-Team im Vordergrund. „Ihr gebt jeden Tag euer Bestes. Ich kann euch immer anrufen, wenn Not am Mann ist. Ich bedanke mich sehr für eure wahnsinnig wichtige Arbeit, die ihr jeden Tag leistet“, so der Tafel-Chef.

pp/Agentur ProfiPress