Aktuelles

Neuer Stolperstein und Lesung

Neuer Stolperstein (Kölner Straße) und szenische Lesung von „Adressat unbekannt“ (Bürgerhaus) in Kommern am Samstag, 19. November – Gedenken an Arthur Levano und Familie

Mechernich-Kommern – Als letztem Spross seiner alten jüdischen Kommerner Unternehmerfamilie wird für Arthur Levano (1890 – 1960) am Samstag, 19. November, ein Stolperstein am früheren Firmensitz in der Kölner Straße enthüllt. Am gleichen Tag findet eine szenische Lesung unter dem Titel „Adressat Unbekannt“ im Kommerner Bürgerhaus von 17 bis 18.30 Uhr, statt. Das teilt Mitorganisator Rainer Schulz dem Mechernicher „Bürgerbrief“ mit.

Der Mechernicher Initiativkreis „Forschen-Gedenken-Handeln“ hat sich erfolgreich für die Verlegung eines Stolpersteins für Arthur Levano in Kommern am 19. November eingesetzt. Hier (v. l.) die Mitglieder Gisela Freier, Elke Höver und Rainer Schulz mit Stolpersteinen für die Familie Levy im vergangenen Jahr. Archivfoto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress
Der Mechernicher Initiativkreis „Forschen-Gedenken-Handeln“ hat sich erfolgreich für die Verlegung eines Stolpersteins für Arthur Levano in Kommern am 19. November eingesetzt. Hier (v. l.) die Mitglieder Gisela Freier, Elke Höver und Rainer Schulz mit Stolpersteinen für die Familie Levy im vergangenen Jahr. Archivfoto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Kommern, Hanau, Birmingham

Arthur Levano war der jüngste Sohn von Markus Levano und seiner Frau Bertha, geb. Emsheimer. Markus Levano war der Gründer der in der Euskirchener Region sehr bekannten Landhandelsfirma Levano, deren Getreidehandlung in der Kölner Straße die Josef Strotkötter KG bis zu einem Brand in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts betrieb.

In dem mittelständischen Familienunternehmen arbeiteten jüdische und nichtjüdische Mitarbeiter eng zusammen. Es gab mehrere Zweigstellen in der Region, unter anderem in Mechernich, Kall, Derkum und Nettersheim.

Im Anschluss findet ab 17 Uhr eine szenische Lesung von „Adressat unbekannt“ in der Kommerner Bürgerhalle statt. Grafik: Friedrich Naumann Stiftung/pp/Agentur ProfiPress
Im Anschluss findet ab 17 Uhr eine szenische Lesung von „Adressat unbekannt“ in der Kommerner Bürgerhalle statt. Grafik: Friedrich Naumann Stiftung/pp/Agentur ProfiPress

Arthur Levano wurde am 8. Juni 1890 in Kommern geboren. Er war seit 1920 Inhaber des Bekleidungshauses J. Sponzel jr. in Hanau bei Frankfurt/Main. J. Sponzel jr. war ein großes Textilkaufhaus mit sechs Abteilungen, so zitiert Rainer Schulz aus dem Archiv von Gisela und Wolfgang Freier, die zusammen mit Mechernicher Schülern und Unterstützung von Zeitzeugen die Geschichte der Juden im Stadtgebiet Mechernich sehr gewissenhaft aufgearbeitet haben.

Dieses namhafte Hanauer Kaufhaus verfügte über ein Weißwarenlager, Kurzwaren, Seidenlager, Wäscheabteilung, Damenabteilung und Herrenabteilung. Die Belegschaft bestand aus 45 Angestellten, meist Frauen. Geschäftsführerin war eine Frau. 1937 wurde das Geschäft enteignet und am 26. August 1938 an neue Besitzer übertragen. Das nannten die Nazis „Arisierung“. Arthur Levano verlor sein Eigentum. Er zog Ende 1938 bis zu seiner Flucht wieder zu seinen Geschwistern nach Kommern.

Markus Schmitz, der Kommerner Synagogenvorsteher, bescheinigte am 10. Februar 1939, dass Arthur Levano Mitglied der Kommerner israelitischen Gemeinde ist. Am 1. April 1939 floh Levano nach England. Nach seiner Heirat lebte er in Birmingham, 1957 wurde sein Sohn Adrian geboren. Arthur Levano starb 1960 im Alter von 70 Jahren.

Gedenkgang und Lesung

Der Gedenkgang am Samstag, 19. November, beginnt um 15 Uhr bei den drei Stolpersteinen für die jüdische Familie Levy im „Wingert“. Diese waren wegen Corona im vergangenen Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlegt worden. Die Agentur ProfiPress berichtete seinerzeit durch die Redakteurin Kirsten Röder über diese Steine und deren Geschichte.

Weiter geht der Gedenkgang zu den Stolpersteinen der Geschwister Levano auf der Kölner Straße, vor dem ehemaligen Firmensitz. Dort wird der fehlende Stein für Arthur Levano im Beisein seines Sohnes Adrian, der eigens aus London anreist, enthüllt.

Arthur Levano in Uniform, erster Weltkrieg. Er musste 1939 nach England fliehen. Foto: Archiv Wolfgang und Gisela Freier/pp/Agentur ProfiPress
Arthur Levano in Uniform, erster Weltkrieg. Er musste 1939 nach England fliehen. Foto: Archiv Wolfgang und Gisela Freier/pp/Agentur ProfiPress

Im Jahre 2006 wurde für Arthurs Bruder Eduard Levano, der 1937 verstorben war, ein Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Kommern aufgestellt. Die Nazis hatten verboten, dass nach seiner Bestattung ein Grabmal errichtet wurde… In einer beispiellosen Gemeinschaftsaktion der damaligen Hauptschule Satzvey, unter Leitung von Gisela Freier, wurde dies vor 16 Jahren schließlich geändert. Beteiligt waren dabei viele Eltern, Kommerner Vereine und Firmen.

Nach dem Gedenkgang soll von 17 bis 18.30 Uhr eine szenische Lesung („Adressat Unbekannt“) im Bürgerhaus stattfinden. Der Euskirchener Marienschulleiter Michael Mombaur sowie Gymnasiallehrer und Theaterpädagoge Axel Gehring wollen aus dem gleichnamigen Buch Texte zu Gehör und ins Bewusstsein bringen. Der Klezmer-Klarinettist Bernd Spehl will die Lesung musikalisch untermalen.

(V. l.) Arthur Levano, Adrian Levano und May Levano, geborene Whinston. Das Foto stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1959, Arthur starb 1960. Foto: Archiv Wolfgang und Gisela Freier/pp/Agentur ProfiPress
(V. l.) Arthur Levano, Adrian Levano und May Levano, geborene Whinston. Das Foto stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1959, Arthur starb 1960. Foto: Archiv Wolfgang und Gisela Freier/pp/Agentur ProfiPress

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Diese werden für weitere Projekte der Erinnerungskultur in der Region (Stolpersteine, Einladung von Zeitzeugen und mehr) eingesetzt.

Organisiert wird die Lesung von der „Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit“, die liberale Angebote für politische Bildung bietet, und dem Initiativkreis „Forschen-Gedenken-Handeln“. Dieser setzt sich aus Wolfgang und Gisela Frier, Elke Höver und Rainer Schulz zusammen. Sie versuchen, die Erinnerung an jüdische Familien und das jüdische Leben im Stadtgebiet wach zu halten.

pp/Agentur ProfiPress