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Angst nehmen, Nähe geben

Einblick in den Alltag von Pflegekräften und Betreuungsassistenten in den Einrichtungen des Sozialwerks Communio in Christo – Der Journalist Marco Führer schaute den Mitarbeitern im Rahmen der Pflege-Serie von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau über die Schulter – Ein Pressespiegel

Mechernich – In einer „Pflege-Serie“ widmen sich der Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau aktuell den Menschen, die in der Pflege tätig sind. Journalist Marco Führer schaute jetzt einigen Mitarbeitern in den Einrichtungen des Sozialwerks Communio in Christo über die Schulter. Unter der Überschrift „Nähe ist ihr eigentlicher Beruf“ gab er einen treffenden Einblick in den Alltag von Pflegekräften und Betreuungsassistenten.

„Sie nimmt die Angst“, schreibt Marco Führer über Stefanie Seidler, die als Pflegerin in der Langzeitpflege für Schwerstpflegebedürftige arbeitet. Der Journalist beschreibt, wie sie den lungenkranken André Richter auf dem Weg aus seinem Zimmer zum mobilen Sauerstoffgerät unterstützt. Menschen mit kranker Lunge hätten viele Ängste, wird Schwester Steffi zitiert: „Sie haben Angst, dass sie keine Luft mehr kriegen. Angst, dass sie ersticken.“

Stefanie Seidler (Mitte), Pflegerin in der Langzeitpflege für Schwerstpflegebedürftige der Communio in Christo, mit den beiden Bewohnern André Richter und Christina Kellnberger. Foto: Marco Führer/pp/Agentur ProfiPress

Wie die eigene Familie

Neben den praktischen Aufgaben wie waschen, Wunden versorgen oder beim Essen und Trinken helfen, gebe es einen weiteren anspruchsvollen Teil ihrer Arbeit: „Er besteht aus kleinen Gesten, Berührungen, Zuhören. Nähe ist ihr eigentlicher Beruf“, konstatiert der Journalist.

In der Langzeitpflege für Schwerstpflegebedürftige gibt es 111 Plätze für Menschen, die zum Beispiel an schweren Hirnverletzungen oder neurologischen Erkrankungen leiden oder körperlich behindert sind. Die Bewohner, so schreibt Marco Führer, seien oft schon seit mehr als einem Jahrzehnt in der Einrichtung: „Und sie wachsen den Angestellten ans Herz.“ Das bestätigt auch Betreuungsassistentin Sofia Rittau. Die Bewohner seien wie die eigene Familie, wie Onkel und Tanten – die aber eben manchmal wie Kinder auf die Fürsorge und die Hilfe der Pfleger angewiesen seien.

Ilse Schemkes (rechts) zeigt stolz ihr selbst gemaltes Bild, zusammen mit Sybill Vetter, Pflegeleiterin auf der Huntington-Station in der Langzeitpflegeeinrichtung der Communio in Christo. Foto: Marco Führer/pp/Agentur ProfiPress

Fürsorge und Hilfe brauchen auch die Bewohner, die an der Erbkrankheit Chorea Huntington leiden. Der Journalist erklärt: „Die seltene Erbkrankheit zerstört das Gehirn etappenweise. Wer an Chorea Huntington leidet, verliert in erstaunlicher Geschwindigkeit die Kontrolle über seine Muskeln und seinen Geist.“

Der Pressebericht erzählt von Ilse Schemkes, die seit etwa zwei Jahren von genau dieser Krankheit betroffen ist: „Mittlerweise zittert sie so stark, dass sie sich nicht mehr ohne Hilfe anziehen kann. Auch das Sprechen fällt ihr schwer.“ Dennoch hält Ilse Schemkes stolz lächelnd ein Bild in die Kamera. Sie hat es selbst gemalt, wie viele andere der Bilder in ihrem Zimmer, die zwischen gerahmten Fotos in den Regalen stehen.

Einrichtungsleiterin Sonja Plönnes spricht über die große Herausforderung, das Leid der anderen auszuhalten: „Pfleger können nicht auf einen Knopf drücken und dann nichts mehr fühlen. Aber das ist in Ordnung. Wir dürfen auch betroffen sein.“ Foto: Marco Führer/pp/Agentur ProfiPress

„Angst vor dem Sterben nehmen“

Viele Bewohner der Huntington-Station in Mechernich seien noch relativ jung, berichten die Tageszeitungen. Meistens stünden die Betroffenen gerade in der Mitte ihres Lebens, zwischen 30 und 50 Jahren alt. Marco Führer zitiert Pflegeleiterin Sybill Vetter: „Chorea Huntington wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent weitervererbt. Wir haben schon die Eltern mancher Bewohner gepflegt.“

Auch das Hospiz „Stella Maris“ ist eine Einrichtung des Sozialwerks Communio in Christo in Mechernich. Zwölf Zimmer gibt es dort für die sterbenskranken Hospizgäste. „Die Beziehung zwischen Pflegern und Behandelten ist im Hospiz kürzer, aber dafür intensiver als in der Schwerstpflege“, schreibt Marco Führer. Das führe nicht selten zu Erlebnissen, die den Pflegern lange im Gedächtnis blieben. Kleine Feste mit den Hospizgästen, sogar Hochzeiten habe man dort schon erlebt.

Für die Menschen, die in der Einrichtung des Sozialwerks arbeiten, so Marco Führer, sei es dann die schwerste Aufgabe, nicht nur die Angst zu nehmen. „Sondern die Angst vor dem Sterben zu nehmen.“

pp/Agentur ProfiPress