Laser statt Pappe

Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft-Schwerfen beginnt ein neues Zeitalter: Schießanlagen mit elektronischer Zielerfassung in Betrieb genommen – Bürgermeister, der als Jugendlicher auch bei den Schützen war, ist begeistert

Zülpich-Schwerfen – Bei der Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft Schwerfen ist das Elektronikzeitalter angebrochen. Ende April wurde im Beisein des Zülpicher Bürgermeisters Ulf Hürtgen die neue elektronische Schießanlage offiziell in Betrieb genommen. Laserstrahlen in einem Messfeld aus Lichtschranken ersetzen dabei die althergebrachten Pappzielscheiben.

Geschossen wird auf dem 50-Meter-Sportschießstand noch immer mit Kleinkalibergewehren, aber die Zielerfassung erfolgt elektronisch mit Hilfe von 52 laserbewehrten Lichtschranken. Links Zülpichs Bürgermeister Ulf Hürtgen in Aktion, rechts Ortsvorsteher MNichael Sita, assistiert von den Vorständen Franz-Josef Winkelhag (v.r.) und Hendrik Opgenorth sowie Mäzen Dr. Willi Wassong. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Offiziell“ in Betrieb ging das technische Wunderwerk, weil die Schwerfener Sebastianer in Wirklichkeit bereits seit einem Jahr auf den beiden neuen Anlagen für Kleinkaliber- und Luftgewehrschießen trainieren. Bislang fand sich wegen der Pandemie lediglich noch keine Zeit, die fast 40.000 Euro teure technische Errungenschaft gebührend einzuweihen.

Die Schwerfener Schützenbruderschaft, die 1929 gegründet wurde und aktuell 118 aktive Mitglieder hat, ist im Schießsport ausgesprochen gut aufgestellt – auch, was die Jugendarbeit und Nachwuchsförderung betrifft. 31 aktive Sportschützen sind unter 18 Jahre jung. Die Bruderschaft überzeugt bei lokalen und regionalen Wettbewerben mit insgesamt 13 Mannschaften in den Disziplinen Luftgewehr, Luftpistole, Kleinkalibergewehr und Kleinkaliberpistole.

Zehn elektronisch messbare Schießbahnen stehen auf dem Luftgewehrstand zur Verfügung, hier vorgeführt von (v.r.) Wolfgang Biertz, Franz-Josef Winkelhag und Hendrick Opgenorth. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Schwerfener Schießsportler nehmen an den Rundenwettkämpfen und Meisterschaften des Bundes der historischen Deutschen Schützenbruderschaften teil. Und das mit beachtlichem Erfolg. Ihre „1. Mannschaft Luftgewehr freihand“ ist in diesem Jahr in die höchste Klasse, die „Diözesanklasse A“, aufgestiegen, zudem gab es in den vergangenen Jahren bei den Bundesmeisterschaften einen Meistertitel für Kevin Krulikowski sowie mehrere zweite und dritte Plätze durch Einzelschützen und Mannschaften.

Finanzierungsprobleme

„Um der gestiegenen Leistung Rechnung zu tragen und allen Schützen in Schwerfen die besten Trainingsmöglichkeiten zu bieten, haben wir uns im Jahre 2019 entschieden, einen Bauantrag für die Umrüstung unserer Luftgewehr- und Kleinkaliberschießanlagen auf elektronische Zielerfassung zu stellen“, erklärte Franz-Josef Winkelhag vom Vorstand der Sankt-Sebastianus-Schützenbruderschaft Schwerfen.

Zielanzeigebildschirm überm „Zappes“: Vom Bewirtungsbereich des Schwerfener Schützenhauses aus können Zuschauer via Bildschirm mitverfolgen, was drinnen auf den neuen elektronischen Schießbahnen an Ringen erzielt wird. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Zufällig sei zur gleichen Zeit, als diese Überlegungen aufkamen, ein Programm der Landes­regierung NRW „Moderne Sportstätte 2022“ aufgelegt worden, in das die Sebastianer tatsächlich mit dem Segen des Zülpicher Stadtrates aufgenommen wurden.

Es sollte 70 Prozent Zuschuss geben, die Anschaffungs- und Umbaukosten für ein modernes Schießstandsystem der Fachfirma „Meyton“ wurden seinerzeit mit 37.000 Euro angegeben. Die Schützen waren begeistert…

Große Dinge halten sowohl Franz-Josef Winkelhag von den Schwerfener Schützen, als auch der Zülpicher Bürgermeister Rolf Hürtgen vom Schützenwesen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Doch dann stoppte der Kreissportbund alles“, empörte sich Franz-Josef Winkelhag bei der Inbetriebnahme: „Und zwar, weil wir nicht Mitglied im Landessportbund sind.“

Der Schwerfener Ortsvorsteher Michael Sita, der auch Mitglied bei den Sebastianus-Brüdern ist, setzte sich sofort mit Bürgermeister Ulf Hürtgen in Verbindung, um eine Ersatzlösung zu finden. Die Stadt Zülpich sagte einen Zuschuss von 30 Prozent der Kosten zu, weil die Umbaumaßnahme bereits fast abgeschlossen war. Noch vor Ende des Jahres 2020 flossen 10.950 Euro aus dem Stadtsäckel nach Schwerfen.

40.000 € zum Schießen

Insgesamt ausgegeben hat der Verein für die elektronischen Schießanlagen ungefähr 40.000 €. „An Spenden hierfür konnten 11.250 € vereinnahmt werden, davon alleine 10.000 € vom Freund und Förderer Dr. Willi Wassong“, rekapitulierte Franz-Josef Winkelhag. Förderung der Stadt und des Ministeriums für Brauchtum beliefen sich auf zusammen 21.000 €, 15.000 € wurden als Darlehen bei Mitgliedern aufgenommen.

Bei der offiziellen Inbetriebnahme herrschte drangvolle Enge am Luftgewehrstand. Demnächst soll auch ein extra Lasergewehr für die Jungschützen beschafft werden. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Ohne die Arbeitsleistung unserer Mitglieder wären wir dennoch gescheitert.“, betonte Franz-Josef Winkelhag bei dem Festakt im Schützenhaus Ende April. 17 von ihnen haben insgesamt 650 Arbeitsstunden geleistet. Federführend bei der Maßnahme in technischer Hinsicht seien der Jugendführer Thomas Pitten, Schießmeister Thomas Strick und Präsident Johannes Kursch gewesen.

Thomas Strick zeigt eine der von Laser-Lichtschranken kontrollierten „Zielscheiben“. Die Bleigeschosse werden aufgefangen und recycelt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die nun vollends fertiggestellte Schießanlagen mit elektronischer Zielerfassung solle ein Ort der Begegnung und des sportlich fairen Wettkampfs werden. „Die Schießstände sind vielleicht die modernsten  im ganzen Bezirksverband“, so Franz Josef Winkelhag und Schriftführer Hendrick Opgenorth.

Ortsvorsteher und Schütze Michael Sita legt an, Hendrik Opgenorth, Dr. Willi Wassong und Franz-Josef Winkelhag sind gespannt auf die elektronische Zielanzeige. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Bürgermeister Ulf Hürtgen, einst selbst aktiver Sportschütze in seinem Heimatort Vettweiß, Ortsvorsteher Michael Sita und Mäzen Dr. Willi Wassong schossen zur offiziellen Inbetriebnahme der elektronischen Schießanlage um die Wette. Außerdem wurden kühle Getränke und leckere Brötchen serviert.

rp/pp/Agentur ProfiPress