Hoffnung nach Schutt und Scherben
Christine Schirrmacher eröffnet nach 17 Jahren in Schleiden ihre neuen Atelier- und Ausstellungsräum in Mechernich – Vernissage zu „Flutgezeichnet & Neues Werk“ am Wochenende, 15. und 16. Oktober
Mechernich – „Und wieder hat die Liebe neu gesiegt.“ Was für ein schönes Ende für ein Gedicht. Merlin Flu hat es 1993 verfasst. Seine Bilder strahlen genau das aus. Sie leuchten so farbenfroh, so voller Zuversicht und machen die Naturkatastrophen, mit denen sich der 2015 verstorbene Künstler immer wieder auseinandergesetzt hat, fast vergessen.

Eine dieser Katastrophen, nämlich die Flut, hat dafür gesorgt, dass seine Frau Christine Schirrmacher nach siebzehn Jahren Standort in Schleiden nun neue Atelier- und Ausstellungsräume in Mechernich eröffnet. Dort startete sie am Wochenende, 15. und 16. Oktober, mit einer Vernissage der Ausstellung „Flutgezeichnet & Neues Werk“. Zu sehen sein werden Exponate rund um die Elemente der Natur, die so zerstörend und schöpfend zugleich sein können. Andererseits zeigt Christine Schirrmacher auch Werke, in denen sie die Fluterlebnisse aus 2021 künstlerisch verarbeitet.

Neues schaffen aus der Kraft der Helfer
Denn ihr Atelier und Wohnraum in der Alten Schule in Schleiden-Oberhausen war durch die Flut unbewohnbar geworden. „Einige Arbeiten konnte ich retten“, sagt die Künstlerin. Vieles sei aber in den Fluten verloren gegangen. Trotzdem habe sie unendlich viel Kraft aus dem Engagement der Helfer gezogen. „Von Tag eins an waren sie da“, ist Christine Schirrmacher immer noch sehr dankbar für die Hilfe. Aus dieser Kraft wollte sie das Positive herausziehen und etwas Neues schaffen.

Das Ergebnis sind unter anderem die Atelier- und Ausstellungsräume in der Mechernicher Bahnstraße 53 geworden. Vier kleine, charmante Räume, nur durch den Hausflur getrennt, laden die Besucherinnen und Besucher ein, sich auf der einen Seite dem Werk von Merlin Flu zu nähern und auf der anderen Seite die Kunst von Christine Schirrmacher zu betrachten.
Wird man dann bei Merlin Flu wuchtig von dem farbintensiven und großen Gemälde „Hermes“ empfangen, sind es bei seiner Frau eher zurückhaltendere, kleinere Kunstwerke, die den Betrachter auffordern und dazu animieren, näher zu kommen und genau hinzuschauen.

Wogen toben
Wen Christine Schirrmacher dann einlädt, einen Blick in das kleine Depot von Merlin Flu zu werfen, der wird unweigerlich an dem grünen Stier mit dem Flöte spielenden Mädchen hängen bleiben. Es ist eines der Kunstwerke, die aus den Fluten gerettet werden konnten und hier und da einer Restauration bedürfen. Der Stier steht dabei für die Naturgewalten, die das Mädchen mit ihrem Flötenspiel versucht zu bändigen.
Eine Aufgabe, die nur scheitern kann. So jedenfalls hat es uns die Flutkatastrophe schmerzlich vor Augen geführt. Merlin Flu beginnt sein Gedicht von 1993 mit diesen Sätzen: „Wogen toben, von Stürmen gepeitscht durch die Straßen meiner Seele. Schäumen, gurgeln, bäumen sich auf, hinterlassen Schutt und Scherben.“

Es klingt fast so, wie eine Vorhersage der Ereignisse des vergangenen Jahres. Aber für Merlin Flu endete seine Kunst nie an dem Punkt mit Schutt und Scherben, sondern gipfelte immer in der Hoffnung und Zuversicht. Wie gesagt: „Und wieder hat die Liebe neu gesiegt.“
Die Vernissage Flutgezeichnet & Neues Werk“ findet am 15. und 16. Oktober 2022 von 13 bis 18 Uhr in den neuen Atelier- und Ausstellungsräumen in der Bahnstr. 53 in Mechernich statt. Die künftigen Öffnungszeiten sind dienstags, freitags & samstags von 13 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung, Kontakt unter Telefon 0174-7211098 oder im Internet unter:
www.atelier-schirrmacher.de
pp/Agentur ProfiPress