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Berufskolleg nach Mechernich?

Industrie- und Handelskammer schlägt dem Kreis Aufgabe der Kaller Berufsschule vor – „Standort mit Strahlkraft über das Kreisgebiet hinaus definieren“ – Am Bleiberg müssten über 75 Millionen Euro investiert werden

Mechernich/Kall/Euskirchen – Die Industrie- und Handelskammer zu Aachen hat der Kreisverwaltung vorgeschlagen, ihren Berufsschulstandort in Kall aufzugeben. Und zwar zugunsten eines zentraleren und Autobahn- und ÖPNV-technisch idealer gelegenen Schulstandorts, nämlich in Mechernich.

Das berichten die im Stadtgebiet erscheinenden Kölner Tageszeitungen jetzt in zwei aufeinanderfolgenden Ausgaben. Während der Bericht in der Dienstagsausgabe der Kölnischen Rundschau und des „Kölner Stadt-Anzeiger“ diese neuen Überlegungen zum Gegenstand hat, und das Schweigen von Landrat Markus Ramers dazu, ist die Donnerstagsausgabe von einem Gutachten der „Biregio“ (Projektgruppe Bildung und Region) in Bonn bestimmt, das den Neubau eines Berufskollegs in Mechernich in Erwägung zieht.

Das „Berufskolleg Eifel“ des Kreises in Kall steht theoretisch zur Disposition. Die Industrie- und Handelskammer zu Aachen (IHK) hat sich in einem Brief an Landrat Markus Ramers für die Schließung des Standorts Kall ausgesprochen. Als denkbare Alternative stellt ein Gutachten Mechernich zur Diskussion. Luftbild: Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress

Vier Varianten denkbar

Die „Biregio“ bringt in ihrem Gutachten insgesamt vier alternative Varianten für beide im Jahrhunderthochwasser 2021 untergegangenen  Berufskollegs des Kreises in Euskirchen und Kall ins Spiel. Der Redakteur Tom Steinicke nennt sie in der „Kölnischen Rundschau“ und im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Beide Berufskollegs fusionieren am Standort Euskirchen, zwei getrennte Berufskollegs am Standort Euskirchen mit Teilneubau, zwei getrennte Standorte in Kall und Euskirchen – und zwei getrennte Berufskollegs in Euskirchen sowie in Mechernich.“

Den Kostenpunkt für die letztgenannte Variante in Mechernich gibt die „Biregio“ mit 75 Millionen Euro plus Grunderwerb an. Diese Variante bringe laut der Projektgruppe im Schnitt die kürzesten Wege für die Schüler mit sich. Zudem gebe es Synergieeffekte mit dem Kreiskrankenhaus Mechernich, um neue Bildungsgänge anzustoßen. „Die Entscheidung der Auspendler, ein Berufskolleg außerhalb des Kreises zu besuchen, ist nach unserer Analyse ausschließlich von der Erreichbarkeit der Bildungsstätte abhängig“, so das Gutachten laut Tageszeitungen.

Am Dienstag gab es eine Art Krisengipfel zwischen IHK, Handwerkskammer und der interfraktionellen Arbeitsgruppe des Kreistages. „Wir sind zufrieden mit dem Austausch“, sagt die Geschäftsführerin Heike Borchers, Bereich Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen: „Die Entscheidung liegt bei der Politik. Wichtig ist, dass die Entscheidung schnell, aber nicht überstürzt fällt.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Bayer schreibt Landrat Markus Ramers, Betriebe entschieden sich bewusst gegen die Beschulung im Kreis Euskirchen. Der Kreis Euskirchen habe beim Wiederaufbau nach der Flut die „einmalige Chance“, sich auf einen Standort mit Strahlkraft zu konzentrieren und das Berufskolleg Eifel (BK) in Kall zu schließen. Foto: Archiv/pp/Agentur ProfiPress

Tom Steinicke zitiert Heike Borchers mit den Worten: „Wir sind an einem starken Berufsbildungsangebot interessiert. Dafür brauchen wir ein starkes Berufskolleg, das Strahlkraft hat und vielleicht sogar Schüler aus Köln in den Kreis Euskirchen zieht.“ Das könnte in Mechernich der Fall sein.

Breites Angebot an einem Standort

Borchers sagte Rundschau und Stadt-Anzeiger aber auch: „Wir sollten die Standortdiskussion ergebnisoffen führen, dabei aber alle Informationen berücksichtigen. Nach allem, was wir wissen, ist ein starkes Berufsbildungsangebot an einem Standort leichter zu realisieren.“

Wenn man sich für den Standort Kall als jenen mit Strahlkraft entscheide, sei das auch in Ordnung. Wichtig ist aus Sicht Borchers, dass man nicht den Status quo vor der Flutkatastrophe wiederherstellt, weil man nun „die historische Chance habe, für einen Paukenschlag zu sorgen und ein Angebot schaffen, das den Kreis zukunftsfähig macht“.

pp/Agentur ProfiPress