Radaktionstag mal anders

In diesem Jahr Corona-bedingter Ausfall – Ortsbürgermeister und Kreispolizeibehörde wollen trotzdem auf Gefahren im Straßenverkehr hinweisen – Im nächsten Frühjahr wieder Veranstaltung geplant

Von Henri Grüger

Mechernich – „Macht Euch Gedanken. Straßenverkehr ist ein Miteinander, kein Gegeneinander!“: Deutliche Worte von Polizeioberkommissarin Anke Weber. Sie und ihr Team sind zuständig für die Verkehrssicherheitsberatung der Polizei im Kreis Euskirchen. Gemeinsam wollen sie die Leute zum Nachdenken bringen – auch wenn in diesem Jahr Corona-bedingt kein Radaktionstag in Mechernich stattfinden kann.

Deshalb gibt es alle diesbezüglichen Informationen auch ohne speziellen Aktionstag bald online unter euskirchen.polizei.nrw oder als Infoblätter bei der Polizeiwache in Mechernich. Wichtig für die Sicherheit ist es zum Beispiel, einen Helm zu tragen und mit Reflektoren an Rad und Kleidern dafür zu sorgen, dass man auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen im Straßenverkehr zu sehen ist.

Seit fast 15 Jahren wird an einem solchen festen Termin im Frühjahr öffentlichkeitswirksam über alle wichtigen Facetten des Radfahrens im Straßenverkehr aufgeklärt. Dieses Jahr hätte der Radaktionstag zum 13. Mal auf Einladung des Mechernicher Ortsbürgermeisters Günther Schulz auf dem Parkplatz hinter dem Gebäude der Polizei in der Mechernicher Bergstraße stattfinden sollen.

Normalerweise sind die Polizei, das Deutsche Rote Kreuz, die Kreisverkehrswacht, der ADFC, der Kreissportbund und die Firmen „Zweirad Schulz“ und „Elektro-Fahrradverleih-Eifel“ mit von der Partie. Diese Organisationen stellen dann immer für Interessierte aus, prüfen Sicherheit, kennzeichnen gegen Diebstahl und informieren.

Der vom Ortsbürgermeister Günther Schulz veranstaltete Radaktionstag in Mechernich musste in diesem Jahr leider ausfallen. Polizei-Oberkommissarin Anke Weber präsentierte trotzdem stolz die neuen Polizei-Pedelecs in der Verkehrsdirektion Mechernich. Für nächstes Jahr nach Ostern befindet sich der Aktionstag wieder in Planung. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Beliebte Angebote

„Der größte Teilnehmermagnet sind der Fahrrad-TÜV und die Fahrrad-Codierung durch den ADFC“, erzählte die Kommissarin jetzt im Gespräch mit der Agentur ProfiPress. Dabei wurden die mitgebrachten Fahrräder auf Ihre Verkehrstüchtigkeit geprüft und notfalls von „Zweirad-Schulz“ nachgebessert. Die Kosten für die Ersatzteile wurden berechnet, die Arbeit nicht.

Anschließend gab es einen jahresaktuellen Aufkleber der Verkehrswacht und Polizei. Gegen eine Gebühr codierte der ADFC das Fahrrad zusätzlich, um es vor Diebstahl zu schützen oder leichter wieder auffindbar zu machen. Die Polizei bietet darüber hinaus – also auch unter Corona-Pandemiebedingungen – die App „Fahrradpass“ an, bei der Rahmennummer, Codierung, Name und Anschrift des Radbesitzers registriert werden. Zu finden im App Store oder unter „Google Play“.

Damit können Radbesitzer ihr Rad nach Verlust oder Diebstahl leichter wiederfinden, beziehungsweise anhand eines QR-Codes nachweisen, dass es sich um ihr Eigentum handelt. Das ist laut Anke Weber gerade heutzutage sehr wichtig, da seit der Corona-Pandemie mehr Fahrräder gestohlen werden als früher.

Zehn Jahre lang wurde der Radaktionstag nur für Prüfungen und Wartungen genutzt, dann nahm man nach und nach mehr und mehr Dinge ins Programm auf. Für weitere Anregungen ab 2022 ist man dankbar, so Günther Schulz: „Wir richten uns nach den Leuten. Jeder kann mitgestalten.“

In den letzten Jahren konnten Besucher in einem aufgebauten Parcours ihre Fahrkünste trainieren und unter Beweis stellen, unter anderem auf einer Wippe. Hier zum Beispiel im letzten Jahr Johannes Winckler unter der Aufsicht von Oberkommissarin Weber. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Aufklärung als Prävention

Die Polizei erläutert an Radaktionstagen Regeln und Beschilderung laut Straßenverkehrsordnung und verheimlicht den Besuchern auch nicht den aktuellsten Bußgeldkatalog für Verkehrsteilnehmer. Das Rote Kreuz informiert von der Schürf- und Platzwunde bis zur Kopfverletzung und wie man derartige Blessuren erstversorgt.

Der Kreissportbund Euskirchen hatte in den vergangenen Jahren einen Parcours aufgebaut, den Aktionstags-Besucher mit Leih- oder eigenen Rädern befahren konnten. Die Firma „Elektro-Fahrradverleih-Eifel“ bot Probefahrten auf E-Bikes, es gab Gelegenheit für Kinder und Erwachsene, sich mit allerlei Polizeiaccessoires fotografieren zu lassen.

„Ein wichtiges Thema ob mit oder ohne Aktionstag ist die grundsätzliche Empfehlung zum Tragen eines Schutzhelms“, so Anke Weber zum Reporter des Mechernicher Bürgerbriefs. Dabei geht es auch ums richtige Tragen, wie man die Helmgröße einstellt und so weiter: „Der Helm ist einer der entscheidenden Sicherheitsfaktoren im Straßenverkehr. Das Gehirn kann bei einem Unfall oder Sturz so schwer verletzt werden, dass es nicht mehr vollständig regeneriert. Mit Helm wird es optimal geschützt.“

Ebenfalls seien Sehen und Gesehen-werden im Straßenverkehr nicht zu unterschätzen. Die Polizei klärt im Web (www.polizei.nrw/artikel/sehen-und-gesehen-werden) und auf Flugblättern auf über das Tragen von Reflektoren jeglicher Art an Fahrrad und Kleidung. Um die Thematik rund um „Sehen und gesehen werden“ kümmert sich die Polizei schon seit Jahren und hat dazu auch eine Kampagne ins Leben gerufen.

Gefahren durch unpassende Kleidung (lange Mäntel, Kleider, Sandalen ohne Profil, Flip-Flops usw.) sollten unbedingt vermieden werden. Der so genannte tote Winkel, in dem Fahrer von Kraftfahrzeugen Radfahrer im Außen- und Innenspiegel nicht erkennen können, spielt ebenfalls eine große Rolle in der Aufklärungskampagne der Polizei. Wie groß dieser „blinde“ Fleck ist, wurde beim Radaktionstag 2020 durch Auslegen einer großen orangenen Plane deutlich gemacht.

Ebenfalls ohne eigens auf einem Radaktionstag darüber informieren zu müssen, warnt die Polizei auch Radfahrer vor dem Gebrauch von Handys und Smartphones im Verkehr. Im Web schreibt die Polizei: „Auch bei nur 25 km/h bedeutet eine Sekunde auf das zu Handy schauen, sieben Meter blindes Fahren.“

Bei den Radaktionstagen wird auch Basiswissen vermittelt, zum Beispiel, wie wichtig es ist, sich nicht wie der sprichwörtliche „nasse Sack“ aufs Fahrrad zu hängen, sondern eine „gesunde Grundspannung“ einzunehmen. „Grundspannung“ im Körper bedeutet, vorausschauend und reaktionsbereit zu sein, dabei aber natürlich einen kühlen Kopf zu bewahren.

Das ist gerade auf elektronischen Rädern wichtig, so Anke Weber, die durch das zusätzliche Gewicht der Akkus, höhere Geschwindigkeiten und ein anderes „Handling“ Fahrer zu Fehleinschätzungen und schwierigen Situationen führen. Oft sind schwere Unfälle die Folge.

An diversen Ständen können sich Besucher eigentlich jedes Jahr informieren oder auch ihr Fahrrad wieder auf den neuesten Stand bringen lassen. Hier ein Bild des Standes von „Zweirad Schulz“ aus Kommern unter der Leitung von Rainer Schulz (links) im Gespräch mit Johannes Winckler (rechts) aus dem letzten Jahr. Günther Schulz (2. v.r.) ist Ortsbürgermeister des Kernortes und Veranstalter des Radaktionstages. Oberkommissarin Anke Weber (2.v.l.) begleitet interessierte Teilnehmer durch die Stände und informiert ebenfalls selber. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

„Mehr Konflikte im Straßenverkehr“

In den vergangenen Jahren haben Unfälle in Verbindung mit Radfahrern zugenommen. Im Kreis Euskirchen gab es 2020 121 polizeilich registrierte Unfälle, davon 107 mit Personenschaden, die Dunkelziffer gerade bei weniger folgenreichen Unfällen dürfte um einiges höher sein. Es verunglückten 25 Fahrer mit Pedelecs oder E-Bikes, wovon 23 verletzt wurden. „Es sind einfach mehr Räder jeglicher Art vorhanden, das führt natürlich auch zu mehr Konflikten im Straßenverkehr“, so Weber.

In der Pandemie gab es weniger Kfz-Verkehr auf den Straßen und mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger. Die Oberkommissarin Weber: „Fußgänger und Radler brauchen Freiraum. Hektik bringt niemandem etwas. Man muss sich Gedanken machen, wie das Miteinander optimal gestaltet werden kann. Dann kommt auch jeder gut an.“

Der nächste Radaktionstag soll Anfang 2022, kurz nach Ostern zum Start der neuen Fahrradsaison stattfinden. Frei nach dem Motto: „Kümmert euch um Eure Sicherheit und die der anderen!“

pp/Agentur ProfiPress