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Im „Froschland“ gibt’s Süßigkeiten satt

Preisträger des Jugendliteraturpreise jeweils zu Hause feierlich geehrt – Mechernicherin Benita Flimm gewinnt bei 16- bis 19-Jährigen – Buch mit allen Geschichten kann beim Weilerswister Barton-Verlag bestellt werden – Nächste Wettbewerbsrunde startet schon im Januar 2022 – Vorschläge für Themen bis 15. Dezember 2021 an zukunftsbuero@nettersheim.de

Kreis Euskirchen – Elisa Hartmann aus Oberhausen konnte es kaum erwarten. Welchen Platz sie beim Jugendliteraturwettbewerb belegt haben würde, zu gern hätte es die Achtjährige erfahren. Doch Joachim Starke, Organisator und Jurymitglied des von Lit.Eifel und Literaturhaus Nettersheim veranstalteten Wettbewerbes, machte es spannend. Nur dass sie einen der vorderen Plätze belegt haben würde, das war klar, denn sonst wäre Joachim Starke ja nicht bei ihr zu Hause vorbeigekommen. Überglücklich war sie, als er ihr endlich verriet, dass sie mit ihrer Geschichte „Schöne Tage im Froschland“ den zweiten Platz in der Gruppe der 6- bis 9-Jährigen belegt hatte.

In der Gruppe von 16 bis 19 Jahre gewann Benita Flimm, 18 Jahre, aus Mechernich. Foto: Jochen Starke/pp/Agentur ProfiPress

Bereits zum zweiten Mal hatte Starke sich auf den Weg machen müssen, alle Preisträger in allen Altersklassen zu besuchen, um ihnen ihre Preise und Urkunden zu übergeben. Denn wie auch im Vorjahr hatte die üblicherweise im Nettersheimer Holzkompetenzzentrum stattfindende Literaturmesse wegen der hohen Inzidenzzahlen abgesagt werden müssen. Damit fiel auch die Preisverleihung für den zum achten Mal ausgetragenen Jugendliteraturwettbewerb aus, und Starke machte sich, genau wie vor zwölf Monaten, auf die Reise durch die Kreise Düren und Euskirchen sowie die Städteregion Aachen, um den jungen Nachwuchsliteraten zumindest ein klein wenig festlichen Rahmen zu bereiten und die Urkunden nicht einfach nur sang- und klanglos per Post zu verschicken.

Mit Zoë Hennemann aus Lammersdorf wurde eine Seriensiegerin erneut beglückwünscht. Jurorin und Laudatorin Claudia Hoffmann überreichte ihr die Urkunde. Foto: Jochen Starke/pp/Agentur ProfiPress

Den Weg zu einigen Häusern kannte er bereits. So konnte er mit Zoë Hennemann aus Lammersdorf eine Seriensiegerin erneut beglückwünschen. Bereits zum vierten Mal in Folge hatte die 15-Jährige in ihrer jeweiligen Altersklasse den ersten Preis erringen können.

Skrupelloses Verbrechen

Auch Benita Flimm aus Mechernich, die den ersten Preis in der Klasse von 16 bis 19 Jahre erreicht hatte, war bereits im vergangenen Jahr Erste ihrer Altersklasse geworden. In ihrer neuen Geschichte lässt sie den Leser Zeuge der Vorbereitung eines Verbrechens werden. Ihr skrupelloser Protagonist plant aus gekränkter Eitelkeit einen Mord, der schließlich doch nicht so ausgeführt wird, wie er es geplant hatte. „Großartig“ urteilte die Jury über den Text. Für die 18-jährige Mechernicherin ist jetzt allerdings Schluss; im nächsten Jahr darf sie altersbedingt nicht mehr am Jugendliteraturpreis teilnehmen.

Dass in den Preislisten auch „Wiederholungstäter“ zu finden seien, liege nicht daran, dass die Jury ihre Lieblinge habe, betonte Jurorin Claudia Hoffmann. Denn alle 51 Einreichungen seien anonymisiert beurteilt worden. „Es war eine Fülle von beeindruckenden Texten“, sagte sie. Bei den Mehrfachpreisträgern sei anhand der Texte eine Entwicklung festzustellen gewesen.

Elisa Hartmann mit Familie, von links Stephan Wagner, Nina Hartmann, Elisa Hartmann mit Frosch Juju, Vivienne Weiß und Lutz Hartmann. Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress

Da das Motto des Wettbewerbes „Weit über die Grenzen hinaus“ weit gefasst worden sei, sei es spannend gewesen, was daraus gemacht worden sei. „Wir sind mit vielen Grenzen konfrontiert“, so Hoffmann. Über alle Kategorien hinweg seien spannende Ansätze gefunden worden

Auch im vergangenen Jahr hatte Starke bei seiner Rundreise bereits in Bürvenich Station gemacht, um der damals elfjährigen Kristin Pesch ihren ersten Preis zu überreichen. Diesmal war es der zweite Platz, den sie mit einer Kurzgeschichte und einem Gedicht erringen konnte. Damit sei sie die einzige Teilnehmerin gewesen, die gleich zwei Beiträge eingereicht hatte.

Erlebnisse der Flutnacht

Mit ihrer Geschichte „Am Ufer des Schlammes“ hatte Kristin die Erlebnisse in der Flutnacht im Juli in Worte gefasst. „Wir sind damals zur Hauptstraße gegangen, wo das Wasser heruntergelaufen kam“, erzählte sie. Zu Hause habe dann der Keller unter Wasser gestanden. Ihre literarische Verarbeitung der Ereignisse verlief allerdings ungleich dramatischer. Da berichtet sie von einem Jungen namens Fynn, der angesichts der Katastrophe das Bewusstsein verliert und nur knapp gerettet wird. Hinterher erlebt er die überwältigende Hilfsbereitschaft der freiwilligen Helfer. Drei Tage habe sie an der Geschichte gearbeitet, verriet Kristin, während das Gedicht an einem Abend fertig gewesen sei.

Kristin Pesch mit ihren Eltern in Bürvenich. Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress29.11.2021 Claudia Hoffmann (links) und Joachim Starke (rechts) übergaben Kristin Pesch aus Zülpich und ihren Eltern für ihren zweiten Preis im Jugendliteraturwettbewerb Urkunde, Geschenk und das Buch mit allen Texten.

Das „Froschland“, in das die achtjährige Elisa Hartmann ihre Leser entführt, hat für sie einen großen Vorteil: „Dort sind Süßigkeiten gesund, ich liebe nämlich Süßigkeiten“, sagte sie. Auch sonst ist es besonders: 6000 Spielplätze hat es, Autos gehen nie kaputt und Computer sind aus Stoff. Inspiriert wurde die Geschichte von ihrem Kuschelfrosch „Juju“, den sie seit ihrer Geburt hegt und pflegt. „Ohne den geht nichts“, verriet Mutter Nina. Er sei auch schon verloren und gestohlen worden, habe aber immer wieder den Weg zurückgefunden, erzählte sie.

Den Sonderpreis Integration erhielt Lamah Ghoul aus Euskirchen mit ihrer Lehrerin Jutta Schäfer. Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress

Das Motto für den nächsten Jugendliteraturpreis stehe noch nicht fest, teilte Organisator Joachim Starke mit. Doch die Zeit eilt, denn die Ausschreibung für die nächste Runde soll Anfang Januar 2022 veröffentlicht werden. Wenn die auf den Mai verschobene Literaturmesse stattfindet, sollen auch die nächsten Preisträger ausgezeichnet werden können. Vorschläge für das neue Motto können an bis zum 15. Dezember 2021 an Joachim Starkeper E-mail (zukunftsbuero@nettersheim.de) gesendet werden.

Alle Einsendungen wurden in dem Band „Weit über die Grenzen hinaus“ veröffentlicht, das beim Barton-Verlag, Weilerswist, mit der ISBN 98-3-934648-47-0 aufgelegt wurde.

Alle Preisträger in der Übersicht:

Den ersten Platz im Jahr 2021 in der Altersgruppe 6 bis 9 Jahre belegte Ella Munsche, 9 Jahre aus Hürtgenwald, vor Elisa Hartmann, 8 Jahre, aus Schleiden und Lina Mehls, 6 Jahre, aus Bad Münstereifel.

In der Altersklasse 10 bis 12 Jahre gewann Alonja Ida Rhie, 12 Jahre, aus Simmerath, vor Kristin Pesch, 12 Jahre, Zülpich und Maja Hölz, 12 Jahre, aus Schleiden.

Bei den 13- bis 15-jährigen hatte Zoë Hennemuth, 15 Jahre, Lammersdorf, die Nase vorn, vor Rivke Dolezel, 14 Jahre, aus Roetgen, und Jonathan Mrosek, 13 Jahre, aus Euskirchen.

In der Gruppe von 16 bis 19 Jahre gewann Benita Flimm, 18 Jahre, aus Mechernich, vor Anna Güldenring, 16 Jahre, aus Euskirchen und Sophie Scharra, 18 Jahre, aus Monschau. Den Sonderpreis Integration erhielt Lamah Ghoul aus Euskirchen mit ihrer Lehrerin Jutta Schäfer.

Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress